19 Nov, 2008
Grönemeyer: Was muss muss – Pressekonferenz live im Internet
Posted by: Casi In: World wide web|e-commerce
Was sein muss, muss sein – hat sich in diesem Fall Herbert Grönemeyer überlegt und sich dazu entschlossen, die CD-Präsentation seines neuen Best-of-Albums live im Internet vorzustellen.
Seine Plattenfirma EMI und er präsentieren die neue Doppel-CD zusammen mit stern.de und Hobnox, über dessen Technik Herbert gleich auf unseren heimischen Monitoren erscheinen wird.
Der genaue Termin für die Präsentation ist heute, der 19.11.08 um 19.30 Uhr und den Livestream via Hobnox bekommt ihr hier zu sehen.
Wie Ihr wisst, mache ich ja keinen Hehl daraus, dass mir Musik allgemein – und Musik im Internet im speziellen – am Herzen liegt und deshalb freu ich mich über solche Aktionen. Die CD wird dadurch nicht besser oder schlechter, kein Lied wird dadurch schöner oder schlimmer, aber es wird dem Fan de fakto was geboten. Ich mag Herbert Grönemeyer und werde deshalb da reinschauen – allerdings hat eben auch mein technisches Interesse damit zu tun. Ich muss zugeben, mich seit der Twitterlesung nicht mehr mit Hobnox auseinandergesetzt zu haben und daher werde ich mir das gleich wirklich gespannt reinschauen. Alleine schon, weil es in einer ganz anderen Liga stattfindet als eben besagte Twitterlesung.
Wenn überall diskutiert wird, ob illegale Downloads die Musikindustrie kaputtmacht, oder ob sie es vielleicht doch einfach selber sind, die den eigenen Karren an die Wand setzen, werden – je nachdem, wo diskutiert wird – auch verschiedene Strategien und Lösungen angesprochen. Während manche schulterzuckend resignieren, gibt es anderenorts aber auch immer Menschen, die mit frischen Ideen aufwarten können – Visionäre eben. Das können Label-Chefs selbst sein, das können Musiker wie Radiohead sein und das können natürlich auch wir Verbraucher am Ende einer langen Kette sein, die auf ihrem gedachten Wahlzettel ihr Kreuzchen bei "Fail" machen und somit überzogene Preise, DRM-versklavte Musik und sonstigen Unsinn abstrafen können.
Ich will mich jetzt auch nicht wieder in langen (Ab)Sätzen verlieren, sondern Herbert Grönemeyer zu seiner Idee beglückwünschen. Eine solche Präsentation begeistert mich als Musikfan zumindest weitaus mehr, als wenn ich der morgigen Tagespresse entnehmen könnte, dass er dort sein Album vorgestellt hat. Genau da muss man nämlich meines Erachtens ansetzen: Es muss eine engere Kundenbindung her. Wenn man den Song bei last.fm oder roccatune gratis hören kann, das Video bei YouTube gratis sehen kann und gegebenenfalls das mp3 auch illegal in wenigen Sekunden auf seine Festplatte bannen kann, überlegt man sich vielleicht, ob man stattdessen eine CD für 15 Euro erstehen soll oder gar Downloads, die ich noch nicht mal dort anhören kann, wo ich möchte.
Nun ist Grönemeyer sicher nicht gerade der Inbegriff des hungerleidenden Musikers, der auf jede verkaufte Einheit angewiesen ist, aber dennoch macht es Sinn, dem Fan mehr zu bieten als lediglich ein Album mit einem lieblosen Booklet.
Vielleicht sollte man sich überlegen, ob man in Zeiten von wegbrechenden Umsätzen nicht noch viel öfter die Karte Internet in seiner multimedialen Vielfalt nutzt. Ich zahle zum Beispiel für meine Front-of-Stage-Innenraumkarte für die kommende Depeche Mode-Tournee über 80 Euro. Vermutlich bin ich da sogar noch gut bedient, wenn ich mir im Vergleich dazu Rolling Stones- oder Madonnafans anschaue. Das ist es mir wert, weil es eben für mich eine besondere Band ist. Aber was spricht denn dagegen, das Liveset in einem Studio aufzubauen – vielleicht auch in einer kleineren Halle – und die Band 10 Abende hintereinander im Internet auftreten zu lassen? Der Fan würde dafür natürlich nur einen Bruchteil dessen zahlen, was er für ein richtiges Live-Erlebnis zahlt, aber dafür könnten ungleich mehr Menschen teilhaben an der Live-Performance der Band. Klar kann es ein wirkliches Live-Konzert nicht ersetzen, aber es wäre eine schöne Sache für Menschen, denen die Karten zu teuer sind, die vielleicht aus körperlichen Gründen nicht in ein vollgepacktes Stadion möchten oder die dummerweise nicht da wohnen, wo die Band auf ihrer Tour aufkreuzt. Die Plattenfirma hat natürlich gleichzeitig viel weniger Kosten als wenn man 10 Konzerte an verschiedenen Orten spielen würde und entschieden weniger Streß.
Ist nur eine Spinnerei von mir, aber könnt Ihr Euch nicht auch vorstellen, dass so ein Hybrid – normale Tour plus Internetauftritte – eine Möglichkeit sein könnte, von der alle Seiten profitieren? So eine klassische Win-Win-Situation?
Vielleicht habe ich ja auch einen Logikfehler und so eine Idee kann gar nicht funktionieren. Dann wäre es schön, wenn Ihr mich in den Kommentaren drauf hinweist – Vielleicht lässt sich die Idee ja noch verfeineren ;)




