09 Okt, 2008
Facebook, MySpace und ein paar Zahlen…
Posted by: Casi In: Social Networks| Start up| e-commerce| zweipunktnull
Die blanke Zahlenauflisterei ist mir meistens zu mühselig - sowohl beim Bloggen als auch wenn ich selbst irgendwo mitlese. Ich such mir lieber meine Zahlen selbst aus den dementsprechenden Quellen. Darum handel ich das hier auch nur kurz ab und zwar mit einem Link, einer Grafik und der Frage, ob Facebook jemals am Thron der beiden schlichten Vertreter ihrer Zunft sägen kann. Der versprochene Link führt zu Robert Basic, Ehrenvorsitzender der Agenda Volksnetz
Viermal im Jahr liefert die IVW die neuesten Online-Zahlen und viermal im Jahr stürzt sich Robert auf selbige und bröselt sie für uns auf. Akribisch wie immer vergleicht er die jüngsten Ergebnisse und stellt dabei die "Volks"-Netzwerke "meinVZ" und "Wer kennt wen" in den Fokus.

Gruselig, dass selbst die Lokalisten auf mehr Page Impressions kommen als z.B. MySpace. Apropos MySpace: TechCrunch resümiert, dass iTunes 3 Jahre gebraucht hat um 1 Milliarde Songs zu verhökern, während MySpace nach eigenen Angaben nach wenigen Tagen auf dem neuen Portal MySpace Music bereits über eine Milliarde Lieder gestreamt haben will. Eine Milliarde Songs ist so oder so eine ordentliche Hausnummer, aber mal im Ernst: Gab es da nicht mal diese Geschichte mit den Äpfel und Birnen? Was kann so eine Zahl aussagen? Vielleicht kann man die gewonnenen Werbepartner milde stimmen oder ein nettes Pressetextchen verfassen, aber einen wirklichen Erfolg kann man damit meines Erachtens noch nicht feiern.
Handfester ist hingegen bereits der MySpace-Deal mit Hewlett-Packard: Beide konnten sich auf eine strategische Zusammenarbeit verständigen, die es den MySpace-Nutzern zukünftig ermöglichen wird, noch einfacher die Fotos der MySpace-Profilseiten, -Foto-Alben und -Blogbeiträge auszudrucken, offline zu betrachten und mit anderen Usern zu teilen.
So setzt sich das MySpace-Mosaik Stein um Stein zusammen. Denn schließlich hat man beim Launch von MySpace Music bereits verkündet, dass zukünftig Merchandise und auch der Konzertticketverkauf Teil des Angebotes sein wird und genauso will man mit HP auch beim Foto-Content Umsätze mit Merchandise generieren. Das wird dann so aussehen, dass man sich aus dem nahezu unerschöpflichen Vorrat an auf MySpace hochgeladenen Bildern - derzeit über 4 Milliarden Fotos - seine eigenen Tassen, T-Shirts etc erstellen lassen kann. Ob das das Killer-Feature ist, auf das alle gewartet haben, lass ich mal offen
Wenn ich gerade den Vergleich zu einem Mosaik bemüht habe, muß man vielleicht noch ein weiteres Steinchen ergänzen: MySpace-Besitzer Rupert Murdoch hat nämlich nun auch noch die "restlichen" 49 Prozent an Klingelton-Anbieter Jamba von VeriSign erworben für schlanke 200 Millionen Steinchen. Klingeltöne sollen bei MySpace Music ja bekannterweise auch eine gewichtige Rolle spielen.
Während MySpace also durchaus gewillt ist, neue Wege zu gehen bzw angekündigte Schritte zu vollziehen, ist natürlich auch Facebook nicht untätig. Man beschränkt sich nicht darauf, die eigene Lichtgestalt (gefangen im Körper eines Studenten) auf Welt-Tournee zu schicken. Mark Zuckerberg, der gestern in München gastierte, wird nicht müde zu betonen, dass die oberste Priorität nicht mit Monetarisierung, sondern eher bzw ausschliesslich mit Wachstum zu tun hat. Wachsen um jeden Preis - naja, um fast jeden, denn zum Prozeß mit StudiVZ befragt, macht der Milliardärs-Newbie keinen Hehl daraus, dass es ihm lieber gewesen wäre, sich friedlich mit dem deutschen Studenten-Netzwerk zu einigen. Im FAZ-Interview mit Holger Schmidt äussert Zuckerberg wiederholt, dass er die deutsche Social Network-Krone anstrebt, wenngleich es noch ein, zwei Jährchen dauern könnte, wie er selbst einräumt.
Unterdessen hat man mit amiando den ersten europäischen Facebook Connect-Partner vorgestellt. Sowohl über Facebook-Connect als auch die Partnerschaft zur Event-Plattform amiando hatte ich bereits hier geschrieben. Nach einigen Monaten der Entwicklung konnten die amiano-Macher nun in München das großartige Ergebnis vorstellen und man kann wieder mal erkennen, dass die Portabilität von Daten ein ganz großes Thema wird. Kaufe ich via amiando ein Ticket, kann ich das mit einem einzigen Mausklick in mein ganzes Facebook-Universum herausposaunen und somit Werbung für "mein" event machen. Ich bin sicher, dass hier eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit entsteht.
Ach übrigens - wer sich immer schon gefragt hat, wieso Microsoft einen dreistelligen Millionenbetrag für einen Facebook-Anteil von unter 2 Prozent ausgibt, findet hier vielleicht Antwort. Neben der internen Facebook-Suche kann der Facebook-Nutzer nun nämlich auch via Microsofts Live Search das Netz durchsuchen - allerdings vorerst nur in den Vereinigten Staaten.



