Die Nachricht hat unmittelbar mit Facebook zu tun, aber im Grunde hätte es jeden der Big Player in der Social Network-Weltliga treffen können: Wieder mal verletzt Facebook (angeblich) den Datenschutz und dieses mal ist es eine kanadische Gruppe von Studenten, welche – angeführt von Phillipa Lawson - die Vorwürfe erhebt, dass Facebook sensible Daten sammelt und sie ohne Zustimmung des Users öffentlich im Netz präsentiert. Die Stellungnahme von Facebook liess natürlich nicht lange auf sich warten und erwartungsgemäß spielt man von der Seite des in Kanada populärsten Social Networks die Vorwürfe herunter und begründet die festgestellten Mängel im Dokument der Bürgerrechtler mit der Feststellung, dass die Nutzer bei nahezu allen Daten ihre Einwilligung erteilt haben.
Würde ich jedes Mal über ein Social Network berichten, dessen User angebliche Daten-Verstöße feststellen oder anprangern, dann wäre ich vermutlich damit ziemlich ausgelastet und thementechnisch ziemlich einseitig unterwegs. Deshalb hab ich mir dieses Beispiel ausgewählt, um mal im Wort – bzw Blogbeitrag festzustellen und -halten, was an diesen Vorwürfen dran ist und was sich vielleicht der Nutzer selbst vorzuwerfen hat.
Die kanadischen Studenten prangern zurecht an, dass man selbst in der sichersten Einstellungsstufe bei Facebook mit seinen Daten in der Öffentlichkeit auftauchen kann, wenn die Sicherheitseinstellungen der jeweiligen Facebook-Freunde sehr schwach gewählt wurden. Ist ebenso wenig von der Hand zu weisen wie die Tatsache, dass es für die Unternehmen – Facebook, MySpace oder wer auch immer – ein Interesse daran hat, die aufgenommenen Daten in irgendeiner Form zu nutzen, um sie bestenfalls zu monetarisieren.
Ebenso – und das sollte man sich gerade in diesen Tagen mit seinen unzähligen Spitzel- und Datendebatten vor Augen halten – ist es aber nicht von der Hand zu weisen, dass man nicht gezwungen ist, sich bei irgendeinem Social Network anzumelden oder gar sensible Daten von sich dort preiszugeben.
Bei einigen Communities bin ich selbst sehr gern unterwegs und einige andere beobachte ich einfach nur deswegen, weil ich hier nun mal über das Web 2.0, Social Networks etc schreibe und natürlich wissen möchte, über was ich schreibe. Wenn ich dann jedenfalls in verschiedene – öffentliche – Profile reinlese, kann ich nicht wirklich glauben, dass sich so viele User daran stoßen, ihre Daten preisgeben zu müssen.
Wenn jeder Internetnutzer sehen kann, wie ich in Unterwäsche aussehe, wie ich betrunken aussehe oder wie ich betrunken in Unterwäsche aussehe und ich dann noch gleichzeitig in der StudiVZ-Gruppe "Ich hatte schon was mit StudiVZ-Nutzern" gelistest bin, brauch ich eventuell nicht wirklich lange darüber nachdenken, wieso sich die internet-geschulten Headhunter nicht gerade um mich prügeln.
Ich will sicher nicht schönreden, dass die Social Networks mitunter nicht gerade zimperlich mit sensiblen Userdaten umgehen – schließlich hab ich selbst schon darüber gebloggt. Aber als User sollte man vielleicht auch ein wenig mehr sensibilisiert sein, welche Daten ich wo ins Netz stelle und welche Auswirkungen das für mich haben kann.
Gerade im Internet kann man viel darüber lesen, dass man sich in Deutschland in den Achtzigern noch mit Händen und Füßen gegen die Volkszählung gewehrt hat und heute dann gleichzeitig jedes noch so private Foto ins Netz stellt, dem Chat-Bekannten nach einer Stunde bereits seine Lebensgeschichte anvertraut und letzten Endes wird das erste Treffen mit ebenjenem Chat-Bekannten bei youporn hochgeladen.(Das Verlinken zu youporn schenk ich mir an dieser Stelle mal ;) )
Allein durch das Googlen nach einem Namen in Verbindung mit einer e-mail-Adresse lassen sich so viele Spuren im Netz aufspüren, dennoch wird oftmals sehr sorglos – oft auch aus Unkenntnis – mit diesen Daten umgegangen. Der erste anzulegende Hebel sollte nicht das Anprangern der Social Networks sein, sondern der bewußte Umgang damit. Das schließt dann logischerweise ein, sich mit den Datenschutzbestimmungen auseinanderzusetzen, vielleicht auch entgegen seiner Gewohnheit mal in die AGBs reinzulesen und sich mit den verschiedenen Sicherheitseinstellungen des jeweiligen Social Networks zu befassen.
Die sicherste Möglichkeit – Einstellungen hin oder her – ist aber immer noch, nicht einfach jedes Partyfoto hochzuladen.




