Ein Bekannter von mir bezeichnete sich neulich als Web 2.0-Hure. Weil er sich einfach überall anmeldet, wo man sich anmelden kann. Ich bin haargenauso, glaub ich. Eine stylishe, vielversprechende landing page, ein bunter Beta-Button und ein überschaubares Anmeldeformular – schon habt Ihr mich ;)
Ähnlich erging es mir bei Telebid. Ich dachte, dass man es mit einem dieser Live-Shopping-Portale zu zun hat, die mehr und mehr im Internet zu finden sind und von denen es einige sehr tolle Vertreter dieser Zunft gibt.
Telebid (die sich nach kurzer Zeit umbenannt haben in Swoopo) war nicht so – im Gegenteil. Mir – aber das ist natürlich nur ein persönlicher Punkt – gefällt es schon mal nicht, wenn ich zum bloßen Dabeisein erstmal bare Münze in irgendeine imaginäre Spielzeugwährung umtauschen muß. Anders funktioniert es aber leider nicht. Ich tausche einen Euro-Betrag in sogenannte "Freebids" und mit denen beteilige ich mich dann an Auktionen für die verschiedensten Produkte von Notebooks über Blu Ray-Filme bis hin zu Armbanduhren.
Da hatte ich dann mein nächstes Problem: Ein Gebot von mir kostet mich 50 Cent – erhöht den Verkaufspreis jedoch lediglich um 10 Cent. Wenn also der Artikel einen Euro teurer wird, haben User im Werte von 5 Euro geboten. Ihr könnt Euch das selbst hochrechnen auf den Verkaufspreis eines Laptops. Selbst, wenn der glückliche Gewinner der Auktion einen sensationell guten Preis erzielen kann, steht das in keinem Vergleich zu dem Gewinn, den sich Swoopo dabei einstreicht.
Die Frage dabei ist, ob man Swoopo dafür an den Pranger stellen kann – schließlich wird niemand gezwungen, dort sein sauer verdientes Geld auf den Kopf zu hauen, oder? Andererseits muß man allerdings auch sehen, dass man zum Beispiel bei Anbietern von Sportwetten mit Argusaugen darauf achtet, wie und wo sie ihre Angebote unterbreiten, da es ja ein immenses Suchtpotential bietet. Wieso tut man das bei diesem Portal dann nicht? Klar, es handelt sich nicht um eine Wette, aber in meinen Augen ist es ein ähnliches Glücksspiel. Wenn ich 50mal einen günstigen Artikel hochbiete und letzten Endes keinen Zuschlag erhalte, hab ich 25 Euro in den Sand gesetzt.

Auf dem Bild sieht man einen Ausschnitt der Auktionen, die bald auslaufen. Ebenfalls bedenklich für Kameraden mit Suchtgefahr erscheint mir die Tatsache, dass die Zeit der Auktion mit jedem Gebot um ein paar Sekunden verlängert wird. Biete ich in der letzten Sekunde für meinen gewünschten Artikel, so haben die Konkurrenten dann mindestens auch wieder 10 Sekunden Zeit für ihr Gebot.
Ich will niemandem erklären, was er zu tun hat oder wie er sein Geld auszugeben hat, aber rechnet Euch die Dinge bitte vorher durch und vergleicht vor allem die von Swoopo angegebenen Preise mit denen, die man woanders derzeit wirklich für diese Artikel bezahlt. Beispielsweise gibt man für eine externe Festplatte mit 300GB einen Preis von 169 € an – ohne, dass man eine Marke oder sonstige Informationen über das Produkt erhält ausser vielleicht Größe und U/Min-Angabe. In Zeiten, in denen man 500GB oft schon für 60 Euro bekommt, erscheint der Preis vermutlich nicht nur mir überzogen.
Wer zum Thema Swoopo noch Fragen oder generell Interesse hat, sollte dringend bei Uwe von Alles2null reinschauen, der sich bereits mehrfach mit der Thematik auseinandergesetzt und sehr viel recherchiert hat. Spätestens dort sollten dann Jedem eventuell Kauf-Interessierten bei Swoopo die Augen aufgehen.




