10 Jun, 2008
Deutschland sucht den Super-Astronauten
Posted by: Casi In: Start up|World wide web|zweipunktnull
Sänger, Models, Köche, Tänzer, Schwiegertöchter – alles wird irgendwie gesucht derzeit. Für diejenigen, die unter den aufgelisteten Vorschlägen ihre Traum-Karriere nicht gefunden haben, hab ich eine neue Alternative aufgetan, sich einen Lebenstraum zu erfüllen: Werdet Astronaut! Oder besser gesagt: Werdet (D)astronaut und fliegt ins All!
Klingt fantastisch? Könnte es auch in der Tat sein, wenn man etwas Glück hat.
Aber der Reihe nach: Bei den Dastronauten handelt es sich um ein neues Social Network. Social Networks gibt es natürlich Unzählige und so muss man entweder ziemlich dumm sein, wenn man sich als Start-Up ernsthaft ein einigermaßen großes Stück vom 2.0-Kuchen einverleiben will, oder man hat eine Idee, ein Prinzip, irgendwas Besonderes, was die Konkurrenz nicht zu bieten hat.
Man bietet dem geneigten Neu-User in diesem Fall nicht weniger als einen Flug ins All. Der Flug führt nicht zum Mars und auch nicht zum Mond, aber immerhin handelt es sich um einen suborbitalen Raumflug. Man erreicht bei einem solchen suborbitalen Flug nicht die Umlaufbahn, sondern kratzt an die Grenze zum Weltraum – es ist also so eine Art Raumflug Light, was dann auch erklärt, wieso nicht ein ausgebildeter Astronaut, sondern wirklich jeder diese Chance erhält, der sich auf diesem Portal in Szene zu setzen weiß.
Damit wären wir dann an dem Punkt angelangt, an dem es für mich ans Eingemachte geht. Ich melde mich jetzt an und hangel mich durch die Menüs, die www.dastronauten.de vor die Eroberung des Weltalls gestellt hat.
Mein erster Versuch scheitert – liegt aber nicht an der Seite, sondern daran, dass mein präferierter Nickname natürlich schon vergeben ist. Durch Anhängen einer Zahl umschiffe ich 2.0erfahren diese Klippe. Casi101 heisst also der mögliche Astronaut und von dem wird jetzt nach dem Einloggen verlangt, sein Profil zu bearbeiten. Während ich zunächst normale Dinge wie Wohnort und Geburtsdatum angebe (wobei man mir versichert, dass meine gemachten Angaben natürlich unter Verschluß bleiben), wird es im zweiten Schritt spezieller – dort geb ich nun nämlich an, wieso ich denke, dass ich Astronaut werden könnte, was das Tapferste ist, was ich in meinem Leben vollbracht hab und dergleichen. Hmm, bin ich jetzt kreativ oder eher sachlich? Ich beschliesse, einen gesunden Mittelweg zu gehen in der Hoffnung, meine Angaben später noch modifizieren zu können.
Jetzt kommt der Punkt, der mir noch in jeder Community Kopfzerbrechen bereitet hat: Das unselige Fotos-Uploaden. Wissend, dass meine Sieg-Chancen mit jedem Bild weiter gen Null tendieren, lade ich maßlose 4 von 5 möglichen Bildern hoch. Hmm, die werden so verkleinert, dass ich auf dem Abendmahl mit Jesus und seinen Kumpels nicht wirklich zu erkennen bin. Na egal, erstmal – ich muss jetzt noch eine Nachricht an die User-Schar formulieren, rede mich dabei um Kopf und Kragen und erfahre jetzt, dass meine Bewerbung erst komplett ist, wenn ich noch ein Video oder irgendwelche Fotos hochlade. Fotos? Ihr habt doch echt schon einige von mir… Na egal, ein paar merkwürdige Bilder ausgewählt, gezippt (werden leider nur als zip-Datei angenommen, und sowas geschieht mir altem rar-Hasen *g*) und hochgeladen. Das Freischalten meiner Bewerbung ging durchaus zügig in wenigen Sekunden über die Bühne und somit hab ich nun zumindest eine theoretische Weltraum-Chance.
Nun werfe ich mal einen Blick auf mein komplettes Profil und muß zugeben, dass ich ein wenig enttäuscht bin. Die Dinge, die ich "über mich" angegeben habe – wie z.B. meine Hobbies – werden nur halb angezeigt, weil das Fenster einfach zu schmal geraten ist. Scheint wenig sinnvoll, mich Angaben machen zu lassen, wenn man sie hinterher nicht mehr lesen kann. Wenigstens könnte man per mouseover ermöglichen, dass der ganze Satz angezeigt wird. Generell find ich übrigens, dass man zwar eine nette Idee entwickelt hat, aber Design und Usability da noch hinterher hinken. Da kann man hoffentlich noch ein wenig nachbessern, bis es in die heisse Bewerbungsphase geht.
Ich lasse mich aber nicht schocken und schaue mal, was die vermeintliche Konkurrenz zu bieten hat. Es finden sich einige nette Videos von Gesangsdarbietungen, aber natürlich auch semikomische Witzeleien. Soll heissen: Wenn jemand wirklich seinen Traum auf dieser Plattform verwirklichen will, dann hat er gar nicht mal so schlechte Chancen, wenn er es geschickt angeht und ausreichend Fotos und Videos hochlädt und darauf achtet, dass man auch wirklich aussagekräftigen Content anbietet.
Wie geht nun die eigentliche Astronautenwahl über die Bühne?
Zunächst wird täglich ein Gewinner ermittelt, der sich über die meisten abgegebenen Stimmen am Vortag qualifiziert. Abgestimmt wird per Premium-SMS, die 50 Cent kostet, von denen 60 Prozent auf ein Treuhandkonto zu Gunsten des kommenden Astronauten geht und der Rest geht an die Betreiber der Seite. Es wird fair kommuniziert, wieso man zum Abstimmen auf die Premium-SMS angewiesen ist, wie sich die Kosten zusammensetzen und was passiert, falls man mit diesen Einnahmen aus Werbung und SMS nicht genug Geld für einen Raumflug zusammenbekommt. Man gibt sich selbst 3 Monate Zeit, um das nötige Kapital aufzutreiben und falls das nicht erreicht wird, wird innerhalb der Community abgestimmt, was weiter mit diesem Geld geschehen soll. Entweder wird der Wettbewerb fortgesetzt oder das vorhandene Kapital wird einem wohltätigen Zweck zugeführt.
Gehen wir aber von dem günstigen Fall aus, dass die Summe für den Raumflug erreicht wird. In diesem Fall wird unter den bisherigen Tagessiegern in einer 24stündigen, finalen Abstimmung der kommende Astronaut gewählt.
Mein persönliches Fazit: Die Idee finde ich hervorragend – sowohl die Tatsache, Astronaut werden zu können, als auch den Gedanken, überhaupt in irgendeiner Weise einen Nutzen bzw Gewinn aus einem Social Network erlangen zu können. Die Regeln und AGBs sind eindeutig und offen formuliert, alles macht einen durchdachten Eindruck. Diesen guten Eindruck kann die technische Seite leider nicht immer bestätigen. Man kann sich relativ unkompliziert anmelden, wird schnell freigeschaltet und hochgeladener Content ist auch schnell im Profil sichtbar. Jedoch wirkt die Plattform teilweise altbacken, wenn man sie mit anderen Community-Portalen vergleicht und einzelne Daten werden nicht komplett angezeigt. Darüber hinaus – aber das ist vielleicht nur etwas, was mich persönlich stört – nerven die vielen captcha-Abfragen.
Ich werde die Dastronauten jedenfalls weiter verfolgen und leise auf meinen Weltraumtrip hoffen ;)





