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23 Okt, 2008

lala.com - Auf der Suche nach dem heiligen Musik-Gral

Posted by: Casi In: Cloud-Computing| e-commerce| zweipunktnull

Eigentlich gibt es ihn gar nicht, den einen heiligen Internet-Gral. Mir fallen nämlich spontan mehrere Dinge ein, die die Internetgemeinde aktuell und sicher auch in naher Zukunft noch ausgiebigst beschäftigen werden:

  • Cloud Computing
  • Monetarisierung von Social Networks
  • Ein - für beide Seiten - faires und akzeptables Geschäftsmodell für den Online-Vertrieb von Musik

Wer für einen dieser drei Bereiche in nächster Zeit mit der vielzitierten Killer-Applikation bzw dem Geschäftsmodell aufwarten kann, wird in 10 Jahren in einem Atemzug mit Microsoft, Apple, Google und Yahoo genannt werden. Da spätestens in 8 Jahren niemand mehr darüber nachdenken wird, was ich hier heute so kühn behaupte, kann ich solche Thesen ruhig raushauen oder nicht? ;)

Wenn sich ein Social Network mit einem überragenden Konzept für das Streamen und Verkaufen von Musik selbst finanzieren könnte (und natürlich zudem Gewinn erwirtschaftet) und darüber hinaus die vom User gewünschten Daten online ablegt, kommt man dieser eierlegenden Wollmilchsau doch schon recht nahe. Aber der Reihe nach:

Wie iLike ist auch lala.com in den letzten Tagen verstärkt in den großen Techblogs thematisiert worden. Grund dafür ist eine Neuausrichtung des eigenen Geschäftsmodells.

Der lala.com-User kann nach dem Anmelden zunächst mal seine eigene Musiksammlung erfassen lassen. Man muss die Musik also nicht erst lange selbst hochladen, sondern kann auf die Dateien direkt bei lala.com zugreifen - sehr schön! Damit haben wir also schon mal in kürzester Zeit dafür gesorgt, dass unsere stationäre Musiksammlung den Weg in die Cloud geschafft hat und wir überall, wo wir Internetanschluß haben, auf unsere Musiksammlung zugreifen können!! Richtig, richtig geil!

Weiter geht es dann mit der Möglichkeit, Musik zu erwerben. Zwei Alternativen stehen uns da zur Verfügung: Entweder erwerbe ich einen Web-Song, der mich 10 Cent kostet, oder ich kaufe den Song "richtig" und zahle dafür 89 Cent. Richtig bedeutet in diesem Fall, dass ich den Song als mp3 und natürlich drm-frei kaufe. Interessanter ist allerdings die andere Möglichkeit: Zahle ich nämlich 10 Cent für den sogenannten Web-Song, habe ich ihn auch ausschliesslich online via lala.com verfügbar. Dafür allerdings kann ich ihn so oft hören, wie ich möchte. Davon abgesehen kann ich eh jeden Song einmalig kostenlos "test"hören, um nicht die Katze im Sack zu kaufen. Zahle ich diese 10 Cent für ein Lied meiner Wahl und entscheide mich später, ihn auch offline besitzen zu wollen, vergünstigt sich der Kaufpreis auf 79 Cent. Zum "Anfixen" sind die ersten 50 Websongs gratis. Auf diesen Weg erreicht man meines Erachtens nicht nur die Musik-"Freaks", sondern auch den Gelegenheits-Hörer, der sich sonst eher vom Radio berieseln lässt und tendentiell sicher eher 10 Cent für einen Song in der Cloud zahlt als 1 Euro für einen Download!

Ich weiss nicht, wie Euch dieses Modell vorkommt, für mich jedenfalls klingt es konsequent aus Sicht des Nutzers gedacht. Bei lala.com sind natürlich auch alle vier großen Labels Warner, EMI, Sony und Universal versammelt und zudem 175000 unabhängige Künstler. Man hört die Musik über einen in die Website integrierten, an iTunes angelehnten Media Player, der unabhängig weiterspielt, egal auf welcher lala.com-Seite Ihr Euch gerade befindet. So kann man während des Musikhörens nach Musik suchen, andere Playlists oder andere Userprofile besuchen.

Der Hammer ist, dass die Musikindustrie erstmals stillschweigend hinnimmt, dass der Nutzer eventuell auch illegal erworbene Songs mit in die Cloud bringt. TechCrunch zitiert dazu lala-CEO Geoff Ralston:

And best of all: Lala will give you free, unlimited streaming access to every song in your library, even the ones you’ve acquired in ways that weren’t quite legal. Ralston says that the record labels resisted this at first (”why should we give them access to something they stole”), but eventually came to the conclusion that users weren’t going to buy something they’d already downloaded.

Tüpfelchen auf dem i ist die Tatsache, dass dieses Angebot für uns Nutzer werbefrei bleibt - man hofft eben, sich durch das attraktive Websong/Download-Modell finanzieren zu können.

Ich persönlich kann mir das auch durchaus vorstellen! Die Hemmschwelle, auf einen Anbieter zu vertrauen, der meine Musik komplett online lagert - und somit nicht gefeit ist gegen Serverausfälle oder ähnliches - wird durch den 10-Cent-Preis merklich gedrückt - und alternativ kann ich den Song ja nach wie vor herkömmlich auf die heimische Festplatte laden für einen angemessenen Preis.

Wenn ich nun diese Idee weiterspinne und in meiner Vision der nahen Zukunft davon ausgehe, dass es flächendeckend sowohl günstige Handy-Onlinetarife als auch internetfähige Mobiltelefone geben wird und ich zudem die von Facebook anvisierte Zusammenarbeit mit lala.com berücksichtige, erhalte ich ein Resultat, mit welchem ich mehr als gut leben kann.

Der Suche nach dem heiligen Musik-Gral wären wir jedenfalls dann einen gehörigen Schritt näher gekommen :) lala.com ist zwar mit diesem Service erst US-weit am Start, laut eigener Aussage wird aber fieberhaft an weiteren Länder-Versionen gearbeitet.

 Heiliger Gral

(Originalbild von The bright and morning star und unter Einhaltung der creative commons-Richtlinien bearbeitet)

 

 

 

 

 


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