Nein, natürlich nicht – man hat sicher gar nicht den Anspruch, Windows als das am weitesten verbreitete Operating System abzulösen. Zudem würde man Äpfel mit Birnen vergleichen. Auf der einen Seite haben wir den Dinosaurier Windows, welcher trotz aller bekannten Mängel nahezu konkurrenzlos ist (was die Verkaufszahlen angeht – bei der Performance würd ich mich nicht festlegen wollen *g*) Auf der anderen Seite steht ein riesengroßes Social Network, dem copycats wie StudiVZ verzweifelt und nahezu aussichtslos hinterherhecheln. Was aber verbindet diese beiden Big Player, denn aus irgendeinem Grund liest man in fast jedem Techblog davon, dass Facebook auf dem Weg ist, eine Art Web-Windows zu erschaffen.
Ausgangspunkt aller Spekulationen ist das anstehende Neudesign des Facebook-Interfaces. Das hat die Diskussion ins Rollen gebracht, dass Facebook vielleicht mehr sein könnte als nur ein Sammelbecken für User aus aller Welt und Garten für wildwuchernde Applikationspflänzlein. Jochen Krisch stellt hier den Zusammenhang zwischen Betriebssystem und Facebook dar und formuliert es wie folgt:
Aber die Analogie mit einem "Web-Windows" trifft es vermutlich ganz gut. Ähnlich wie bei Windows kann der Nutzer in Facebook unterschiedliche Programme/Anwendungen laufen lassen – und wenn er will, Daten von einer Anwendung in eine andere übernehmen.
Das könnte erklären, wieso Facebook sich mit Google anlegt und aus dem "Friend Connect" Projekt von Google ausschert und das könnte auch erklären, wieso Microsoft so ein Rieseninteresse an Facebook zu haben scheint. Denn wer Facebook besitzt, besitzt vielleicht den Schlüssel zum Internet der Zukunft. Wenn dort das richtige Applikationen-Paket geschnürt wird, bekommt man eine mächtige Waffe in die Hand gedrückt. Nicht nur, dass ich Dinge, die heute noch hauptsächlich auf meinem Desktop stattfinden, in Zukunft online stattfinden lassen kann. Nein, ich kann sie sogar in Echtzeit mit meinen Kontakten austauschen und bearbeiten lassen, kann Daten kanalisieren und – Twitter lässt grüßen – in Nullkommanix verbreiten. Apropos Twitter: Während Twitter noch darum kämpft, mal irgendwann im Mainstream anzukommen (bzw stabil zu laufen), ist Facebook schon lange im Mainstream etabliert. Jede Applikation, die die Blogosphäre aktuell begeistert, wird von der breiten Masse doch noch gar nicht wahrgenommen. Wenn Facebook dieses Tool aber implementiert, kennt es die ganze Welt. Darum wird es auch für Facebook so schwierig, mit Google auf einen Nenner zu kommen: Denn dort plant man vermutlich ähnlich, denn mit Applikationen wie der Google-Suche, Google Apps, Google Reader, Google Maps und weiteren Tools hat man dort heute schon ein nahezu unschlagbares Gesamtpaket.
Passend dazu verkündet TechCrunch nun, dass sich Facebook weiter öffnen will und aus seiner Plattform ein Open-Source-Projekt machen möchte. Man öffnet seine Quellen, um jedem Netzwerk zu ermöglichen, kompatibel zur Facebook-Plattform zu sein. Offene Quellen bedeuten in diesem Fall noch mehr Popularität, noch mehr User-Zuspruch und dadurch unterm Strich eine noch bessere Positionierung in diesem hart umkämpften Markt.
Mein vorläufiges Fazit lautet fast genauso wie jedes Mal, wenn ich über die oben genannten Protagonisten schreibe: Facebook ist der Social Network-Konkurrenz Lichtjahre voraus, Microsoft muss aufpassen, dass man nicht an sämtlichen Fronten unendlich viel Boden verliert und StudiVZ wird auf absehbare Zeit nichts anderes mehr sein als ein öder, technisch veralteter Social-Network-Sandkasten, in welchem Studi-Singles nach Flirts, Fotos und witzigen Gruppennamen buddeln.




