"Wir" – damit mein ich uns Nutzer in Social Networks. Laut einer aktuellen Forsa-Studie sind in Deutschland mittlerweile 9 Millionen Menschen in Social Networks wie StudiVZ und MySpace organisiert – Tendenz logischerweise steigend. Allein seit dem letzten Jahr konnte das Ergebnis um 20 Prozent verbessert werden und somit sind die sozialen Netzwerke der beliebteste Weg, sich im Netz darzustellen, noch vor privaten Homepages und Blogs.
Mich persönlich würd dabei noch interessieren, ob man von 9 Millionen Nutzern ausgeht oder eher von 9 Millionen Accounts, denn viele User in Social Networks sind natürlich sowohl bei Facebook als auch wer-kennt-wen oder sonstigen Portalen angemeldet.
Wenn man den eigenen Zahlen von wer-kennt-wen oder StudiVZ glauben mag, erreichen allein diese beiden Seiten ja schon annähernd die 9 Millionen-Grenze.
Ich kann mich noch erinnern, wie ich mich selbst bei MySpace Anfang 2006 angemeldet hab. Zuvor hatte ich mich eine Weile dagegen gesträubt, weil ich schließlich meine eigene Homepage hatte und nicht sicher war, wieso man sich jetzt zusätzlich noch eine Gratis-Homepage anschaffen sollte (irgendwie hab ich das mit solchen Baukastensystemen wie fortunecity oder tripod assoziiert) In diesem Zusammenhang wunder ich mich gerade etwas darüber, dass fortunecity bis vor kurzem durchgehalten hat mit ihrem Gratis-Hosting ;)
Ausschlaggebend für meine MySpace-Anmeldung war jedenfalls die Tatsache, dass ich die Leute, die ich schon im Netz kannte, dort als Freunde adden konnte und mit denen auf diese Art einfach in Kontakt bleiben konnte und die Möglichkeit, meine Lieblingsbands zu adden und somit über die Entwicklung bei den Bands informiert zu sein und andererseits auch Besuchern meiner Seite anzuzeigen, wie mein musikalisches Spektrum aussieht. Im Nachhinein betrachtet find ich es zumindest amüsant, dass der durchschnittliche Web-Auftritt der MySpace-User mittlerweile nicht mehr viel geschmackvoller aussieht als die fortunecity/tripod/lycos-Auswüchse vor knapp einem Jahrzehnt. Was damals unerträgliche und augenkrebserzeugende animierte Gifs waren, kombiniert mit möglichst vielen verschiedenen Hintergründen und Fonts pro Seite, sind heute die unzähligen Applikationen und Glitzer-Blink-Grafiken, mit denen sich für Einträge bedankt, eine schöne Woche gewünscht oder sonstwie auf sich aufmerksam gemacht wird.
Zumindest versucht MySpace jetzt selbst, da ein wenig gegenzusteuern – sowohl was die Applikationen als auch die Usability angeht. Seit einer Woche nämlich ist das neue Design von MySpace online und es fällt auf, dass es schlichter und übersichtlicher geworden ist. Hierzu ein Bericht bei TechCrunch.
MySpace versucht nun den Spagat zwischen übersichtlicher Darstellung und verbesserter Usability auf der einen Seite und dem individuellen Charakter durch freies Design auf der anderen Seite. Könnte der User nämlich in Zukunft nicht mehr nach Belieben seine Seite gestalten, wäre das sicher für nicht Wenige ein Grund, nicht mehr so engagiert bei MySpace zu sein.
Aber zurück zum Ausgang mit den 9 Millionen Nutzern in sozialen Netzwerken: Mit meinem Exkurs in meine persönliche Social Network-Historie wollte ich im Grunde nur herausstellen, dass man vor zwei oder drei Jahren schon intensiver im Netz unterwegs sein musste, um auf MySpace zu stossen, während man heutzutage gar nicht mehr dran vorbeisurfen kann.
Somit werden auch heute ganz andere Menschen auf Facebook und Co aufmerksam – wer-kennt-wen machts ja vor, dass man nicht gerade Blogger, Teenager, Nerd oder alles gleichzeitig sein muss, um sich heutzutage bei einem Social Network anzumelden.
Während Microblogging und ähnliche Geschichten komplett an der breiten Bevölkerung vorbeigehen, haben die Social Networks das Massenpublikum längst erreicht und werden in Zukunft auch weiter an Gewicht zulegen. Deswegen bin ich auch guter Dinge, dass ich schon bald wieder über die Kämpfe der Social Network-Giganten und deren Ringen um den allgemeingültigen Standard schreiben werde ;)




