Es ist wie mit richtigen Wolken – sie sind irgendwie da, aber nicht wirklich greifbar. Genauso verhält es sich mit dem Cloud-Computing. Immer mehr und öfter wird darüber geredet/geschrieben, dass sich die Zukunft in der "Cloud" abspielen wird. Anwendungen werden nicht auf dem Rechner gestartet, sondern direkt im Netz und meine Daten liegen ebenfalls irgendwo in dieser Wolke statt auf meiner eigenen Festplatte.
Ich selbst habe schon des Öfteren darüber sinniert, wer der Überflieger sein wird, wenn es darum geht, ein webbasiertes Operating System auf dem Markt zu etablieren und wie es aussehen könnte. Dabei hab ich bislang sowohl Facebook als sehr fortschrittlich ausgerichtetes Social Network als auch das Internet-Schwergewicht Google auf dem Zettel gehabt. Microsoft spielte in diesen Überlegungen eine Rolle für die Internetnutzer, die Michael Jackson derzeit für die Musikfans spielt: Egal, ob man seine Musik mochte oder nicht – viel mehr als mitleidige oder verständnislose Blicke erntet er wohl derzeit nirgends. Ähnlich Microsoft: Einst das Imperium, welches sich weltumspannend auf der großen Masse der Computer durchsetzen konnte und heute ein Unternehmen, welches zwar immer noch das mit Abstand am meisten verkaufte Betriebssystem vertreibt, aber einsehen muss, dass man gleich an mehreren Fronten gewaltig Boden auf die Konkurrenz verliert. Surfen macht am meisten Sinn mit Firefox, gesucht wird via Google, Musik wird mobil auf iPods gehört und den e-mail-Markt teilen sich sowieso mehrere Anbieter. Geblieben ist Microsoft lediglich die Betriebssystem-Domäne. Linux ist sicher, apple ist stylish und Windows wird verkauft. Mag traurig sein für den ein oder anderen, aber das ist die gegenwärtige Situation.
Schaut man aber – um auf die Cloud zurückzukommen – auf die Gegenwart oder in die nahe Zukunft, dann sieht man, dass Windows auch auf "seinem" Markt immer mehr die Konkurrenz fürchten muss. Google Mail statt Outlook, Google Texte und Tabellen statt Microsoft-Office-Paket – Google scheint mit unzähligen eigenen Tools erster Anwärter auf den vakanten Web-OS-Thron zu sein, während Microsoft viel zu lange darauf fixiert war, den Dreh- und Angelpunkt des eigenen Kunden auf dem Desktop statt im Netz zu sehen.
Mittlerweile hat aber in Redmond das große Umdenken stattgefunden: Begriffe wie Live Mesh, Skydrive und Live Spaces lassen erkennen, dass man sich auf eine andere Strategie festgelegt hat, welche das Internet in den Mittelpunkt rückt.
Und damit nicht genug: Microsoft-CEO und Gelegenheits-Choleriker Steve Ballmer weilte jüngst in London anläßlich einer IT-Konferenz und verkündete dort, dass man vor "Windows 7" noch ein anderes,
ein webbasiertes OS anbieten will. Das vorläufig unter dem Namen "
Windows Cloud" angekündigte OS
soll bereits in einem Monat angeboten werden. Vermutet wird dazu, dass Microsoft eine der firmeneigenen Konferenzen nutzen werden, die Ende des Monats bzw Anfang November stattfinden. Ballmer hielt sich auch vornehm zurück mit weiteren Informationen, die Aufschluß geben könnten über dieses webbasierte Betriebssystem. Er hat lediglich verlauten lassen, dass es nicht darum geht, Desktop-Apps wie Office ins Netz zu bringen, sondern man möchte Browser-Applikationen auf ein neues, höheres Level hieven. Namentlich erwähnte Ballmer SharePoint, Exchange E-Mail Server und die Dynamics Customer Relationship Management Software.
Jetzt weiß man also, dass Microsoft sich sein Stück vom Internetkuchen nachhaltig sichern will, kann aber noch nicht erahnen, wie exakt das aussehen soll. Ballmer nannte auf dem gleichen Event auch noch Googles Chrome ebenfalls ein von Google geplantes Web-Operating-System, nur um im gleichen Satz klarzustellen, dass es jedoch nach wie vor lediglich auf Windows aufsetzt.
Liegt Stan Schroeder von
mashable wohl richtig, wenn er etwas verwundert feststellt, dass Microsoft noch nie vorher ein Programm gelauncht hat, kurz nachdem man das erste Mal davon gehört hat? Es ist einfach nicht die Microsoft-Firmenpolitik, so vorzugehen. Plötzlich soll alles anders sein? Schroeder geht daher davon aus, dass man in dem angekündigten Monat eher sowas wie eine frühe Alpha-Version zu Gesicht bekommen wird.
Ehrlichgesagt bin ich da auch mit ihm, kann mir aber nicht vorstellen, dass Microsoft sich so etwas erlauben darf. Also im eigenen Firmeninteresse sollte man sich in Redmond gegenseitig die Daumen drücken, dass Ballmer sich in London nicht etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt hat bei seiner Ankündigung.
Ich hoffe derweil, dass es ein durchdachtes Konzept und somit ein ernstzunehmendes Konkurrenzprodukt zu Google ist, weil es wenig sinnig wäre, wenn ein Quasi-Monopolist durch den nächsten abgelöst würde.
Vielleicht wird auch viel zu viel über einen möglichen Wettkampf diskutiert und die Protagonisten Google, Microsoft und auch Facebook verfolgen ganz unterschiedliche Ansätze für ihre Version des Web-OS. Ein wenig wird es noch dauern, bis man diesbezüglich Gewissheit hat, aber zumindest microsoft-technisch wissen wir in einem Monat mehr :)
Es ist wie mit richtigen Wolken - sie sind irgendwie da, aber nicht wirklich greifbar. Genauso verhält es sich mit dem Cloud-Computing. Immer mehr und öfter wird darüber geredet/geschrieben, dass sich die Zukunft in der "Cloud" abspielen wird. Anwendungen werden nicht auf dem Rechner gestartet, sondern direkt im Netz und meine Daten liegen ebenfalls ...