zweipunktnull.org

31 Jul, 2008

Wieviel Information braucht der Mensch?

Posted by: Casi In: Microblogs| Start up| World wide web| zweipunktnull

 

Wenn man sich überlegt, wie lange die Menschheit in Wort und Bild miteinander kommuniziert, sich die Entwicklung von Höhlenmalereien über Papyrusrollen und der Revolution durch die Erfindung von Buchdruck, Radio und TV vor Augen führt, der kommt nicht umhin, dem Internet eine ganz aussergewöhnliche Rolle zuzugestehen. Verglichen mit dem Tempo der Übermittlung von Information im Laufe der Jahrhunderte macht das Internet Jahr für Jahr neue Quantensprünge.

Beinah altbacken scheint heutzutage eine normale e-mail zu wirken. Die Zahl der Informationsquellen ist nahezu grenzenlos. Neben der e-mail hat man sich - logischerweise - auf den normalen, relevanten News-Seiten herumgetrieben (und tut es natürlich immer noch), sich über Instant Messenger ausgetauscht und in Newsgroups jedes erdenkliche Thema behandelt. Auch in Foren oder Chats wurde und wird sich eifrig mit Informationen beworfen. Während diese Arten der Nachrichtenverbreitung - genauso wie das Bloggen - aber schon seit vielen Jahren bzw mittlerweile sogar Dekaden bekannt und weit verbreitet sind, haben die Dinge, die uns aktuell - gerade in Kleinbloggersdorf - auf Trab halten, den Mainstream noch lange nicht erreicht. So was wie der inoffizielle Startschuß war Twitter. (note to self: Photoshop-Bild basteln mit sakralem Flair, Bildunterschrift: Am Anfang war Twitter ;) ) Ich gehe mal nicht auf die diversen copycats und Erweiterungen ein, es reicht allein das Wissen um die Funktion des Microblogs. Nachrichten werden in komprimierter Form um die Welt geschickt. Egal, ob ich im Epizentrum eines Erdbebens wohne, gerade meinen Job oder meine Freundin verloren hab oder ob ich nicht weiss, welcher Belag am sinnigsten für das demnächst zu essende Brötchen sein könnte - keine Information ist so unwichtig, dass man sie nicht seinen Followern zugänglich machen sollte.

Immer wichtiger wird heutzutage, diesen reissenden Strom an Informationen zu kanalisieren. Eine Revolution - leider meiner Meinung nach von der breiten Masse immer noch unterschätzt - war das Einführen der RSS-Feeds. Zusammen mit einem Werkzeug wie z.B. dem Google Reader filtert und liest man eine Vielzahl von News-Seiten und Blogs in wesentlich kürzerer Zeit, als wenn man die Seiten nacheinander abgrasen müsste. An diesem Punkt spätestens klinken sich die allermeisten Internetnutzer aus. Die Wenigsten lesen im Gegensatz zu Bloggern und anderen Web 2.0-Verstrahlten 20 verschiedene Online-Zeitungen, unzählige Blogs und sonstige abonnierbare Services. Ich verbringe nach der Arbeit wohl erstmal mindestens eine Stunde mit dem Abarbeiten meiner RSS-Feeds. Dabei ist "Abarbeiten" aber eine unglücklich gewählte Vokabel, denn als Informations-Junkie liebe ich es, unzählige Informationen in mich aufzusaugen.

Der nächste Quantensprung waren bzw sind die unzähligen Aggregatoren, welche im Fahrwasser von friendfeed fast täglich das virtuelle Licht der Welt erblicken. Friendfeed fasst die verschiedensten Ströme zu einem einzigen zusammen. Meine Blogbeiträge, meine Tweets, diverse Statusmeldungen, Microblogging-Geschichten oder favorisierte Seiten, Fotos und Songs setzen sich zu einem Gesamtbild zusammen, welches meinem Follower ein Vielfaches mehr an Information liefert, als man sich auf irgendeine andere Weise zusammensuchen könnte. Je aktiver ich im Netz bin und das dokumentiere, desto genauer ist auch das Abbild, welches man bei friendfeed von mir vorfindet. Auf diese Weise finden sich bei friendfeed oder sonstigen Seiten wieder neue Gleichgesinnte, die die bevorzugten Themen besprechen und vertiefen können.

Um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Wie viel Information braucht der Mensch - können wir nun erkennen, dass es auch bei friendfeed eine Flut von Nachahmern und Weiterentwicklern gibt, denen allesamt zu folgen natürlich unsinnig wäre. Interessant für mich wäre jetzt mal Eure Meinung, an welcher Stelle im Netz Ihr dem Datenstrom folgt. Ist es ausschliesslich friendfeed? Ist es vielleicht noch nicht mal friendfeed, sondern "nur" Twitter oder der RSS-Reader? Oder probiert Ihr sämtliche Angebote durch, in der Hoffnung, die eierlegende Wollmilchsau zu finden, auch bekannt unter dem Begriff "the next big thing"?

In den letzten Wochen habe ich mich bei mehreren dieser Dienste angemeldet. Schön, dass langsam auch die deutschen Startups in die Puschen kommen und wir mit lifestream.fm und FreundeNews gleich zwei Vertreter dieser Gattung ins Rennen schicken können. Klar wird hier das Rad nicht neu erfunden, aber wichtig bei den beiden ist es - aus Sicht der deutschsprachigen User, dass hier eben auch die Communities berücksichtigt werden, die für uns Sinn machen und auf die man bei friendfeed vermutlich ewig warten müsste.

Neu erfahren habe ich heute zum Beispiel von einer Seite namens Social Oyster. Auch hier werden verschiedenste Informationen von Twitter, flickR, delicious (ja, so schreibt man die seit heute *g*), last.fm und andere aggregiert. Witzig finde ich dabei, dass man - auch ohne angemeldet zu sein - auf die Startseite gelangt, die einer Suchmaschine gleicht und die einem alle verfügbaren Daten über einen gesuchten Usernamen auswirft. So zeigt er bei der Suche nach meinem Twitternamen nicht nur meinen aktuellen Tweet, sondern auch alle meine Follower - und was ich besonders gelungen finde - zeigt mir auch eine googlemaps-Übersicht mit der Herkunft meiner Twitter-Freunde. Twitter-Karte

Bei manchen Bloggern hab ich mich zwar gefragt, ob die wirklich da wohnen, wo es mir die Karte vorgaukelt, aber das werde ich ein anderes Mal untersuchen ;)

Ebenfalls neu im Rennen ist socialmedian. Ein Aggregator, der ein wenig wie ein friendfeed-digg-mashup wirkt. Im Gegensatz zu reinen Social News-Seiten wie digg wird hier nämlich auch sehr viel Wert auf die Interaktion mit seinen Friends/Followern gelegt. Ich muss zugeben, dass ich mich in der geschlossenen Phase zwar angemeldet hab, aber nie wirklich ergründet habe, ob und was dieser Service imstande ist zu leisten. Heute ist es mir durchs Öffnen für alle User wieder über den Weg gelaufen und so hab ich mal reingeschaut und finde, dass socialmedian durchaus das Zeug hat, sich einen festen Platz im Noise-Business zu erarbeiten. Schwer beeindruckt war ich schon von der rasend schnellen Importfunktion meiner diversen Blogs, Seiten und Accounts. Dadurch, dass ich mich den verschiedensten Gruppen und News-Themengebieten anschliessen kann, erzeuge ich grundsätzlich natürlich noch mehr Noise, als ich sowieso schon hatte, aber wenn man sich die Zeit nimmt, seine bevorzugten Themen zu filtern und per socialmedian zu verfolgen, kann man sich aber auch sicher sein, dass man mit hochwertigem Content belohnt wird. Also wer es noch nicht kennt, unbedingt mal anschauen!

Verdammte Axt - kann nicht glauben, dass ich wieder ein so ellenlanges Blogposting verfasst habe - gelobe hiermit feierlich, dass ich mich morgen kürzer fassen werde ;)

Grundsätzlich und abschliessend möchte ich jedoch noch sagen, dass es in meinen Augen zwar unterschiedlich gute Aggregatoren gibt, aber dass sich darunter kein wirklich Schlechtes befindet. Es liegt an Jedem persönlich, wo ihm das Look and Feel am Besten gefällt, wo man seine persönlich wichtigen Portale und Accounts einbinden kann und wo man die Leute erreichen kann, die man unbedingt erreichen möchte. Man sollte also ruhig mehrere ausprobieren und vergleichen - ein kanalisierter Datenfluss wird Eure Belohnung sein ;)

 

 


Empfehlungen

Google Friend Connect