Wenn es um das heissgeliebte StudiVZ geht, bin ich ja gerne mit einem Beitrag zur Stelle – auch jetzt wieder, als es RTL mit einer Meisterleistung an investigativem Journalismus gelungen ist, Deutschlands meistverbreitetes Social Network auf den Zahn zu fühlen. Der Zahn in diesem Fall bzw der Stein des Anstoßes ist das sexuelle und somit höchst anstößige Verhalten der StudiVZ-User. Klingt ironisch? Ja, soll es auch – denn wenngleich ich StudiVZ nach wie vor für eine Steinzeit 1.0-Applikation halte, so läßt mich dieser Beitrag bei RTL doch ein wenig stutzen und an den journalistischen Fähigkeiten und Absichten dieses Senders zweifeln.
Kurz zusammengefasst geht es in dem Bericht um 2 Thesen:
- Bei StudiVZ tummeln sich Prostituierte
- Bei StudiVZ suchen die User nach Sex und haben erstaunlicherweise auch Erfolg bei der Suche
Was die erste These angeht, so stimmt es, dass es viele Gruppen gibt, in denen "Sex für Taschengeld" geboten wird. Allerdings kann ich die Gruppe aus dem Bericht nicht finden, also scheint sie tatsächlich gelöscht worden zu sein. Bei den noch existenten Taschengeld-Gruppen konnte ich zumindest keine expliziten Prostituierten-Profile erkennen – im Gegenteil, meist sind die Gruppenmitglieder eh Männer ;) Solange ernstgemeinte Sex-Angebote von StudiVZ schnellstmöglich aussortiert werden(was bei aktuell über 2Mio Gruppen auch durchaus eine Heidenarbeit sein kann), kann man den Jungs wohl keinen Vorwurf machen und wie sie selbst in dem Interview äußern, ist es natürlich auch nicht wirklich immer zu erkennen, ob es sich um ein solch zweifelhaftes Angebot oder einfach nur um eine lustig gemeinte Spaß-Gruppe handelt. Ohne mich an weiteren Spekulationen beteiligen zu wollen, verweise ich mal weiter an die Seite Nachrichten.ch, die aufzeigt, dass dieser Bericht von RTL ein Fake sein könnte.
Richtig lachhaft jedoch find ich die andere These: RTL hat tatsächlich beweisen können, dass ein weibliches Fotomodel im StudiVZ zum Teil eindeutige Angebote von männlichen Usern bekommt. Hallo? Seit wann bewegen sich diese Journalisten denn im Internet? In dem Bericht wird die Tatsache, dass man im Internet im Handumdrehen Kontakte jeglicher Art finden kann, tatsächlich als neu und vor allem als StudiVZ-exklusiv verkauft. Ich unterstelle einfach mal, dass man in jedem Social Network diese Kontakte herstellen kann, sowohl für Onenightstands, Beziehungen oder einfach nur Bekanntschaften – egal, ob man im StudiVZ, bei myspace, den Lokalisten oder gar wer-kennt-wen angemeldet ist.
Apropos wer-kennt-wen: Wem gehört dieses aufstrebende Social Network nochmal? Ach ja, RTL hat dafür jüngst eine Menge Kohle investiert. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass ausgerechnet der WKW-Besitzer in seinem Bericht das StudiVZ dissen will. Übrigens bekommt man bei Wer-kennt-wen 300 Ergebnisse, wenn man in der Gruppensuche den Begriff "Sex" eingibt und immerhin auch eine Taschengeld-Sex-Gruppe.
Vielleicht hat man sich das StudiVZ nur deswegen rausgesucht, weil es die meisten User hat, aber selbst wenn, dann hätte man durchaus erwähnen können, dass man auch durchaus an anderen Orten im Internet mehr oder weniger zweifelhafte Kontakte schließen kann. Sollte RTL für einen ähnlichen Bericht übrigens nochmal Geld rauswerfen wollen: Ich würd mich zur Verfügung stellen, um mit einem Fake-Profil zu beweisen, dass diese Abschlepp-Tour auch bei wer-kennt-wen vorzüglich funktionieren kann ;)




