Redet man über Studenten im Internet, kommt die Sprache zwangsläufig auf StudiVZ. Dabei gibt es mit Studymee, studi.net, Studylounge und Co nun wirklich viele Anlaufstellen im Netz für die Eliten von Morgen.
Alles Social Networks, alle mit dem identischen Klientel – und bestenfalls marginale Unterschiede im Funktionsumfang. Während ich mich frage, wieso man überhaupt heute noch ein Social Network startet, welches wie z.B. Wer-kennt-wen weder über besondere Features noch über besonderes Design verfügt, gibt es immer noch Menschen in der Startup-Szene, die glauben, ein Studenten-Portal launchen zu können. Auf zehn Menschen mit dieser Idee kommen ungefähr neun Personen, die entweder dem Größenwahn verfallen sind, einfach nur den rechten Zeitpunkt verpasst haben, schlechte Berater/Freunde haben oder am besten eine wenig berauschende Mischung aus allem. Der Zehnte jedoch hat eine besondere Idee. Vielleicht ein völlig neuartiges Feature, vielleicht ein Mashup aus mehreren Services oder vielleicht einfach eine Nische, die bei den ähnlich ausgerichteten Netzwerken der Konkurrenz in der Fülle der Funktionen oder der Masse der User einfach untergeht.
Uniturm.de möchte gern etwas anderes sein als der x-te StudiVZ-Facebook-Klon. Das möchten natürlich viele, deshalb hab ich mir angeschaut, ob es sich hier eher um heiße Luft handelt, oder ob vielleicht doch eine brauchbare Idee dahinter steckt. Mir fällt als Erstes das Logo auf, welches ein Leuchtturm-Symbol beinhaltet – nicht gerade das typischste Symbol, wenn man an Universitäten denkt ;) Dahinter steckt aber wohl der Gedanke, dass man sich an einem Uniturm genauso orientieren soll wie an einem Leuchtturm. Unitürme gibt es für jede Stadt, die eine Universität ihr eigen nennt.
Uniturm.de ist ein Social Network und das gesuchte Klientel studiert – damit hört es aber im Grunde auch schon auf mit den Gemeinsamkeiten mit dem großen Bruder. Das Leipziger Startup möchte nämlich nicht Eure Anlaufstelle werden, falls Euch die totale Gruschel-Lust überkommt, Ihr Partyfotos betrachten wollt, oder Ihr einfach gerne anderen Studentinnen helft, Ihr Taschengeld aufzubessern. ;) Stattdessen soll das Lernen in den Mittelpunkt gerückt werden.
Ziel dieses Projektes ist es, dass sich Studenten gegenseitig das Studium erleichtern. Geboren wurde diese Idee aus der Not, dass man nicht zusammen lernen konnte, wenn man sich gerade nicht im gleichen Raum mit den anderen befand. Deswegen haben sich die Gründer Alexander Reschke, Peter Biermann und Dirk Ehrlich an die Arbeit gemacht und haben jetzt dieses Netzwerk gestartet, auf dem die Studenten
- Mitschriften tauschen
- Lösungen vergleichen
- Skripte herunterladen
- Foren ihrer Fächer besuchen
- Organisationstipps bekommen
können. Der Schwerpunkt liegt also ganz eindeutig auf der Möglichkeit, lernrelevante Daten auszutauschen. Über die fachspezifischen Foren kann man dann den Dialog suchen zu Kommilitonen, die sich vielleicht gerade mit den gleichen Problemen und Fragen rumschlagen. Ein ähnliches Prinzip verfolgt übrigens auch das Portal studyhelp – scheinbar mit eher mäßigem Erfolg.
Uniturm.de glaubt, dass man mit diesem Konzept sehr viele Studenten erreichen kann. Grundsätzlich möchte ich dem auch zustimmen, gibt es schließlich einen riesengroßen Pool an intelligenten, netzwerkwilligen und -erprobten Menschen. Ich glaube auch, dass man gar nicht plant, in Konkurrenz zum VZ treten zu wollen, weil hier ganz klar das Studium im Mittelpunkt steht. Derzeit ist man bundesweit unterwegs, um für die eigene Sache zu werben und wenn man bedenkt, dass man bereits beim Testlauf in der Heimatregion 6000 Mitglieder werben konnte, scheint es sicher kein aussichtsloses Unterfangen zu sein.
Zwar möchte ich mich den eigenen Prognosen der Leipziger nicht anschließen, die bereits für das nächste Semester den 100.000sten Nutzer begrüßen wollen, aber ich denke schon, dass Uniturm auch im Schatten des übermächtigen StudiVZ überleben kann.
Eine Frage stellt sich mir aber dennoch: Wenn diese Idee funktioniert und tatsächlich eine große Menge der deutschen Studenten den Bedarf sieht für eine Plattform, über die man lernen und lernrelevante Unterlagen austauschen kann: Wieso glaubt man, dass diese Idee nicht schlicht und ergreifend vom StudiVZ übernommen wird?
Ich spare mir jetzt mal alle dummen Sprüche über mangelnde Innovation und verspätete Features beim Holtzbrinck-Netzwerk, aber zumindest in der Theorie wäre es zumindest möglich, dass auch dort mal eine solche Applikation implementiert wird.
Facebook klammer ich da jetzt mal aus, weil die schon lange nicht mehr nur den Studenten im Fokus haben.
Außerdem würde mich mal interessieren, inwieweit gewährleistet ist, dass keine geschützten Daten über Uniturm.de verbreitet werden.
Von diesen beiden Fragen abgesehen – von der die erste eher spekulativ ist – kann ich mir aber durchaus vorstellen, dass Studenten den Mehrwert erkennen und deshalb auch in Kauf nehmen, sich bei einem weiteren Studenten-Netzwerk anzumelden.
Habe ich unter meinen Lesern Studenten, für die eine solche Plattform interessant ist? Wäre für mich als Nicht-Studierten interessant zu lesen, wie sich das Online-Lernen und Austauschen in der Praxis bewährt.




