Heute will ich mal nichts Zweinulliges vorstellen, nicht über ein schwarzes Schaf im Internet schimpfen oder das StudiVZ dissen! Heute will ich lieber in eigener Sache ein paar Sätze schreiben und hoffe, dass das für Euch okay ist.
Ich bin schon eine ziemliche Weile im Netz unterwegs – ich glaub, seit 1995 oder 1996. Für mich war es immer schon toll, sowohl auf diese Fülle von Informationen zuzugreifen, als auch mit wildfremden Menschen überall auf der Welt in Kontakt zu treten – daran hat sich in all den Jahren nichts geändert, glaub ich. Ich hab auch immer versucht, selbst irgendwie präsent zu sein im Netz. Anfangs über unsäglich schlechte fortunecity-Accounts ;) Später hab ich dann auch sowas wie einen Vorläufer der heutigen Blogs genutzt – eine Tagebuch-Community, in der ich mehr oder weniger über meinen Alltag geschrieben hab – was sicher nicht immer abendfüllend und spannend war ;) Sowohl fortunecity- als auch der Tagebuch-Account haben das aktuelle Jahrtausend jedenfalls nicht erreicht. Ehrlichgesagt hab ich aber auch nicht viel vermisst – ich hatte eine andere Homepage irgendwann, hab eine kleine Community mitaufgebaut für Depeche Mode-Fans in meiner Region, aber darüber hinaus hab ich im Netz eher mitgelesen als mitgemacht.
Wieso ich jetzt auf diese Entwicklung zurückblicke, an deren Ende dieses und auch mein privateres Blog stehen, hat natürlich einen triftigen Grund, der mich irgendwie gerade nicht klar denken läßt.
Genau heute morgen vor einem Jahr ist meine Mama – nach langer, schwer Krankheit und dennoch unerwartet – verstorben und hat meine Familie und mich in einen Zustand versetzt, der mich komplett von den Beinen gerissen hat und den ich meinem schlimmsten Feind nicht wünschen würde. Noch heute denk ich logischerweise jeden Tag an sie und speziell auch an ihre letzten Tage zurück und noch heute kann ich es nicht wirklich begreifen.
Es geht mir hier jetzt nicht darum, auf die Tränendrüse zu drücken oder Dinge zu kommunizieren, die man vielleicht nicht in diesem Rahmen ansprechen sollte. Es geht mir eher darum, dass von diesem Ereignis ausgehend eine furchtbare Zeit für mich begonnen hat. Eine Zeit, in der ich weder körperlich noch seelisch in der Lage war, meinem Beruf nachzugehen. Eine Zeit, in der ich meine Ärzte öfter gesehen hab, als meine engsten Freunde, für die ich in dieser Zeit alles andere als einfach war. Ich will da auch nicht weiter ins Detail gehen, sondern nur erklären, wieso ich von einem Tag auf den anderen von morgens bis abends Zeit hatte, wenngleich ich diese Zeit anfangs zu nichts anderem nutzen konnte als abwechselnd in meinem Bett oder auf der Couch zu liegen und all die Dinge Revue passieren zu lassen.
Entweder dachte man an die furchtbaren letzten Tage im Krankenhaus, hinterfragte sich, ob man die richtigen Dinge gesagt und gemacht hatte, oder aber man hatte plötzlich Bilder und Erinnerungen im Kopf, mit denen man sich zum Teil jahrzehntelang nicht mehr befasst hatte. Es waren auf einmal Dinge präsent, die ich mit 4 oder 5 Jahren erlebt hatte und über die ich auch seitdem nie mehr nachgedacht hatte. Ich verbrachte ganze Tage damit, mich im Kopf mit diesen Dingen auseinanderzusetzen und nur manchmal, zum einkaufen oder aufräumen, konnte ich mich zu irgendwas anderem aufraffen.
Zu dieser Zeit hab ich natürlich auch kaum Zeit im Internet verbracht – weder hatte ich großartig was zu erzählen, noch wollte ich selbst irgendwelche Geschichten hören. Man wird sehr unfair in einer solchen Situation, glaub ich. Man will nichts hören von den Problemen der anderen Leuten, weil man ja zu wissen glaubt, dass es sowieso niemandem schlimmer geht als einem selbst gerade. Beim Einkaufen ertappt man sich sogar dabei, dass man sich fragt, wieso der nörgelnde, vordrängelnde Rentner an der Supermarktkasse noch leben darf und die eigene, 58jährige Mutter nicht. Keine schönen Gedanken und sicher auch keine, auf die ich stolz bin.
Insgesamt hab ich über drei Monate krankgefeiert. Den ersten Monat davon hab ich allein gebraucht um zu begreifen, dass man nicht zwingend eine Vollmeise haben muss, nur weil man sich plötzlich im Wartezimmer eines Psychologen wiederfindet. Da mir von allen Seiten – Freundin, Familie, Freunde, Ärzte – immer wieder gesagt wurde, dass ich mich ablenken und mit irgendwelchen Dingen beschäftigen soll, die mir Spaß machen, hab ich wieder mehr Zeit im Internet verbracht. Konzerte und Parties waren für mich definitiv noch nicht die richtige Zeitbeschäftigung, so war dann mein heimischer Rechner der Ort, an dem ich mich noch am ehesten von all den unschönen Dingen ablenken konnte.
Ich habe viel gelesen in dieser Zeit und vermutlich dadurch reifte in mir der Entschluß, dass ich auch selber wieder aktiver ins Geschehen eingreifen möchte. Darum hab ich mir Anfang Dezember diese Domain gesichert und 3 Tage später stand hier dann auch mein allererster Eintrag.
Damit komme ich jetzt langsam zum Ende und auch dazu, mich bei allen zu bedanken, die mich durch ihre Beiträge in einer furchtbaren Zeit auf andere Gedanken gebracht haben. Es waren nicht zuletzt Leute wie Robert Basic vom Basic Thinking Blog oder Martin Weigert – heute netzwertig.com – die mich veranlasst haben, selbst ein Blog zu führen. Mittlerweile haben weit über 100 Menschen dieses Blog hier abonniert. Das ist mit großen Blogs verglichen natürlich lächerlich wenig, aber es ist sehr viel mehr als ich mir vor etwas mehr als 10 Monaten selbst zugetraut hätte.
Deswegen geht mein Dank auch oder besonders an die Menschen, die meinen Blog abonniert haben, die hier tagtäglich mitlesen und kommentieren, an die unzähligen anderen Blogger, die ich durch Twitter und auch Plurk kennengelernt hab und auch an so manchen Kontakt zu den Startups, über die ich hier oftmals berichte.
Schon neulich hab ich darüber geschrieben, dass ich mich darüber freue, auf Robert Basics Seite auf der "Tageskarte" aufzutauchen oder in seinen Artikeln verlinkt zu werden. Gleiches gilt für netzwertig.com natürlich auch oder für die Jungs von t3n, die zweipunktnull.org diese Woche als Blog der Woche präsentiert haben. Das sind alles Dinge, die jedes Mal den ein oder anderen neuen Leser auf diese Seite spülen, aber das wirklich Wichtige dabei ist für mich, dass man in der Blogosphäre wahrgenommen wird und Anerkennung erfährt für das, was man hier tut.
Neben meiner unendlich tollen Freundin, meiner Familie und Verwandtschaft und meinen Freunden ist es genau diese Unterstützung hier, die mir über die schwersten Tage hinweggeholfen hat und jetzt hoffe ich, dass Ihr mir und meinem Blog auch in Zukunft treu bleibt und mir diesen heutigen Seelen-Striptease nicht zu übel nehmt.
Vielen Dank, Leute!!




