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23 Nov, 2008

Selbstmord live via Webcam

Posted by: Casi In: World wide web

Der Student Abraham Biggs bringt sich vor laufender Kamera um und die ganze Welt kann zuschauen.

In Florida hat Abraham Biggs bereits mehrfach angekündigt, dass er seinem Leben ein Ende setzen möchte. Vor allem in einer Body Building-Community wurde er für diese Pläne belächelt, weil es jeweils bei den Ankündigungen blieb.

Als er dann via justin.tv auf Sendung ging und vor laufender Kamera Opiate und Antidepressiva nahm, hielten es viele der Zuschauer für inszeniert. Nur so ist es vermutlich ansatzweise zu erklären, dass sich in den Kommentaren zum Stream Bemerkungen wie "LOL", "OMG" oder einfaches Gelächter fanden, als die verständigte Polizei die Tür zum Zimmer des Studenten aufbrach. Biggs war für die meisten ein sogenannter Troll, man nahm nicht ernst, was er schrieb. Dazu sagt einer der Foren-User:

Oh yea, if you do look at his post history, he was considered a troll , its like the boy who cried wolf, he posted so much bull **** that when he was actually serious, no one believed him? well its his fault, do not put any blame on bodybuilding.com


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Man kann in diesem Thread sogar noch nachlesen, wie er (Username CandyJunkie) verkündet, dass er die notwendigen Tabletten jetzt besitzt und logischerweise lassen die hämischen Kommentare nicht lange auf sich warten.

Man findet ebenfalls online seinen Abschiedsbrief, in dem er erzählt, dass er u.a. eine Enttäuschung für seine Eltern gewesen wäre.

Man kann sein Tun in jedem kleinen Schritt (Kommentare beachten) nachvollziehen. Angefangen von der Ankündigung über den Livestream (den es übrigens natürlich auch noch im Netz in Auszügen gibt), dessen Protokoll der Kommentare, bis hin zu seinem Abschiedsschreiben. Die Frage dabei ist für mich jetzt, wem wir den schwarzen Peter zuschieben können. Logischerweise ist zunächst mal der Selbstmörder selbst verantwortlich für sein Tun. Wie weit waren es aber vermeintliche Online-Freunde, die ihn dazu getrieben haben durch ihre spöttischen Kommentare? Hätte ein Moderator bei justin.tv dafür sorgen müssen, dass der Stream abgeschaltet wird? Hätte einer der Zuschauer viel früher die Polizei rufen müssen? Schwierig zu sagen, weil man seinen Fall wie gesagt für inszeniert hielt und viele der Beobachter bis zuletzt wohl nicht glaubten, was sie da sahen. Meines Erachtens hätte man aber von Sender-Seite aus dafür sorgen müssen, dass dieser Stream nicht weiter läuft. Egal, ob man es mit einem vermeintlichen Selbstmörder oder mit einem Wichtigtuer zu tun hat - ein Forum sollte beiden nicht geboten werden. Andererseits kann ich nicht beurteilen, in wie weit man die Streams bei justin.tv überwachen kann bzw wie viele Streams gleichzeitig ablaufen über diesen Dienst.

Die ganze Geschichte bringt mich deswegen zum Nachdenken, weil ich selbst in einem Forum angemeldet bin, in dem es einen solchen Charakter gibt. Diese Person erläutert in unregelmäßigen Abständen, dass das Leben keinen Sinn mehr macht. Dadurch, dass dann oft schon Stunden später wieder nichts mehr davon zu lesen ist und sich dieser Mensch wieder durchaus normal verhält, ist man natürlich geneigt, diese Ankündigungen nicht mehr ernst zu nehmen. Für die meisten User, die von den suizidalen Tendenzen dieses Users wissen, handelt es sich dabei lediglich um eine nach Aufmerksamkeit jappsende Person. Bleibt zu überlegen, ob ein solcher Mensch genau aus diesem Grund irgendwann den Freitod wählt, um es allen zu zeigen, dass sie keine Schwätzerin ist. Gefährlich ist dieses Verhalten allemal und wenn ich aus der Geschichte des Abraham Biggs für mich irgendwas gelernt habe, dann dass ich das nächste Mal besagter Person direkt die Polizei nach Hause schicke und ihr das auch vorher mitteile. 

Weitere Quellen:

 Update:

Mittlerweile hat sich auch der Vater des toten Studenten zu Wort gemeldet und ist logischerweise fassungslos und mehr als sauer auf die Menschen, die den Vorgang beobachtet haben, ohne Hilfe zu verständigen.

 

 

 

 

 

 


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