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15 Nov, 2008

Obama, Mr.President 2.0

Posted by: Casi In: World wide web

 Wollte man alles nachlesen, was man online finden kann über die beispiellose Weise, in welcher sich Barack Obama in seinem Wahlkampf im Internet präsentiert hat, man hätte eine Weile zu tun. Zu groß ist der Respekt – auch der Blogosphäre – vor der Art und Weise, in welcher der kommende Präsident der Vereinigten Staaten sich der viralen Effekte im Netz bedient hat.

Auch ich habe in meinem Artikel "Well done, Mr.President" bereits über die Vorgehensweise geschrieben. Hier nochmal angeführt seien die Beispiele des Obama-Social Networks und seines Twitter-Accounts. Der Wahlkampf ist jetzt Geschichte. Zeit, um zu überprüfen, ob Obama wirklich nur das Internet als die ultimative Wahlkampfmaschinerei eingesetzt hat, oder ob er auch weiterhin am Puls der Zeit bleiben wird. Es dauert noch eine Weile, bis er es sich im weißen Haus bequem macht, aber dennoch kann man jetzt bereits sehen, dass er die eingeschlagene Richtung diesbezüglich beibehält.

Mit dem Launch von change.gov konnte man bereits erkennen, dass das Internet nicht nur auf dem Weg an die Macht eine wichtige Rolle gespielt hat. Es ist untrennbar mit seiner Philosophie von Politik verknüpft, weil er erkannt hat, dass er die Leute da abholen muss, wo sie sich nun mal aufhalten. Da ist er im Internet eher an der richtigen Adresse, als wenn er sich der herkömmlichen Medien bedient – vom Effekt, dass die Kommunikation im Netz in beide Richtungen funktioniert, mal ganz abgesehen. So ist es Teil der Strategie, seinen eingeschlagenen Kurs immer und immer wieder abzufragen bei der Bevölkerung und ganz gezielt Feedback einzufordern. 

Wichtig finde ich dabei, dass er den Menschen nicht nur einfach die Möglichkeit gibt, Kontakt zu ihm aufzunehmen und auf die Dinge zu reagieren, die er anstößt, sondern dass er ihnen klarmacht, dass es nur so funktionieren kann, wenn sie sich gemeinsam mit ihm an die Arbeit machen, um ein neues, besseres Amerika zu schaffen. Er nimmt das amerikanische Volk also ebenso in die Pflicht, wie er von der Bevölkerung in die Pflicht genommen werden will.

Teil dieser Vorgehensweise ist selbstverständlich auch YouTube. Seit Anfang September hat er natürlich auch dort einen eigenen Channel, der es mittlerweile auf weit über 100000 Abonnenten bringt und welches man bereits mit fast 2000 (!) Videos gefüttert hat. Dort kann man also unzählige Reden, Stories und Berichte betrachten und natürlich auch kommentieren. Selbst News wie sein erster Besuch im weißen Haus sind zu sehen:

Angesichts dieser Entwicklungen verwundert es auch nicht, dass Barack Obama auch die traditionellen Fireside chats statt im Radio auf YouTube präsentieren wird.

Der fireside chat – also sowas wie ein Kamingespräch – wurde seinerzeit von Obama-Vorgänger Roosevelt initiiert in Zeiten der großen amerikanischen Depression. Roosevelt stellte sich darin dem Gespräch mit Journalisten und der ganze Spaß wurde amerikaweit live im Radio ausgestrahlt. Barack wird nun der erste Präsident sein, der auf das Internet bzw das Videoformat anstelle des Radio-Interviews setzen wird. Interessant ist dabei die Tatsache, dass Obama das Medium "TV" dabei einfach überspringt und direkt den Weg ins Netz sucht. Verfolgen kann man diese fireside chats dann demnächst über einen weiteren YouTube-Kanal: ChangeDotGov

Barack Obama, der Medienberichten zufolge bereits u.a. mit Hillary Clinton ihren möglichen Posten als Außenministerin besprochen hat, geht aber noch einen Schritt weiter: Angesichts tausender neuer Mitarbeiter, die er nun einzustellen hat, ist es schon seit Langem Gewohnheit und auch sicher sinnvoll, dass die Kandidaten für diese Jobs einen Fragenkatalog abarbeiten müssen. Es geht natürlich darum, die möglichen neuen Mitarbeiter bzw ihr Tun zu überprüfen und gefährliche Lücken in der Außendarstellung schon im Vorfeld zu eliminieren. Auch hier ist Barack Obama auf der Höhe der Zeit und wird erstmals auch die Internetgewohnheiten der Bewerber unter die Lupe nehmen lassen. Abgefragt werden Blogbeiträge genauso wie die verschiedenen Nicknames und Identitäten der neuen Regierungsmitarbeiter. Auch das halte ich für konsequent und angebracht.

Ich bin weit davon weg, ihm eine Rolle als Heiland oder ähnliches anzudichten und gerade aus deutscher Sicht darf man hinterfragen, ob sich überhaupt so viel für uns ändern wird im Vergleich zu seinem Vorgänger. Aber es bleibt festzuhalten, dass er schon lange vor seinem Einzug ins weiße Haus alle Hebel in Bewegung setzt, um die bestmöglichen Arbeitsbedingungen zu schaffen. Wobei mit "bestmöglich" in diesem Fall aus seiner und auch aus der Sicht der Bevölkerung gemeint, angesichts der ungewohnten Transparenz seiner Arbeitsweise.

Es scheint, als wäre "Change" mehr als nur eine leere Worthülse. So bedeutet die von mir gewählte Überschrift – Mr.President 2.0 – auch nicht nur, dass wir einen internetaffinen, amerikanischen Präsidenten vor uns haben, sondern dass er mit seiner Vorgehensweise eine ganz neue Generation von Regierungschefs eingeläutet hat. 

 

 Update: Hier ist nun das erste YouTube-Video dieser Reihe. Bereits jetzt haben schon über eine halbe Million User auf das fast vier Minuten lange Video zugegriffen, in welchem er u.a. erklärt, dass er mit "grünen" Technologien bis zu 5 Millionen neue Jobs schaffen will. Klingt doch gut in europäischen Ohren, oder nicht?

 

 


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