Schon vor einigen Tagen hab ich ja darüber berichtet, das MySpace sein Design modifiziert, um die Usability zu verbessern und dadurch neue User anzuziehen. Weiter ging es dann mit dem Start des Projektes "Data availability" in dieser Woche. Nun hat Tom Anderson – MySpace-Mitgründer und unser aller erster MySpace-Freund – dem Mediendienst Kress in einem Interview Auskunft darüber gegeben, wo der Weg für MySpace hinführt, wo man sich selbst sieht und wieso man glaubt, einen anderen Weg zu gehen als beispielsweise Facebook.
Anderson möchte, was die finanzielle Ausrichtung seines Unternehmens angeht, eher Politik mit einer ruhigen Hand machen. Ich denke auch, dass das vernünftig ist. Klar, derzeit ist die schlechte bis unmögliche Monetarisierung der Social Networks in aller Munde und jeder möchte der Erste sein, der einen gewinnbringenden Weg findet, aber MySpace möchte hier einen anderen Weg gehen und zunächst einfach noch mehr User generieren.
Im Rennen mit Facebook um den Social-Network-Thron mag das auch wirklich oberste Priorität sein, denn meine Zeit als Internet-Nutzer ist natürlich nicht unendlich und demnach kann ich nicht in jedem Netzwerk aktiv sein, Freunde finden usw – und jedem anderen Surfer gehts ja genauso und so wird man abwägen müssen, welches Projekt für einen selbst am passendsten scheint. Möglicherweise entscheiden winzige Nuancen diesen Wettkampf, vielleicht eine einzige neue Applikation oder ein einziges neues Feature.
Während Facebook nach und nach Funktionen einbaut, die bislang eher einem limitierten Publikum bekannt waren (wie z.B. jüngst den kommentierbaren Minifeed), fühlt sich MySpace zu etwas Anderem berufen. Man möchte sich eher in Richtung Yahoo bewegen – der Myspace-User soll also möglichst seine tägliche Reise durchs Internet bei MySpace aufnehmen. Man nennt myYahoo, Pageflakes und Netvibes als Vorbilder und möchte diese für den Mainstream noch unbekannten Seiten (Facebooks Strategie läßt grüßen) einem Massenpublikum anbieten. Man möchte also nicht länger nur Social Network sein, sondern – und das zählt sicher zu den Strategien, um langfristig Geld verdienen zu können – als vielseitiges Portal fungieren, in welchem ich als Nutzer nicht nur meine Freunde und Bands im Blick habe, sondern auch das passende Restaurant finde, einen Flug buche oder das Wetter checke.
Ich bin mir da aber nicht so wirklich sicher, ob man das mit MySpace erreichen kann, denn da werden sowohl Google als auch Microsoft und Yahoo noch ein Wörtchen mitreden, erst recht, wenn man irgendwann in naher Zukunft seine Daten zu den verschiedenen Services transportieren kann. Wieso sollte MySpace eine Startseite sein, wenn man dort nur hin und wieder nach Bands sucht, mal nen Kommentar verfasst oder auf den Seiten seiner Freunde rumschaut? Informationen holt man sich auf einer Startseite, die iGoogle, Google Reader oder feedly heissen könnte und wenn ich sowohl dort als auch bei MySpace dank Data portability meine gleichen Freunde, Links usw nutzen kann, dann macht es ja wenig Sinn für mich, auf MySpace zu starten, oder?
Die Grundidee von MySpace, sich mit Veränderungen und vermeintlichen Verbesserungen neue Nutzer zu erschliessen, ist sicher richtig, aber ob man es auf diesem Weg schaffen wird, bezweifel ich gerade ein wenig. Zudem werd ich das Gefühl nicht los, dass das eher Rupert Murdochs Visionen sind als die von MySpace, denn der wird sicher nicht ewig warten wollen, bis Newscorp Geld mit MySpace erwirtschaften kann…
Naja, vielleicht wissen wir in 3-4 Monaten mehr, denn dann soll der Umbau abgeschlossen sein und wir können uns spätestens dann davon überzeugen, ob das neue MySpace zu überzeugen weiss.



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