27 Nov, 2008
China-Erdbeben, Bombay-Terror und Obama: Twitter weiss es zuerst
Posted by: Casi In: Microblogs| World wide web
Michael Arrington wundert sich darüber, dass es immer noch Zweifler gibt, was die Informationsquelle Twitter angeht. Ich war noch sehr neu dabei, als mich via Twitter vor Monaten die Nachricht erreichte, dass jemand in China ein Beben bemerkt hat. Dieser "Jemand" twitterte diese Nachricht an ein paar Microblog-Freunde und von dort ging die Nachricht buchstäblich in Sekunden um die Welt. Da ich zufällig n-tv an hatte, glaubte ich zunächst nicht an den Wahrheitsgehalt der Nachricht – sonst wäre ja schließlich im Fernsehen etwas davon zu sehen gewesen. Es dauerte in der Tat noch einige Zeit, bis man die Meldung von einem schweren Erdbeben in China ins Programm nahm. Spätestens das sollte der Zeitpunkt gewesen sein, in dem auch der letzte Twitter-Nutzer verstanden hat, was für einen Informationsvorteil Twitter bieten kann. Aber noch heute lese ich täglich, dass man den Sinn von Twitter nicht verstanden hat, dass man denkt, es bringe einem nichts und dergleichen. Natürlich kann man nicht pauschal sagen, dass dieser Dienst für jeden Menschen gleich interessant ist. Aber für jeden politisch, wirtschaftlich oder kulturell interessierten Menschen ist es nahezu verwerflich, auf diese Informationsflut zu verzichten.
Gestern wiederholte sich das gleiche Spiel bei den entsetzlichen Terroranschlägen in Bombay, die weit über 100 Todesopfer gefordert haben. Und wieder waren es wir Twitter-Benutzer, die als erstes im Bilde waren, was dort los ist. Logischerweise müssen wir diesen Strom an Information selbst filtern, aber auch das macht ja Twitter aus: Ich entscheide, ob ich mit kurzen Statements privat kommuniziere, ob ich mit wichtigen Menschen in Kontakt bleibe/komme oder ob ich gezielt informiert werden möchte. Wenn ich mir meinen persönlichen Freundeskreis bei Twitter anschaue und meine persönlichen Twitter-Gewohnheiten, dann ist es bei mir ein Mix aus allen Elementen. Es hängt an jedem User, wie er diesen Strom bewältigt bzw welchen Quellen er dabei folgen möchte.
Gerne und oft wird auf die oben angesprochene Geschwindigkeit verwiesen, mit welcher die Nachrichten um die Welt gehen. Dabei wird vielleicht ein wenig unterschätzt, dass die Schnelligkeit nur eine von mehreren Komponenten ist, die uns diesen Informationsvorteil verschafft. Mir fallen da spontan
- die Schnelligkeit der verbreiteten Information,
- die Qualität der verfügbaren Daten und
- die unendliche Fülle der Informationsquellen
- die einfache Handhabung beim Verbreiten der Information
ein, die es der herkömmlichen Berichterstattung unmöglich machen, mit einem Dienst wie Twitter mitzuhalten.
Es ist nicht nur, dass wir die Information schneller erhalten als im TV. Selbst der kleinste Katzencontent-Blogger hat meistens ein paar Kontakte bei Twitter, die gleichermaßen gut informiert als auch zuverlässig sind.
Nehmen wir das Beispiel des US-Techbloggers Robert Scoble: Ihm folgen bei Twitter unglaubliche 40000 Menschen derzeit! Eine solche Person steht im Zentrum einer gewaltigen Informationsflut und wie ein Verstärker machen solche Kontakte diesen Noise auch für mich und jeden anderen hörbar. Rechnet Euch selbst aus, wie dicht ein solches Netzwerk aus 40000 Menschen weltweit sein kann, wenn jeder dieser Menschen vielleicht lediglich 50 weitere Kontakte hat. Angenommen, es gäbe unter diesen Kontakten lediglich 1000 deutsche Twitterer, dann kann man vielleicht erahnen, dass es eine recht hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass einer dieser Twitterer in der Nähe ist, wenn irgendwo in Deutschland etwas Entscheidendes passiert.
Man darf dabei ja auch nicht vergessen, dass man bei Twitter-Usern sicher nicht einen repräsentativen Querschnitt durch die Bevölkerung geboten bekommt. Es finden sich in großer Zahl Medienmenschen, Journalisten, wissenschaftliche Institutionen und nicht zuletzt auch eine Vielzahl an Bloggern unter denen, die täglich twittern. Damit möchte ich sagen, dass der Informationsgehalt als auch die Aufnahmebereitschaft, was neue Informationen angeht, sich auf einem höheren Level befindet, als würde man wahllos Menschen beispielsweise aus der Fußgängerzone rauspicken.
Dieses geballte Medieninteresse sorgt nun dafür, dass ich nicht nur schnellstens mit der nackten Nachricht versorgt werde, sondern – und auch da hängt man das TV ab - liefert mir genauso schnell wichtige Anschlußinformationen. Wenn irgendwo im Netz neue Fakten auftauchen, werden auch die in Sekunden um die Welt geschickt. Während die Nachrichtensendung mit überschaubaren Ressourcen wie Manpower, Sendezeit und verfügbaren Quellen hantieren muss, werden via Twitter sämtliche Nachrichtenströme aggregiert, gefiltert, kommentiert und verfeinert. Dazu darf man nicht unterschätzen, dass man sein Wort mit mittlerweile einfachsten Mitteln verbreiten kann. Wieder das Beispiel Bombay belegt das, wenn man sieht, dass ein Handy genügt, um als Geisel Information nach draußen zu tragen.
Wenn mir jemand, der Twitter als Chat-Tool verwendet, heute sagt, dass er mit diesem Dienst nichts anfangen kann, dann kann ich das natürlich nachvollziehen, aber ob als Blogger, Unternehmer oder sonstwie wissenshungriger Mensch sollte man sich darüber im klaren sein, was für eine mächtige Waffe man uns mit Twitter in die Hand gibt.




