03 Nov, 2008
Auditude, MTV und MySpace machen es vor - Geld verdienen mit Videos
Posted by: Casi In: Social Networks| e-commerce| zweipunktnull
Stell Dir mal vor, Du lädst urheberrechtlich geschützte Videos hoch und keinen störts. Klingt unrealistisch? Bald vielleicht nicht mehr, wenn sich das Modell durchsetzt, mit welchem MySpace, Auditude und MTV jetzt an den Start gehen. Auditude liefert die technischen Voraussetzungen, MTV den Content und MySpace die Plattform. Aber wie soll das Ganze funktionieren?
Eigentlich ist die Idee mehr als simpel, dank der Software von Auditude. Ähnlich dem Prinzip, mit dem YouTube seinen Content nach widerrechtlich hochgeladenen Videos durchforstet, um sie direkt zu sperren, geht man auch mit dem Auditude-System vor. Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass die Videos nicht gesperrt oder gelöscht werden. Stattdessen blendet Auditude ein, aus welcher Show der Ausschnitt stammt und bietet neben anderer, natürlich auf das Video ausgerichteter Werbung, einen Link zu einem Onlineshop, bei welchem man die komplette Sendung käuflich erwerben kann. Erinnert mich spontan ein ganz klein wenig an lala.com: Während dort in Kauf genommen wird, dass illegal erworbene Musik die Cloud erreicht, wird die TV- bzw Videoindustrie hier nun akzeptieren, dass ihr Content ins Netz gestellt wird. MySpace wird das nun testen und kann dazu auf Content von MTV Networks zählen, was Material von Comedy Central mit einschließt.
Angeblich kann Auditude bereits über 250 Millionen Videos der letzten vier Jahre erkennen, so daß man bei erfolgreichem Test mit MTV darauf hoffen kann, dass das Prinzip auch für weitere Sender interessant wird.
Die Frage ist natürlich, ob ich eine komplette Show kaufen möchte, nachdem ich mir ein Video auf MySpace angeschaut habe. Der Tokio Hotel-Fan, der sich den Auftritt seiner Helden bei "Wetten dass…" auf MySpace reinzieht, wird sicher meilenweit davon entfernt sein, sich gefühlte 6 Stunden Familienunterhaltung mit Thomas Gottschalk gegen Kohle auf seine Festplatte zu ziehen.
Aber davon abgesehen stimmt die Grundtendenz: Es wird nicht mehr versucht, jeden Internetnutzer und dessen Handeln zu kriminalisieren. Mittlerweile arbeitet man tatsächlich konstruktiv an Lösungen, die allen Seiten weiterhelfen können. So viele Köpfe kann man nämlich seitens der Wirtschaft gar nicht abschlagen, wie an anderer Stelle im Netz neue nachwachsen. Also fügt man sich in sein Schicksal - der Content erreicht das Netz so oder so - und versucht stattdessen, Geld mit diesem Material zu verdienen.
Wenn dieses Beispiel Schule macht, könnten tatsächlich alle profitieren: MTV verdient zusätzliches Geld ohne einen zusätzlichen Cent in die Hand nehmen zu müssen, MySpace muss sich keine Gedanken um seinen Content und dessen Verweildauer auf der Plattform machen und wir Nutzer sind in der glücklichen Lage, kostenlos auf das Video zuzugreifen und zusätzlichen Mehrwert käuflich erwerben zu können. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein - bleibt abzuwarten, ob dieses Modell sich in der Praxis auch bewähren kann.
Mehr dazu findet Ihr auf TechCrunch, mashable und RWW.



