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17 Sep, 2008

Neues Facebook, altes Facebook

Posted by: Casi In: Social Networks

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 Über das veränderte Design und die damit verbundene veränderte Funktionalität von Facebook hab ich zB hier oder hier geschrieben und auch auf andere Blogs verwiesen. Soll primär heute auch gar nicht das Thema sein. Facebook scheint eine andere Strategie zu fahren als zB das StudiVZ oder Google.

Wieso ich gerade diese beiden im Grunde Unvergleichbaren nenne? Weil es für das Internet die beiden Extreme sind. Googles Suchmaschine war plötzlich da und eroberte die Welt. Und obwohl Tausende von Blogger-Augen täglich auf die News aus dem Google-Lager gerichtet sind (und Google selbst uns mit den Google Labs auf dem Laufenden hält, was intern gerade erprobt wird) gelingt es den Jungs aus Mountain View, mit einem Paukenschlag einen eigenen Browser zu launchen – wie Phönix aus der Asche.

Na und das andere Extrem ist halt das StudiVZ bzw der VZ-Verbund aus meinVZ, StudiVZ und schuelerVZ. Würde Marcus Riecke sich jemals hierher verirren, würde er wohl müde lächelnd abwinken in der Gewissheit, dass er Deutschlands Nr.1 bei den Social Networks vertritt und dem gegenüber hier nur ein kleiner Blogger mit Hang zur einseitigen, weil parteiischen Berichterstattung hockt. Wäre er etwas objektiver, müsste er sich eingestehen, dass VZ mittlerweile das Synonym für gelebte Innovationsresistenz ist. Wo sich Google tagtäglich überschlägt und selbst überholt, verharrt das VZ in einer Mischung aus Lethargie und Leichenstarre, beobachtet die anderen Networks, um anschließend entweder ähnliche Features für sich selbst direkt auszuschließen oder erst irgendwann später in gehörigem Sicherheitsabstand hinterherzueiern.

Na und strategisch irgendwo dazwischen sortiert sich Facebook ein. Weder machen sie sich im Hauruck-Tempo die Welt untertan, noch könnte man sie auch nur annähernd in eine Ecke mit dem StudiVZ stecken. Bei Facebook wirken die Aktionen immer wie militärische Aktionen. Keine noch so kleine Veränderung passiert zufällig, keine Funktion wird implementiert, wenn sie nicht tausendprozentig durchdacht ist. Irgendwas halt zwischen Stillstand und 7-Meilen-Stiefel. 

Wenn Ihr mich fragt, fährt Facebook mit dieser Gewichtung genau richtig. Facebook versucht bei seinen Weiterentwicklungen stets uns – die User – mitzunehmen.

Ähnlich empfinde ich es, wenn es um das neue Facebook-Design geht: Einfach aufgebaut, logisch strukturiert, intuitiv bedienbar und in seinen Funktionen sowohl gewaltig aufgebohrt als auch auf die Zukunft ausgerichtet, ist es – aus meiner persönlichen Sicht – ein Musterbeispiel für ein modernes Social Network. Erst jüngst hat man das Facebook-Interface einem weiteren "Lifting" unterzogen und verleiht dem User nun noch mehr das Gefühl, es mit einem webbasierten Operating System zu tun zu haben. 

Aber nichts im Leben kommt ohne Licht und Schatten aus: Über "Licht" hab ich ja genügend geredet, wenden wir uns dem "Schatten" zu: Wie jeder Relaunch oder jede Neuausrichtung einer Homepage finden sich auch (oder gerade, im Hinblick auf die riesige User-Schar) Menschen, die mit dem Design alles andere als glücklich sind. Nicht wenige davon organisieren sich derzeit bei Facebook in Gruppen, um auf diese Art für das alte Design zu kämpfen.

Beispiele?

Ich gebe zu, dass ich nicht nachvollziehen kann, wieso man derartig auf die Barrikaden gehen kann wegen eines Designwechsels in einem Social Network, aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es nach wie vor Bedarf gibt an dem geforderten alten Design – Mitgliederzahlen innerhalb dieser Gruppen von teilweise über 2 Mio. Facebook-Usern sprechen da eine ziemlich deutliche Sprache.

Einen – zumindest vorübergehenden – Ausweg für die Verfechter des alten Designs kann man sich bei TechCrunch aufzeigen lassen. Worum gehts? Installiert Euch einfach die Entwickler-Applikation bei Facebook – dort habt Ihr dann die Möglichkeit, zurück zum alten Design zu switchen – zumindest momentan noch ;)

Alternativ gibt es auch noch eine Greasemonkey-Lösung für Firefox-User. Besser gesagt, es gibt sogar zwei Lösungen und zwar hier und hier.

 

 

 

 

  • Bernd
    Geil. Neulich war FaceBook angeblich für alle noch benutzerunfreundlich und nun soll es nach ein paar Liftings supertoll sein? I don't think so.
  • Nein Bernd, Facebook war schon immer benutzerfreundlich (Weiss nicht wo du das Gegenteil gelesen/gehört haben willst) und plötzlich wollen ein paar Benutzer das Redesign nicht. That's it.
  • Mit Pauschalisierungen kommt man meistens nicht weiter, Bernd - Facebook war damals genauso wenig für alle benutzerunfreundlich wie es heute für alle auf einmal benutzerfreundlich sein kann. Ich fand es vorher schon nicht benutzerunfreundlich, find es nun aber wesentlich sinniger angeordnet. Und "ein paar Liftings" trifft es ja auch nicht ganz...
  • Ich denke da trennt sich das Lager der User einfach in zwei Hälften:

    Ich nenn sie mal die "Supper-Wallies" und die "Apples".
    Apples sind die sophisticated Web2.0 User, die ein Faible für cleane und intellegente UIs haben.
    Die Super-Wallies wollen einfach Schafe schmeißen und Vampire beißen und für sie sind Funktionen wie bspw. Tabs einfach nicht existent, daher wollen sie das gewohnte alte Interface zurück.

    Man muss sich einfach nur mal WKW angucken... ;o)
  • @Daniel Thomaser: Gute Interpretation. Aber in's Lager der Super-Wallies würde ich mich nicht einreihen wollen. Ich bin gegen das ansonsten wirklich nice neue Interface nur aus einem Grund: Ich hätte gerne meine FriendFeed App direkt auf meinem Profil und nicht irgendwo anders. Ich finde es suckt einfach, dass Facebook sich da so aufdrängen ("Hey, benutz uns zum Microblogging, uns, uns, uns!"). Das ist alles. Ansonsten ist das Redesign sehr slick geworden.
  • @Francis - genau das, was Dich so nervt (eben dieses "aufdrängen"), wird aber dazu führen, dass man das, was wir twittern nennen, in Zukunft im mainstream mit Facebook assoziieren wird. Glaub ich zumindest ;)
    @Daniel - ich glaube, Du triffst den Nagel auf den Kopf - und ich bin heilfroh, dass das Vampire schmeissen für mich mittlerweile unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfindet ;)
  • Dennis
    Ich frage mich wirklich was marcus Riecke bisher für studiVZ geleistet hat. In einem Interview sprach er ja von einem geplanten Mitgliederwachstum - lächerlich. studiVZ ist, was die Innovationsfähigkeit angeht, auf dem Nullpunkt! Großmundig wurde von Riecke zur OMD neue Werbeformen angekündigt. Ich war selbst dort und konnte mir den vortrag des neuen VP Sales ansehen. Fazit: 0,0 neues! Und mit dem Plauderkasten geht die wirklich erste funktionale Neuerung seit dem Launch an den Start!
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