10 Mai, 2008
MySpace legt vor, Facebook und Google ziehen nach – Ein denkwürdiger Augenblick in der Social Network-Geschichte?
Posted by: Casi In: World wide web| zweipunktnull
Es ist nicht wirklich lange her, dass MySpace angekündigt hat, einen ganz wichtigen Schritt zu gehen, schon folgen Facebook und Google mit ähnlichen Projekten. Nachdem gestern ein Raunen durch die Blogosphäre ging, als MySpace sein Projekt "Data Availability" präsentiert hat und sich nicht nur Martin gefragt hat, wieso ausgerechnet MySpace und nicht eher einer der innovativeren Konkurrenten. Bei Facebook nun hat man das Kind auf den Namen "Facebook Connect" getauft und als ersten Partner präsentiert man den Social-News-Dienst Digg. Ich war noch gar nicht fertig damit, mich über den betreffenden Artikel bei Techcrunch zu freuen, da folgte an gleicher Stelle auch schon die nächste Ankündigung, die ebenso aufhorchen läßt: Google haut Gerüchten zufolge in die gleiche Kerbe wie die beiden Anderen und wird weitere Schnittstellen für das Open Social-Projekt bereitstellen. Unter dem Namen "Friend Connect" wird es den Open Social-Mitstreitern somit möglich sein, sicher Profildaten an Dritte transportieren zu können.
Was genau heißt denn das jetzt für Social Networks oder gar für das ganze Internet? Mit Sicherheit wird das ein ganz entscheidender Schritt sein, der den Community-Gedanken im Internet revolutioniert und nach vorne bringt. Schon bei Data Availability geht es darum, einen Knotenpunkt, eine Basis, eine Identität für den User zu schaffen, die Ausgangspunkte für alle weiteren Schritte im Netz sein soll. Wenn jetzt Facebook und Google nahezu zeitgleich ins gleiche Horn stoßen, kann das nur bedeuten, dass alle die Zeichen der Zeit erkannt haben und wissen, was zu tun ist. Hmm, wo wird eigentlich Microsoft sein, wenn es darum geht, den User-Kuchen aufzuteilen? Verlassen die sich darauf, dass sie tatsächlich Facebook erwerben können? Denn man wird sich auch in Redmond darüber im Klaren sein, dass es schon lange nicht mehr darum geht, lediglich Online-Freunde auf bunten Seiten zu präsentieren und Glittergrafiken in anderer Leute Gästebücher zu spammen. Längst geht’s darum, sich jetzt eine der sehr raren Hauptrollen zu sichern, die bei der Vorherrschaft im Internet zu vergeben sind. Microsoft hat sich schon einmal kollossal geirrt, was seine Internet-Strategie anging und hat somit Mitstreiter Google hoffnungslos enteilen lassen müssen. Das darf den Mannen um Steve Ballmer nicht noch einmal passieren, denn das wäre dann der Anfang vom Ende der Microsoft-Saga.
Wie genau sich das Internet durch die Ankündigungen dieser Tage verändern wird, bleibt natürlich abzuwarten, aber man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass es hier um mehr gehen wird als um Social Networks, die die gleichen Profildaten verarbeiten können. Spätestens, wenn es darum geht, eine millionenstarke User-Gruppe zu Geld zu machen, wird es kriegsentscheidend sein, wer seine Hausaufgaben richtig und vor allem rechtzeitig gemacht hat. Auch dazu hat Martin bei zweinull.cc schon einige interessante Ansätze aufgezeigt. Bleibt abzuwarten, wer seine Karten richtig ausspielt, wer überhaupt am Spiel teilnehmen darf und wer es überlebt.




