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04 Jun, 2008

Das Microblog-Dilemma

Posted by: Casi In: zweipunktnull

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Es ist in der Tat ein Dilemma: Gestern hab ich mich bei Plurk angemeldet. Das ist dann nach Twitter und Pownce der dritte Microblogging-Dienst, bei dem ich angemeldet bin.

Wieso überhaupt Microblogging? Ich kann einem Blogger meine Aufmerksamkeit widmen, indem ich seinen Blog verfolge und gegebenenfalls auch mal kommentiere oder in meinem Blog aufgreife. Folge ich ihm aber zum Beispiel bei Twitter, dann kann ich mir ein viel kompletteres Bild dieses Menschen machen – je nachdem, was er per Twitter von sich preis gibt natürlich.

Folge ich einem Senior Designer von MySpace, erfahre ich mitunter natürlich auch von seiner Arbeit, die er für MySpace macht, aber ich erfahre auch von seinen Parties und seinem täglichen Leben in Kalifornien. Folge ich Robert Basic, dann wird dadurch der Blogvater der Nation für mich plötzlich auch zum Fußball-Fan und fürsorglichen Familienvater, mit dem ich mich via Twitter austauschen kann.

 Ich folge meinen Freunden, Bloggern, Programmierern, Unternehmen und seit Kurzem folge ich sogar einem hochsensiblen, elektronischen Meisterwerk, welches seit Neuestem sein Dasein auf dem Mars fristet.

Auf diese Weise entsteht ein Lärm, der mich mit Informationen, Fotos, Links, Tipps und Empfehlungen nahezu überflutet. Aber genauso erhalte ich eine Vielzahl von Ansichten und Meinungen, abstrusen Alltagsbeobachtungen und den merkwürdigsten Satzgebilden und verbalen Ergüssen. Daraus ziehe ich viele Informationen und Anregungen zu den Dingen, über die ich selbst blogge, erfahre Nachrichten, bevor ich sie in den großen Magazinen lese und amüsiere mich über die Formulierungen eines Sascha Lobo oder den Wortwitz eines Frank Lachmann.

Twitter ist die Nr.1 unter den Microblogging-Diensten und somit der Szene-Platzhirsch mit Milionen Usern. Nur so kann eben Noise entstehen und nur deshalb ist Twitter – trotz unerfreulichster Downtimes in letzter Zeit – für die nächste Zeit wohl auch unumstritten an erster Stelle. Oder wie Berti Vogts seinerzeit schon philosophierte: Der Star ist die Mannschaft – Twitter steht und fällt mit dem, was wir alle gemeinsam dort von uns geben. Da stört es nicht weiter, dass das Design puristisch ist und die Funktionalität sich auf send/follow/reply beschränkt.

Genau da kommen jetzt die Konkurrenten ins Spiel: Pownce sieht netter aus als Twitter und hat einen gravierenden Vorteil: Ich kann dort Dateien mit meinen Followern sharen (ja, Ihr könnt mich Captain Denglish nennen *g*) In der Pro-Variante können das Dateien mit einer Größe bis zu 250mb sein, die ich da entweder meinen Freunden oder der ganzen Pownce-Welt zukommen lassen kann.

Seit gestern bin ich wie gesagt auch bei Plurk angemeldet und dieser Dienst kommt direkt sehr viel verspielter daher als die anderen beiden. Das äussert sich beispielsweise bei der Darstellung der "Tweets", die man – wie man auf dem Bild unten hoffentlich erkennen kann – in Form einer Zeitleiste dargestellt werden.

Plurk

Die Leiste ist in meinen Augen nur eine nette Spielerei, aber weitaus stärker finde ich die Idee, sämtliche Replies per Dropdown-Menü unter der Ursprungs-Nachricht darzustellen und dort auch die Möglichkeit einer eigenen, neuen Antwort zu haben. Das ist meiner Meinung nach bislang die Funktion, die gegenüber Twitter am meisten punktet  bei Plurk. Nebenbei gibt es noch andere Spielereien wie die Möglichkeit, sogenannte Karmapunkte zu sammeln. Die ermöglichen einige weitere Features wie z.B. das Verwenden von zusätzlichen Smileys – naja, wer’s braucht ;)

Viele Zeilen (und aufgrund meines Versäumnisses, diesen Beitrag zwischenzuspeichern und daraus resultierender Spontaneliminierung des Postings eben auch viele Tränen, Wutschreie und unzählige Minuten) später versuche ich, jetzt den Kreis zu schliessen und versuche zu erklären, wieso ich anfangs von einem "Dilemma" sprach. Das Dilemma entsteht durch die verschiedenen Stärken – und natürlich Schwächen – der jeweiligen Dienste.

Twitter läuft wenig stabil in den letzten Tagen und vergrault damit viele Nutzer und sorgt folgerichtig in der gesamten Blogosphäre für Unmut. Nicht zuletzt dadurch sind die Rufe nach Alternativen erst laut geworden. Wenn die Konkurrenten dann auch noch durch bessere Usability und möglicherweise noch stabilere Server zu überzeugen weiss, dann wird man bei Twitter nicht verhindern können, dass der ein oder andere abwandert. Da jedoch liegt eben das Problem der potentiellen Nachfolger: Wenn der ein oder andere Twitter den Rücken kehrt, juckt Twitter das überhaupt gar nicht, denn die Userzahlen bei Pownce oder Plurk sind verglichen mit dem Marktführer natürlich vernichtend gering.

Somit – zurück zum Dilemma – kann ich mir jetzt überlegen, ob ich dort schreibe, wo es am tollsten aussieht, am tollsten funktioniert, oder am tollsten verbreitet wird. Alles in einem scheints nicht zu geben, und dreimal den gleichen Text auf den verschiedenen Services posten, erscheint mir auch wenig sinnvoll.

Aber wie wird sich dieses Problem lösen? (und es wird sich lösen, dafür wird der Markt sorgen!) Wird Twitter plötzlich stabil laufen und/oder seinen Funktionsumfang aufstocken? Oder wird Twitter ins Trudeln geraten und einer der Konkurrenten rückt nach? Letzte Alternative, die mir spontan einfällt wäre das bei den Social Networks viel diskutierte Thema "Data availability". Ich kann dadurch irgendwann vielleicht mal meine Freundeslisten nicht nur angleichen, was Facebook, MySpace und Co angeht, sondern das gleiche geschieht auch bei den Microblogging-Diensten. Somit wäre es egal, was ich wo schreibe und es erreicht überall meine Freunde. Spätestens dann wäre es mir egal, wenn Twitter mal wieder ein, zwei Stündchen Pause macht. Hach, wenns doch nur schon so weit wäre ;)

Bei dieser Kompatibiltätsfrage kann man natürlich auch noch FriendFeed im Hinterkopf behalten – zumindest kann der Aggreggator neben Twitter auch meine Pownce-Daten in den Feed einbinden. Man hat FriendFeed mit den "Rooms" ein mächtiges Schwert an die Hand gegeben und vielleicht ist somit dieser ursprünglich reine Informationsdienst auf dem Weg, der Gewinner von morgen zu werden.

Wie immer bin ich auch hier tierisch gespannt auf die weitere Entwicklung und versuche, an allen Fronten am Ball zu bleiben :)

 

 

  • danke für den Tipp, Christian - aber ping.fm ist bei mir schon seit ner Weile im Einsatz :) löst leider aber nicht die Probleme der unterschiedlichen Microblogs, weil nach wie vor alle unterschiedliche Stärken haben und ich somit nur in den seltensten Fällen bei allen Plattformen das Gleiche "twittern" möchte. Davon abgesehen ist ping.fm aber wirklich klasse :)
  • Hi, schau dir mal http://ping.fm/ an. Das scheint "tweets" an mehrere Dienste zu schicken. Hab's aber noch nicht ausprobiert. Ich hab den Tipp von Thomas in meinem Blog erhalten:
    http://cspannagel.wordpress.com/2008/07/27/stat...
  • danke @ Wuensch-Media - funktioniert hellotxt ähnlich wie ping.fm? Zumindest hab ich mit letzterem auch diese Optionen :)
  • Finde du hast das gut analysiert mit dem Dilemma, geht mir ähnlich. Ich nutze deshalb manchmal http://hellotxt.com .. damit kann ich meine Nachrichten gleichzeitig an mehrer Dienste schicken .. u.a. Twitter, Pounce, Plurk, Facebook, Myspace, etc.
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