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22 Dez, 2007

…und kein bißchen weise…

Posted by: Casi In: World wide web

…so könnte man schliessen, wenn man sich anschaut, wie sich die Musikindustrie seit Jahren abrackert, um irgendwie mit dem Phänomen “Internet” zurechtzukommen. Statt die unglaublichen Möglichkeiten des WWW für sich zu nutzen, vergeudet man seit Ewigkeiten seine Energie darauf, Köpfe abzuschlagen, die an anderer Stelle doppelt und dreifach nachwachsen. Jüngstes Beispiel: Die deutsche Musikindustrie hatte den wenig glorreichen Einfall, pünktlich zum Weihnachtsgeschäft den Branchenprimus Amazon abzumahnen, wie heise.de zu berichten weiss. Man störte sich daran, dass Amazon unverschämterweise Import-CDs anbietet, die preislich teilweise unter den EU-Erzeugnissen angesiedelt sind. Amazon reagierte auch prompt und nahm die CDs diverser Künstler vorübergehend vom Markt – dummerweise für Sony, EMI und Co. demonstrierte der Online-Riese Amazon gleichzeitig seine Macht am Markt, indem zu den abgemahnten Import-Produkten gleichzeitig auch die EU-Produkte der gleichen Künstler von der Angebotspalette genommen wurden. So waren zeitweise alle Top-Seller der aktuellen Top 100 nicht erhätlich, was gerade im Weihnachtsgeschäft einem gewaltigen Eigentor der Musikindustrie gleichkommt. Einer Spiegel-Meldung zufolge hat man zwar mittlerweile beide Parteien an einen Tisch bekommen (und Amazon bietet mittlerweile auch wieder alle CDs an ausser die beanstandeten Import-Versionen), aber ein Ende des unter der Oberfläche brodelnden Streites ist noch lange nicht in Sicht.

Ich stell mir jetzt die Frage, wer da wirklich der Leidtragende ist: Die Musikindustrie, Amazon oder doch wieder “nur” der Kunde?

Mit Sicherheit hat sich die Musikindustrie einen sehr schlechten Zeitpunkt ausgesucht, um Amazon abzumahnen. Interessant zu wissen wäre jetzt, wie sich der durchschnittliche Kunde verhält. Wenn ich z.B. die neue Amy Winehouse-CD kaufen möchte, führt mich nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit (weil ich ja ein durchschnittlicher Kunde bin *g*) mein erster Weg zu Amazon. Naja, vielleicht führt er mich auch zu Google, aber Ihr könnt ja mal ausprobieren, welcher Händler als Erstes im Google-Ranking auftaucht, wenn man nach “Amy Winehouse” sucht ;-)

Also weiter im Text: Ich bin jetzt bei Amazon und bemerke, dass ich die gewünschte CD nicht finde. Was passiert denn aber jetzt? Schaue ich bei Amazon nach einem anderen Produkt oder versuche ich einen anderen Anbieter ausfindig zu machen? Wenn ich für mich persönlich spreche, würde ich den letztgenannten Weg gehen und mich auf anderen Portalen umschauen – in diesem Fall wären die Geschädigten Amazon (entgangenes Geschäft) und ich selbst (grösserer Zeitaufwand). Sollte es aber stimmen, dass der Durchschnitts-User einfach nur auf Amazon vertraut, was seine Multimedia-Einkäufe im Netz angeht, so wären alle Parteien geschädigt: Die Industrie verkauft Ihre Topseller nicht, Amazon verkauft sie nicht und ich als Kunde kaufe entweder irgendwas, was ich eigentlich nicht wollte, oder ich kaufe – schlicht und ergreifend – nichts. Mir ist das spätestens nach Weihnachten wohl egal, da ich ja jetzt eh wieder alles bekomme und Amazon lässt sich diese Aktion vermutlich kalt lächelnd viele Euro kosten, um der Industrie zu zeigen, wo der Hammer hängt – bleibt unterm Strich, dass wieder einmal die Industrie der Angeschmierte ist, der sich eine Lektion erteilen lässt, wie das Internet funktioniert.


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