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04 Aug, 2008

StudiVZ klopft sich auf die Schulter - einer muß es ja machen…

Posted by: Casi In: Social Networks| zweipunktnull

 

StudiVZ

 

 

 …wie ich zugeben muß, machen sie es ja mit Abstrichen sogar zu Recht: Wer mit einem komplett innovationsresistenten Konzept nicht nur die Nr.1 unter den deutschen Social Networks wird, sondern zwei ähnlich biedere Plattformen hinterherschiebt, die dann auch ähnlich erfolgreich werden, muß irgendwas richtig gemacht haben.

Dabei handelt es sich vermutlich um die Geschichte mit dem richtigen Ort und der richtigen Zeit. Wie auch immer, das StudiVZ war da, als Millionen Studenten danach lechzten, sich schnell mit ihren Mitstudenten auszutauschen. Sicher spielt dabei auch eine Rolle - siehe WKW - dass man das Prinzip sehr simpel gehalten hat, was einer schnell wachsenden Community natürlich sehr förderlich ist.

Erfolg hin oder Neid her, Fakt ist nun mal, dass StudiVZ immer noch sowas wie das Bayern München in der Social Network-Bundesliga sind.

Wenn ich bei StudiVZ den Fußball als Bildnis heranziehe, dann kann man bei Netzökonom Holger Schmidt ruhig mal den Begriff "Champions-League-Teilnehmer" in den Mund nehmen. Er hat sich mit Marcus Riecke - StudiVZ CEO - getroffen, um die neuesten Zahlen und die Zukunftsvisionen von StudiVZ zu besprechen und - wie für ihn üblich - auch mal durchaus kritisch zu hinterfragen.

Marcus Riecke jubelt natürlich über die tollen Zahlen, die sich bis zum Jahresende so positiv entwickelt haben werden, wie man es selbst als Vorgabe ausgegeben hatte (14 Mio User kummuliert aus StudiVZ, SchülerVZ und meinVZ)

Vielleicht ist es nur meine persönliche Abneigung gegen ein Portal, dessen Sinn und Erfolg ich nicht begreifen kann, aber meiner Meinung nach sollte man es nicht als zu großen Erfolg werten, wenn sich 95% der angemeldeten Nutzer mindestens einmal im Monat dort sehen lassen. Auch die von meinVZ angeblich widerlegte These, dass nur Studenten und Schüler täglich ins Internet gehen würden, ist hier und da auch schon vor einigen Jahren mal widerlegt worden *g* Witzig auch, dass er Konkurrenten aufzählt und Facebook dabei - vermutlich versehentlich - auslässt. Aber Schmidt erinnert ihn glücklicherweise daran, dass es da in Kalifornien noch eine kleine Social-Network-Klitsche gibt, die irgendwie sogar öfters mal mit dem StudiVZ in Verbindung gebracht wird bzw umgekehrt.

Interessanter als Rieckes Selbstbeweihräucherung find ich das Eingeständnis, dass man bei Open Social mehr so mitschwimmt, als wirklich selbst aktiv vorneweg zu rennen. Er bringt sogar die Blogger ins Spiel, welche nämlich falsch liegen mit der Ansicht, dass der Nutzer 100000 Anwendungen möchte. Naja, niemand möchte 100000 Anwendungen - aber gerne möchte ich aus einem riesigen Pool aus Anwendungen die für mich relevanten Perlen herausfischen. So find ich es schon klasse, last.fm oder FriendFeed in meine Social Networks einbinden zu können und ich bin überzeugt davon, dass sich auch eine große Userzahl bei den VZs dafür erwärmen könnte. Open Social ist für Riecke eher aus Monetarisierungsgründen interessant und da blitzt für einen kurzen Augenblick fast schon der Visionär in ihm auf:

Ich glaube, dass Open Social vor allem für die werbetreibende Wirtschaft interessiert ist, wenn sie Werbekooperationen wollen, die über Standard-Display-Werbung hinausgehen will. Mit Open-Social-Anwendungen lassen sich Werbeanwendungen entwickeln, die in vielen Netzwerken funktionieren und damit die nötige Reichweite erzielen können.

Er erwähnt eine StudiVZ-Gruppe, die eine schon beachtliche Größe erreicht hat und getrieben wird von dem Wunsch, Markenprodukte günstig erwerben zu können. Da hat Riecke sicher Recht, wenn er denkt, dass man dort ansetzen könnte, wenn man mit einem Social Network Geld verdienen möchte. Schließlich äussert man als User dieser Gruppe ja seine Konsumbereitschaft und macht sich dadurch interessant für die werbende Zunft.

Ansonsten äußert sich Marcus Riecke ähnlich wie die Konkurrenten von Facebook, wenn er sagt, dass die oberste Priorität auf dem Wachstum liegt und erst danach die Monetarisierung interessant ist.

Ich muss zugeben, dass ich eine weitere Innovation noch nicht wirklich verstanden habe, die in dem Interview angesprochen wurde. So ist für die Zukunft ein News-Feed angedacht, der sich aber von den derzeit verbreiteten Feeds der Konkurrenz unterscheiden soll:

Wir haben ein besseres Konzept. Wir empfinden das automatisierte Versenden der News als anstrengend. Das wollen die Nutzer nicht. Wir werden das eleganter machen.

Klar, Herr Riecke - Dinge, die automatisch erledigt werden, sind immer anstrengender, als wenn man es manuell erledigen müsste ;) Auf das elegante Konzept bin ich jedenfalls gespannt und werde der erste sein, der es anerkennend erwähnt, sollte es wirklich innovativ, elegant und überhaupt besser sein sollte - allein mir fehlt der Glaube ;)

Desweiteren kündigt man einen Messenger und Terminplaner an und will auch den Weg zum mobilen Social Network forcieren. Zumindest diese drei Punkte klingen interessant und bei der mobilen Ausrichtung sogar zwingend nötig.

Wenn man in Zukunft mehr Energie auf die künftigen Innovationen verschwendet statt auf schwachsinnige Rechts-Streitereien, könnte man sich vermutlich auch noch ein wenig länger gegen die technisch übermächtige Konkurrenz erwehren.

 


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