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30 Sep, 2008

DRM und mp3 – Freunde werdet Ihr wohl nie

Posted by: Casi In: e-commerce| zweipunktnull

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 In den letzten Tagen haben sich echt eine Menge Leute gemeldet, denen meine Gedanken bezüglich MySpace Music im Speziellen und Online-Musik im Allgemeinen gefallen haben. Vielen Dank dafür – schön zu sehen, dass man diese Dinge nicht nur alleine so empfindet.

Andererseits habe ich aber natürlich nicht wirklich umfassend über alle Varianten berichten können, die uns beim Erwerb von Musik im Netz zur Verfügung stehen. Keine Angst, das soll hier keine ellenlange Abhandlung werden, aber einige Gedanken möchte ich noch dringend loswerden. In einem Kommentar vom TechBanger zu meinem Blogposting wird die These vertreten, dass DRM noch ganz wichtig sein wird für die Zukunft der Musikindustrie. Dabei macht er auch – ganz richtig in meinen Augen – eine wichtige Einschränkung: Die Kundenbedürfnisse müssen erfüllt werden.

Da sind wir noch nicht und – was die Musikflatrates angeht – glaub ich auch nicht, dass wir da sehr schnell hinkommen. Marcel Weiss hat heute bei netzwertig.com einen Beitrag verfasst zum gleichen Thema und hat sich dort die Mühe gemacht, die Shops aufzulisten, die es aufgegeben haben, das DRM-Prinzip weiter zu verfolgen. Der Walmart ist da gleichermaßen jüngstes und auch prominentes Beispiel in einer sicher noch nicht abgeschlossenen Entwicklung. Für diejenigen, die mit dem Stichwort "Walmart" in diesem Zusammenhang nichts anfangen können: golem.de 

Als Walmart-Kunde darf man nun also zusehen, wie man seine bezahlten (!) Downloads in Sicherheit bringt und für andere Abspielgeräte weiterverwendbar macht. Solange man DRM mit diesen Fesseln assoziieren muss, wird sich dieser Weg, Musik zu verkaufen, nicht beim Endverbraucher etablieren können. Statt Musik vertreibt die Musikindustrie also eher Kunden mit dieser Politik. Schön, dass die deutsche Sprache diese doppelt belegte Vokabel parat hat. Was mich zu einer anderen Sprache bringt: Man hat mir mal beigebracht, dass sich das chinesische Wort für "Konflikt" aus zwei Zeichen zusammensetzt: Nämlich dem Zeichen für "Krise" und ebenso dem Zeichen für "Chance". Die anhaltende Krise in der Musikindustrie sollte auch durchaus als Chance verstanden werden. 

Ich hab es neulich schon gesagt: Es handelt sich hier nicht um das böse Internet mit seinen noch böseren Nutzern, die der lieben, armen Musikindustrie an die Wäsche will. Es entstehen unzählige neue Möglichkeiten, weltweit Menschen zu erreichen und statt aktive Verkaufsverhinderung zu betreiben, sollte man sich darauf besinnen, gemeinsam mit Künstlern und Käufern an einem Strang zu ziehen. 

Ich greif jetzt wieder das Beispiel napster auf, weil ich eben speziell mit diesem Portal zuletzt öfters konfrontiert wurde. Dort wird vorgemacht, wie es nun mal eigentlich nicht sein sollte. Mit 6 Millionen Songs und neben den Majors unzählige kleine Companies hat man ein Angebot geschaffen, welches napster zu Recht mit breiter Brust auftreten lässt. Mit einem durchaus vertretbaren Preis für die Flatrate (9,95€ pro Monat) hat man bewiesen, dass man sich auch wirklich damit auseinandergesetzt hat, wie man Musik und Verbraucher zusammen bringen kann. Leider ist man dann aber beim letzten Schritt irgendwie vom rechten Weg abgekommen. Wieso zahl ich 120 Euro im Jahr für Musik, die mir nicht zur Verfügung steht, sobald ich das Abo kündige? Abhilfe kann da die etwas teurere Variante leisten: Für 14,95 Euro erhält man nämlich eine Flatrate-Alternative, die mir zudem garantiert, dass ich die Musik auf "kompatiblen" mp3-Playern abspielen kann. Erklärt mir mal, wieso ich nicht stattdessen lieber auf kostenlose, werbefinanzierte Angebote von last.fm oder roccatune ausweichen soll, wenn mir die Musik eh nicht erhalten bleibt.

Tut mir leid, aber so wird das auch in Zukunft nicht funktionieren. Entweder – und das normale Download-Angebot von napster kann sich durchaus sehen lassen – zahle ich Song für Song, oder ich zahle einen Pauschalbetrag. Aber egal, wie ich mich entscheide: Ich möchte die Musik dann hören, wann ich will, ich möchte sie hören, wo ich will und ich möchte mir ganz sicher keine Gedanken machen, ob und wie und wo ich kompatible Abspielgeräte auftreibe!

Es wird Zeit, dass man sich von den klassischen Mustern verabschiedet. Der Schritt von der LP zur CD war ein durchaus großer, aber nicht ansatzweise zu vergleichen mit dem, was hier gerade passiert. Wo sind die neuen Ideen? Die Innovationen? Aus Gesprächen mit Musikern weiß ich, dass hierzulande mit Tophits mehr Geld mit den Klingeltönen als mit dem eigentlichen Song verdient wird. Das ist eine merkwürdige und für mich unverständliche Entwicklung, aber sie ist nun mal so. Das zeigt aber auch, dass man die alten Zeiten nicht einfach so ins aktuelle Jahrtausend transportieren kann. Klingelton-Disaster schaffen es an die Spitzen der Hitparaden, Musik ist ohne großen Aufwand illegal verfügbar und auch unsere Hörgewohnheiten ändern sich zunehmend. Ich ertappe mich selbst dabei, dass ich viel seltener als früher das Erlebnis CD-Kauf zelebriere. Immer öfter ist eine Single-Auskopplung nicht mehr einer von elf Albumtracks, sondern lediglich eine Verkaufshilfe für ein Produkt, welches – und damit mein ich ein durchschnittliches Pop-Album – mir maximal 3 oder 4 stärkere Songs liefert und daneben eine Menge Ausschussware beinhaltet.

Versteht mich nicht falsch, ich will sicher nicht pauschal den Untergang der Musikkultur herbeirufen oder prognostizieren. Aber es ist in diesen Zeiten nun mal schwieriger, gute Musik herauszufiltern, weil Musik heutzutatge größtenteils eher als Produkt denn als Kunst von der Industrie verstanden wird. Und eben unter diesen Umständen finde ich es inakzeptabel, wenn mir bei meinen ausgesuchten Stücken noch vorgeschrieben wird, wie oft ich sie brennen darf, wo und wie lange ich sie hören darf und mich darüber hinaus teilweise auch noch mit mässiger Soundqualität zufrieden geben muss. 

Es muss also ein Modell her, welches für Musikfans funktioniert. Für den "Ich hör eigentlich alles"-Typ, der damit aber das mainstream-Radio-Gedudel meint, reicht vermutlich wirklich eine aktuelle napster-Flatrate, aber dem nach wie vor riesigen Markt wird die Industrie so sicher nicht gerecht.

Somit bin ich gedanklich auch wieder bei MySpace Music. Keine Ahnung, ob es funktionieren wird und keine Ahnung, wann und in welcher Form wir es in Deutschland überhaupt erhalten, aber der Weg ist der richtige. Merchandising, Klingeltöne, Konzerttickets – damit kann ich doch gewaltige Erlöse erzielen, ohne dass sich der Künstler nach Fertigstellen des Albums auch nur noch ein einziges Mal in die Nähe eines Tonstudios begeben muss. Das zusammen mit grenzenlosem Streaming-Vergnügen und fairen Download-Preisen klingt für mich zumindest nach dem, was bei der aktuellen Lage einem vernünftigen Konzept am nächsten kommt. 

So oder so wird es Zeit, dass was passiert – dieses Paradoxon, dass kleine Labels mit großteils künstlerisch hohem Anspruch (Musik, Design, Formate) den Löffel abgeben und große Labels mit Plastikmusik den Rahm abschöpfen, darf man als Musikfreund so nicht hinnehmen – und dass da irgendwas nicht stimmt, hat man ja immerhin bereits wahrgenommen.

 

 

  • Lieber gebe ich mehr Geld für ne CD aus, als irgendein scheiss DRM-Scheiss zu kaufen. Ernsthaft. Ich habe noch NIE im Netz Musik gekauft, nur wenn es n Gutschein war. Entweder die gute alte CD oder Radio. Scheiss DRM - wenn ich ein Lied kaufe, dann isses meins. Auf welchem MEINER Player oder Computer auch immer.
  • Amen, Bruder ;)
  • Uwe
    Wie ich heute morgen u.a. bei Golem und Heise gelesen habe ist Norwegen dran DRM bei ITunes zu kippen, wenn die das schaffen wird wohl eine ganze Welle durch Old-Europa schwappen, die das verbietet, oder?
  • Bei dem gelb unterlegten Absatz stimme ich zu. Die Kompatibilität der Endgeräte stellt noch ein großes Problem dar. Dort werden die Nutzerbedürfnisse nicht verstanden.

    120 € pro Jahr für die Möglichkeit, sämtliche 6 Millionen Songs aus dem Katalog von Napster in brauchbarer Qualität anhören zu können, ist ein fairer Preis, finde ich.

    Kostenlose Angebote setzten die ständige Verbindung zum Internet voraus - bei Napster kann man die Musik auch noch hören, wenn man offline ist.

    Kostenlose Angebote finanzieren sich über Werbung - das mag für viele Nutzer kein Problem sein. Ich verzichte lieber auf die Werbung. Das ist wie beim Fernsehen. Den Fernsehgenuss möchte ich mir auch nicht von Werbung unterbrechen lassen, weshalb Pay-TV (ein weiteres Hass-Thema für den einen oder anderen...) für mich klar die bessere Wahl ist.

    Und noch was etwas: Kostenlose Angebote gibt es nicht wirklich, niemand verschenkt etwas.

    Für den Preis kann man doch nicht wirklich erwarten, die Musik kaufen zu können. Die Möglichkeit, Musik auch mieten zu können, finde ich eine sehr gute Erweiterung der Möglichkeiten für den Nutzer.

    Viele Menschen mieten ja auch ihre Wohnung. Und wenn sie ihren Mietvertrag kündigen, dürfen sie auch nicht mehr darin wohnen, auch wenn sie jahrelang Miete gezahlt haben.
  • Ich kann Deinen Ansatz nachvollziehen, Oliver - wenngleich Dein Mietwohnungsvergleich ein wenig hinkt ;)
    Aber ich möchte nun mal mit Musik machen können, was ich möchte. Und von vornherein will ich auch gar nicht Musik mieten, sondern die Musik besitzen, die mir gefällt.
    Und mit dem kostenlosen Angebot widerspreche ich Dir: Wenn ich für irgendetwas nicht bezahle, dann ist es doch auch kostenlos, oder nicht? Beispiel last.fm - ob und wie die ihre Erlöse generieren ist mir unterm Strich egal, aber ich zahle de fakto nicht dafür - vom Abo abgesehen, aber das ist ja keine Pflicht.
    Ich denke, wir müssen uns sowieso davon lösen, dass das klassische Album mit 10 Songs für 10-15 Euro über den Tisch geht. In Zukunft denke ich, dass man sich da eher an dem Musiker als "Marke" orientiert, der das Geld über Ticketverkauf, Merchandise etc in die Kassen der Industrie spült.
  • Was den Kauf von Musik angeht, sind wir uns einig. DRM bei gekaufter Musik ist ein K. O.-Kriterium.

    An welcher Stelle hinkt der Mietwohnungsvergleich denn? Im Leben mieten wir viele Dinge, das Mietmodell bietet oft Vorteile gegenüber dem Kauf.

    Sicher möchte ich auch Musik kaufen - ohne DRM natürlich - aber nicht alles, was ich mir mal anhöre, muss ich gleich besitzen. Ich finde es sehr gut, eine so große Auswahl an zum Anhören verfügbaren Stücken zu haben, dafür zahle ich gerne ein paar Euro. Die Sache mit dem Kauf ist eine ganz andere Geschichte - es geht ja nicht darum, Musik nur noch mieten zu können.

    Der Musiker als Marke ist ein interessanter Ansatz. Für wie viele Musiker kann das jedoch funktionieren? Der Trend geht zum Glück ja dahin, nicht nur die Top 40 zu hören, sondern auch andere Musik auszuprobieren. Nicht jeder Musiker wird zur Marke werden können.

    Konzerte kommen erst einmal nur für noch lebende Musiker in Frage. Und von denen, die noch leben, können auch nicht alle auf Tour um die ganze Welt gehen. Sicher ist das eine wichtige, sinnvolle Ergänzung, gar keine Frage, auch wenn sich Fans über die zum Teil hohen Ticketpreise beschweren.

    Merchandising ist inzwischen auch für weniger bekannte Künstler möglich, doch wie viel sie damit verdienen, ist eine andere Frage. Außerdem ist Merchandising nur in wenigen Zielgruppen attraktiv, denke ich.

    Ob das Album als Kunstform eine Zukunft hat oder ob es durch andere Formen ersetzt wird, ist eine Frage, die ich als offen betrachte. Für die Frage, ob man Musik - zusätzlich zum Kauf - auch günstig mieten können sollte, dürfte das egal sein.

    Kostenlose Angebote: Worauf ich hinaus wollte, ist: Statt mit Geld wird mit anderen Dingen bezahlt. Seien es persönliche Daten und Informationen über Nutzungsgewohnheiten, sei es Aufmerksamkeit beim Anhören / Ansehen von Werbung etc. Kostenlos ist das nicht. Sowohl unter dem Aspekt ungetrübten Genusses als auch dem Schutz unserer Privatsphäre sind wir mit dem Kauf und dem Mieten von Musik besser dran, weil wir letztlich einen geringeren "Preis" zahlen.
  • Ich habe nicht bewusst irgendwelche Werbung auf beispielsweise last.fm ausgemacht, ehrlichgesagt. Aber es ist natürlich klar - das zeigt ja die auf uns abgestimmte Werbung - dass unsere Daten für die Betreiber der Seiten einen gewissen Nutzen haben.
    Vermutlich sind wir gar nicht so weit weg mit unseren jeweiligen Standpunkten. Am ehesten können wir uns vermutlich darauf verständigen, dass beide Formen der Downloads nebeneinander funktionieren: Der "richtige" Erwerb eines Tracks und das Mieten des selbigen. Es ist mir ja auch durchaus mehr wert, wenn ich den Song hinterher mein Eigentum nennen kann. Für alle "ich höre, was gerad so im Radio läuft"-Hörer funktioniert das Miet-Modell auch sicher. Aber für Musikliebhaber, Fans von gewissen Bands oder Musikrichtungen und Sammlern ist es ein schwacher Trost, temporär "seine" Musik zu besitzen.
  • @Casi: Ja, so weit sind wir da nicht auseinander.

    Ich bin keiner dieser "ich höre, was gerad so im Radio läuft"-Musikhörer, sondern gerade jemand, der sich mehr für Musik interessiert. Gerade deshalb finde ich es toll, mir jedes Album komplett anhören zu können, ohne es kaufen zu müssen. Und ich möchte mehr Musik hören, als ich mir kaufen kann.

    Die besten Alben möchte ich dauerhaft besitzen, da kommt DRM für mich nicht in Frage.

    Einen Aspekt möchte ich noch einbringen: So ein Mietmodell entlastet auch von dem Druck, gute Songs gleich kaufen zu "müssen". Ich kann die Songs ja jederzeit hören, so oft ich will. Und wenn ich möchte immer noch kaufen.
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