25 Sep, 2008
MySpace Music: Hier spielt die Musik (…nicht)
Posted by: Casi In: Social Networks| zweipunktnull
Eines direkt vorweg: MySpace Music ist gestartet, aber wie schon bei Hulu ist es nur in den Vereinigten Staaten nutzbar. Deswegen kann ich hier auch nichts zur Usability, zum Angebot oder irgendwas anderem schreiben, was mit dem neuen Angebot zusammenhängt. Zumindest nichts, was ich selbst beobachtet hätte und mit Screenshots unterlegen könnte.
Toll ist jedenfalls (und so erklärt sich eventuell auch die Verzögerung des Launches um eine Woche), dass man mit EMI nun auch den letzten Big Player ins Boot holen konnte und somit alle Vier – Warner, Universal, Sony und eben EMI – vertreten sind beim vermeintlichen iTunes-Killer.
Wie man bereits jetzt bei TechCrunch lesen kann, macht MySpace diesen US-only Deal nicht, weil ihnen Europa nicht paßt oder man keinen Bock drauf hat. Viel mehr hat allein das US-Vertragswerk eine Menge Zeit, Energie und Manpower verschlungen, bis man dieses neue Musikpaket festgezurrt hatte. Alle weiteren Länder werden nun Schritt für Schritt beackert und bei der Bedeutung, die der europäische bzw der deutsche Markt für das Musikbusiness hat, bin ich zumindest guter Dinge, dass wir eines der nächsten Länder sein werden, um die sich MySpace bemüht. In wie weit man dann einen Weg findet (oder genehmigt bekommt), um das Portal auch für uns hier nutzbar zu machen, steht natürlich auf einem anderen Zettel.
Aber was dürfen die US-User denn jetzt erwarten und worauf dürfen wir uns zukünftig freuen? Ähnlich wie bei last.fm kann man sich Playlists erstellen und die Songs kostenlos streamen. (Der Satz geht mir jetzt flott von der Hand, vor ein paar Jahren hätte ich vermutlich noch ungläubig gezittert beim Schreiben ;) ) Dank des Deals mit den 4 Majors und den starken Werbepartnern kommt ein solches Angebot zustande. Die Playlists dürfen bis zu 100 Songs beinhalten und können natürlich mit anderen MySpace-Usern geteilt werden. Besonders beliebte Playlists werden via MySpace promotet und darüber hinaus stellt MySpace auch die Top100 meiner Freunde oder auch aller User zusammen.
Aus diesem Pool von über 5 Millionen Songs, die über den Amazon-Shop DRM-frei gekauft werden können, kann ich mir natürlich auch – wie gehabt – meinen Profilsong für meine MySpace-Seite auswählen.
Ohne auf das Handling selbst eingehen zu können, muss ich – auch aufgrund der positiven Berichterstattung jenseits des Teiches – davon ausgehen, dass MySpace der erhoffte große Schlag gelungen ist. Jeder, der damit seine Brötchen verdient, Musik zu streamen oder per Downloads zu verhökern, wird nun ein Auge auf MySpace haben müssen – egal, ob sie last.fm oder iTunes heissen. Man wird nicht von jetzt auf gleich zum iTunes-Thronfolger, so viel sollte klar sein. Aber ich denke schon, dass man einen gewissen Prozentsatz an Kunden ziehen kann von der bislang nahezu unangefochtenen Nr.1.
Na und was für iTunes gilt, muß in diesem Zusammenhang natürlich auch für die hiesigen Angebote wie musicload oder roccatune (hoffe, Dir ist aufgefallen, dass ich im Gegensatz zu Robert roccatune richtig schreibe, Sachar *g*) gelten. Da gilt es künftig, die Claims neu abzustecken, sich von der Konkurrenz durch Leistung, Design, Usability und Service abzusetzen und sich darauf gefasst zu machen, dass mein heutiger Stammkunde morgen schon weg ist, wenn ich nicht jeden Tag aufs Neue wieder zu überzeugen weiss.
Für die Industrie sicher ein harter Kampf, für uns Nutz(nieß)er hingegen eine traumhafte Entwicklung. In den nächsten Tagen werde ich sicher noch einmal ein paar Fakten zusammentragen, die derzeit durch die Medien geistern bezüglich Musik, aber so viel kann man auf jeden Fall jetzt schon resümieren: Scheinbar ist man – wie Robert Basic auch schon ganz richtig feststellt – endlich auf den Trichter gekommen, wie Musikbusiness in diesem Jahrtausend funktioniert. Nach verschenkten Jahren des Lamentierens und des Anprangerns von Käufern und Downloadern (und Geistesblitzen wie das digitale Rechtemarketing) scheint die Musikindustrie so langsam da anzukommen, wo sie schon seit Ewigkeiten hinwill: Beim Kunden!




