zweipunktnull.org

26 Aug, 2008

Brauch ich FriendFeed und Twitter? Oder Facebook? Oder alles?

Posted by: Casi In: Lifestream| Microblogs| Social Networks| zweipunktnull

 

Es wird einem derzeit nicht leicht gemacht im ZwoNull-Business in diesen Tagen. Ein Beispiel: Gestern bewundere ich das überarbeitete, ziemlich twitterige Status-Eingabefeld bei Facebook. Weil ich schon mal da war, hab ich auch gleich meinen Status geändert: "Carsten fragt sich, wer überhaupt noch FriendFeed braucht, wenn Facebook so weiter macht"

Sicher nicht ungewöhnlich, dass man auf Plattform A auch mal Plattform B thematisiert. Aber bezeichnend für diese Lifestreamisierung der letzten Monate, dass ich einen Kommentar zu dieser Statusmeldung erhalte – auf Lifestream.fm!

Die auf Plattform A gestellte (rhetorische) Frage über Plattform B wird u.a. auf Plattform C zur Kenntnis genommen und kommentiert. Schöne neue Welt, oder? Ich mag diese Aggregiererei wirklich, aber fragt Ihr Euch nicht auch manchmal, wann bzw wo Schluß sein wird? Wieviel kann man noch verarbeiten an Signalen? Schon jetzt kann man ja unmöglich jeden Bericht lesen, jede Frage beantworten oder jedes Bild anschauen, welches über die Feed-Ströme über uns hereinbrechen.

Aus unserer Sicht betrachtet wird es immer wichtiger, die vermeintlich wichtigen Töne in diesem Noise-Universum herauszufiltern und die vermeintlich unwichtigeren Töne eher auszublenden. Was jetzt wichtig und unwichtig ist, entscheidet natürlich jeder für sich, entscheidend ist eher die Frage, wo man am ehesten diesen Lärm bearbeiten, abarbeiten, bewältigen kann.

Auf netzwertig.com gab es gestern einen lesenswerten Artikel zu dem Thema der Facebook-Statusmeldungen und welche Rolle diese Entwicklung für FriendFeed haben könnte. Wer es noch nicht gelesen hat: Nachholen, jetzt, sofort! ;)

Einen ähnlichen Gedanken wie Martin habe ich hier auch schon mal verfolgt und bleibe auch dabei: Vielleicht wird es Facebook sein, das den Lifestream-Gedanken in die weite Welt trägt – einfach weils ein Unterschied ist, ob Millionen von Facebook-Usern ein neues Feature ausprobieren möchten oder ob im stillen Blog-Kämmerlein von wenigen Tausend Internetschreiberlingen von FriendFeed geschwärmt wird.

Die breite Masse wird entscheiden, wo man sich in Zukunft zu informieren hat, wenn man die Datenströme seiner Freunde im Blick haben wird. Entweder sehen FriendFeed, Lifestream.fm und Co zu, dass sie genau dort hinkommen – oder man überläßt Facebook kampflos dieses Feld, welches sich das Social Network dann quasi im Vorbeigehen eingesackt hätte.

Zum Glück ist es ja noch lange nicht so weit. Zum Glück deswegen – bei aller Sympathie für Facebook – weil das innovativere und ausgefeiltere Tool natürlich immer das sein wird, welches von Menschen gestaltet wird, die nichts anderes im Fokus haben als eben das Lifestreaming. Bei Facebook wird es immer nur eine Facette eines Social Networks bleiben.

Andererseits muß man Facebook zugestehen, dass sie dort bereits Features bieten, die selbst FriendFeed noch nicht auf dem Zettel hatte und die nun implementiert werden. So kann man jetzt – endlich möchte man sagen – bei FriendFeed eigene Listen anlegen, um der Datenflut Herr zu werden. Klar konnte man manuell bestimmte Dinge aus dem Stream eines Freundes ausblenden, aber der Königsweg ist da doch eher der, der über von mir selbst definierte Usergruppen führt.

Listen in FriendFeedAuf diesem Bild sieht man die von FriendFeed vorgegebenen Listen: Favorites, Personal und Professional. Logischerweise ist es jedem selbst überlassen, ob er auf diese Vorschläge eingeht, oder lieber eigene Listen anlegt.

Ebenfalls eine Funktion, die es bei Facebook bereits gibt, ist der Upload von Fotos. Sobald das neue FriendFeed-Interface die Betaphase verläßt, wird es dann auch dort möglich sein und im Gegensatz zu Marcel denke ich, dass davon sicher auch eifrigst Gebrauch gemacht werden wird.

Im Großen und Ganzen jedenfalls ein schönes und fälliges Update, weil man auf die Noise-Entwicklung reagieren musste seitens FriendFeed.

 

 

 

 

Neben den Lifestream-Anbietern bewegen mich gerade vor allem die Entwicklungen auf dem Microblogging-Sektor. Wird Euch nicht entgangen sein, so Ihr hin und wieder hier mitlest ;)

Auch da steht man vor mehreren Alternativen: Nimmt man Twitter, weils am meisten verbreitet ist? identi.ca, weils open source ist? Plurk, weils so schön bunt und kommunikativ ist? Oder doch lieber Rejaw, der von allem etwas ist und statt 140 Zeichen immerhin 1000 Zeichen zur Verfügung stellt? Irgendwie find ich derzeit identi.ca am sympathischsten – dummerweise hat der laconica-Sproß natürlich noch nicht annähernd den Zuspruch wie Twitter. Daher ist es jedenfalls schon mal schön, dass man zumindest einen Weg gefunden hat, wie die "Dents" bei identi.ca zu Twitter transportiert werden können.

Das jedoch stellt mich direkt vor ein neues Problem: Manche Dinge sind eher für meine Freunde bei Twitter bestimmt, manches möchte ich lieber bei identi.ca oder Plurk loswerden. Hin und wieder bin ich der Meinung, alle Dienste gleichzeitig mit einer Statusmeldung oder einem Link bedienen zu müssen und verwende dazu das wunderbare ping.fm.

Was dabei jetzt mein Problem ist? Dass der Transport von identi.ca zu Twitter noch nicht so rund läuft, wie ich mir das wünsche. Soll heissen, dass meine Dents manchmal übermittelt werden an Twitter und manchmal leider nicht. Also hab ich jetzt die Wahl, ob ich bei ping.fm auf Twitter verzichte und dort gegebenenfalls gar keine Nachricht ankommt – oder Twitter bleibt genau wie identi.ca aktiviert und ich erzeuge ein Doppelposting bei Twitter (hier zu bewundern). Ist unter Euch vielleicht auch jemand mit einem ähnlichen Problem? Noch besser wäre allerdings jemand mit einer zum Problem passenden Lösung ;)

Die Frage ist schon lange nicht mehr, ob man mitziehen will bei der ganzen Status-Geschichte. Dafür sorgen eben auch die unzähligen Social Networks, die so gut wie alle nicht mehr ohne News-Feed und Statusmeldung auskommen. Die Frage ist eher, wie sehr man gewillt ist, sich damit auseinanderzusetzen und somit die größtmögliche Kontrolle zu erhalten und den größtmöglichen persönlichen Nutzen aus dem gewählten Lifestream zu ziehen.

  • Bernd
    Antwort auf den Blogtitel: Gar nix davon! :-)

    Ich nutze Lokalisten, MeinVZ und Rejaw - alles andere "brauch" ich einfach nicht.

    Klar hab ich bei jedem MB-Service einen Account, aber bevor ich meine Nachrichten sinnlos bei Twitter reindonner, dann programmiere ich doch lieber meinen eigenen MB-Dienst und lade dahin alle meine Freunde ein.
  • Was scheinbar keinen Interessiert ist, dass bei all diesen Gedanken nicht ein einziges mal die VZ-Familie angesprochen wird. Und das find ich so geil, weil es eigentlich nur einen kleinen Moment dauern kann, bis es StudiVZ & Co nicht mehr gibt. Oder was denkt ihr? Braucht jemand StudiVZ? Außer eben das alle meine Freunde da sind, hat die Plattform einfach nur einen sehr großen Langweiligkeits-Faktor.... Also weg damit. Aber der Großteil meiner Freunde kapiert eben nicht das Facebook cooler ist...
  • @Bernd - also wenn mein "Haupt"-Social Network MeinVZ wäre, würd ich mich einbuddeln ;) Lokalisten macht für mich nicht viel Sinn in NRW - ist ähnlich wie WKW zu sehr regional geprägt. Naja - und Rejaw scheint vieles richtig und manches besser zu machen als die MB-Konkurrenz - aber man muss sich halt erst mal etablieren. Und Du programmierst Dir einen eigenen MB-Dienst? Kann mir nicht vorstellen, dass ich mich irgendwo anmelden würde, was für so einen kleinen Kreis von Leuten konzipiert ist - nicht auszudenken, wenn das jeder Freund/Kumpel machen würde ;)
    @drumba - Es macht einfach keinen Sinn, die VZ-Vögel zu erwähnen, wenn man sich in einem Blogbeitrag über neues Design, Innovationen und die Zukunft im Internet auslässt ;) Kennst das ja mit dem frühen Vogel, der den Wurm fängt - da war das VZ halt schneller als Facebook und Co...Man sollte nur langsam mal merken, dass man da nicht ewig von zehren kann...
  • Der Post spricht die Probleme gut an, diese Zersplitterung / Vielfalt kostet die User nicht nur Nerven und Zeit, das verhindert auch, dass der Nutzen größer wird und mehr Menschen solche Dienste nutzen.

    ...wobei andererseits die Zahl der Infos in den ganzen Diensten oft jetzt schon so groß ist, dass es einem schnell zu viel werden kann.

    Zumindest was die technische Ebene betrifft, wären allgemein gültige Standards ein Ansatz, denn Vielfalt ist ja gut. Mit einem Nokia-Handy kann ich eine SMS ja auch zu einem Motorola-Handy schicken - und in welchem Handynetz man ist, ist auch nicht mehr wichtig.

    In die Richtung sollte es auch bei den angesprochenen Diensten gehen.
  • na wenn das klein klares Statement pro identi.ca ist, Oliver ;) Aber stimmt wirklich - man hat ja so schon genug zu tun, einem nicht so internet-versessenen Menschen klarzumachen, was Twitter oder FriendFeed sein könnte. Dadurch, dass nicht jeder Microblog mit jedem anderen kommunizieren kann, erhöht man den Reiz für weniger internetaffine User nicht gerade...
  • Uwe
    Auf die Eingangsfrage: Nein, ich zumindest brauch kein Twitter, kein Facebook und auch kein Friendfeed... Wenn ich davon was bräuchte, würd ich mir was deutsches, wenn vorhanden, davon suchen... Auch in D gibts genug Beachtenswertes. "Nicht alles was aus USA kommt ist auch gut" hat mein Vati schon immer gesagt... ;-)
  • wie sehen die deutschen Kandidaten aus, Uwe?
    Twitter - bleeper.de
    Facebook - StudiVZ
    FriendFeed - lifestream.fm
    oder hast Du andere Beispiele gemeint?
    Von lifestream.fm bin ich selbst begeistert und nutze es neben FriendFeed. Wenn ich z.B die empfohlenen Links von Scoble sehen möchte, dann bringt mich nun mal nur FriendFeed weiter...
    Für Facebook gibt es in meinen Augen kein deutsches Pendant - oder meinst Du blaabla.de? ;)
    bleeper hat sicherlich gute Ansätze - allein durch den unschätzbaren opensource-Vorteil und das Vernetzen mit anderen laconia-Microblogs wie identi.ca - aber es fehlen halt noch die Userzahlen, die es zu einem ernsten Konkurrenten bzw zu einer ernsten Alternative Twitters werden lassen...
  • Uwe
    @Casi: Ich fin Blaabla ganz nett und es macht einen ordentlichen Eindruck, wurde nicht bezahlt dafür und hoffe dass das Thema endlich durch ist. ;-)
    Für Facebook gibt als deutsches Pendant eigentlich nur die VZ-Geschichte, davon bin ich allerdings alles andere als ein Freund. Die Frage ist hier, ob wir wirklich sowas brauchen? Ich habe lange mich dei den Lokalisten rumgetobt, ist eingeschlafen, habe ein meinVZ-Account, den ich kaum nutz, bzw. mich nur einlogge um meine Freundin zu gruscheln. ;-)
    Ich nutze wenn dann Xing, Facebook ist ein nettes Ding,m und ehrlich gesagt, habe ich seit wenigen Tagen auch einen Account...
    Aber die Frage war ja ob wir es brauchen? NEIN, Facebook, Twitter &Co brauchen wir definitiv nicht...
  • Nein, das Thema ist noch lange nicht durch mit blaabla.de *lach*
    Die Frage danach, was wir brauchen, war ja eine Alternativfrage - und die Alternative "nix von allem" kam da ja bewußt nicht vor *g* Will also darauf hinaus, dass man über die Dinge nachdenkt, die man braucht, wenn man bewußt lifestreams und microblogs nutzt :) Es geht nicht hauptsächlich darum, dass man mit möglichst vielen Pseudo-Freunden verbunden sein muß, sondern darum, ob man überhaupt Twitter und FriendFeed braucht, wenn man alternativ bei einem Social Network einen gleichwertigen Feed vorfindet, der zudem auch noch mehr "wichtige" Personen beinhaltet :)
    Grüße an die Freundin jedenfalls ;)
  • Marco
    Nur um das Heading zu beantworten: "Ja. Und ein Poken damit alles wieder verbandelt wird."
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