Es scheint mittlerweile chic zu sein, den Launch seiner Seite in wichtigen Märkten zu verschlafen. Facebook hat es vorgemacht und erst sehr, sehr spät – und zur Freude von Profiteur StudiVZ – eine deutsche Version seines Social Networks aufgeboten. Wir wissen alle, dass es Facebook trotz allen Qualitäten und trotz aller technischen Defizite des Konkurrenten bislang sehr schwer fällt, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen.
Diesem Beispiel folgt nun LinkedIn, US-amerikanisches Pendant zu Xing. Für die unter Euch, die diese Netzwerke nicht kennen: LinkedIn und Xing sind sowas wie die Erwachsenen unter den Social Networks – weniger verspielt, weniger bunt, dafür aber mit einem seriösen Background. So verstehen sich beide Portale als Karriere- bzw Business-Netzwerke. Hier passieren grundsätzlich ähnliche Dinge wie bei Facebook und Konsorten – nur eben oft vor einem beruflichen Hintergrund. Während man mit seinen neuen MySpace-Kontakten eher in die Disco, zum Konzert oder ins Bett geht, findet man bei Xing/LinkedIn eher den Kontakt, der einen beruflich weiterbringen kann, der einem im günstigsten Fall vielleicht sogar einen neuen, besseren Job einbringt und bleibt mit Geschäftsfreunden in Verbindung.
Unter diesem seriösen Deckmantel finden natürlich die gleichen Social Network-Komponenten wie bei den anderen Netzwerken ihren Einsatz, die Priorität aber bleibt eine andere.
Hat man nun Facebook schon schlechte Chancen auf vernünftige Marktanteile in unserem Land nachgesagt, sieht die Situation bei LinkedIn noch ein wenig anders aus. Während Facebook technisch meilenweit entfernt ist von der Deutschen Nr.1, kann sich LinkedIn einen solchen Vorsprung gegenüber Xing nicht erarbeiten. Der amerikanische Trumpf in dieser Partie können höchstens die Userzahlen sein, denn dort hat Xing das Nachsehen.
Bei anderen Kriterien sehe ich allerdings sogar Xing in der besseren Position, so kann man auf 16 Sprachen verweisen, während es das amerikanische Netzwerk bis dato lediglich auf Englisch und Spanisch gebracht hat.
Wenn man auf dem deutschen Markt so weit hinterherhinkt und sich nicht die allergrößten Erfolgs-Chancen ausrechnen darf, fragen wir uns natürlich zu Recht, wieso die US-Karrierenetzwerker es hier überhaupt probieren. Ich glaube, Robert hat die Antwort richtig gedeutet: Einfach aus dem Grund, weil es eine Chance gibt.
Zitat Robert Basic:
Warum es LinkedIn dennoch probiert? Einfache Antwort: Man verspricht sich eine Chance. Sonst würde man es nicht tun. Und 10% Marktanteil sind immer noch besser als 0,1% Marktanteil.
Da beide Karriere-Netzwerke monetär durch die Mitgliedsbeiträge wesentlich festeren Boden unter den Füßen haben als die Fun-Konkurrenz, sind dadurch auch geringere Userzahlen schon interessant.


