So schreibt es der Chef-Ökonom Holger Schmidt heute und stützt sich dabei auf eine Studie des europäischen Online-Werbeverbandes EIAA, bei welcher 1000 deutsche Bundesbürger befragt wurden. Ich möchte die Zahlen und Erkenntnisse der Tabellen jetzt nicht nochmal genauso durchkauen, weil es meiner Ansicht nach mehr Sinn macht, wenn Ihr diese Fakten direkt dem Beitrag "Das Internet löst das Fernsehen als Leitmedium ab" entnehmt.
Im Wesentlichen decken sich die Zahlen mit dem, was man erwarten konnte/durfte. Demnach verbringen nach den Jugendlichen nun auch die 25-34Jährigen lieber ihre Zeit im Netz statt vor der Glotze.
Dem TV gehen nach und nach die Argumente aus, wieso man sich zu einer bestimmten Zeit vor den Fernseher setzen sollte, um ein bestimmtes, manchmal gekürztes, von Werbung unterbrochenes Programm zu betrachten. Es gibt ihn natürlich immer noch – den hochwertigen Fernseh-Content. Dokus, Formate wie Monitor, Event-Kino wie jüngst mit Mogadischu und auch exklusive Sport-Events locken immer noch unzählige Zuschauer vor die Bildschirme. Wenngleich ich zugeben muß, mich vom Format "Bauer sucht Frau" köstlich unterhalten zu fühlen, ist es in der Summe mehr als bedrohlich, mit welchem Themenbrei man ein tendentiell eher einfach strukturiertes Publikum vor die Geräte lockt.
Dem steht ein Medium gegenüber, welches Vieles aus dem herkömmlichen Fernsehen aufbereitet und seinen Nutzen daraus zieht, dass mittlerweile sehr viele Haushalte über ausreichend schnelles Internet verfügen.
So finde ich z.B. aktuelle Folgen von RTL-Hits oftmals kostenlos bei rtlnow (ältere Folgen gegen Bezahlung), die ich mir dann anschaue, wann ich Zeit oder Lust habe. Gleiches gilt für Comedy-Formate wie Ladykracher, Mein neuer Freund, Nightwash oder Pastewka, die man bei MySpass.de gratis sehen kann. Einen nahezu perfekten Hybriden aus Fernsehprogramm und Internet bietet derzeit das ZDF mit der Serie Die Deutschen und generell sind sowohl die Mediatheken der ARD und ZDF gut ausgestattet. Musikvideos – da bei MTViva kaum noch vorhanden – werden schon lange lieber bei Diensten wie YouTube, Sevenload oder seit neuestem bei MTV Music angeschaut. Ganz dicke kommt es für das deutsche Fernsehen, wenn erst Konkurrenten wie Hulu für den europäischen Markt gerüstet sind und mit hochkarätigen TV-Serien auf den Internetnutzer zustürmen.
Das alles sind Belege dafür, dass man das klassische Medium Fernsehen teilweise schon heute nicht mehr benötigt, um den klassischen – oder gar aufgemotzten – TV-Content anschauen zu können. Davon abgesehen kann man viele TV-Sender eh kostenlos beispielsweise via Zattoo betrachten. HD-Content bei Sevenload oder 16:9-Format bei YouTube sind Beispiele dafür, dass fast tagtäglich neue Features, neue Möglichkeiten auftauchen, die Internet-TV-Meßlatte noch höher zu legen.
Die ersten 400 Worte dieses Beitrages haben lediglich den Umstand erläutert, dass das Fernsehen dabei ist, auf ureigenstem Terrain einen nicht aufholbaren Rückstand einzufangen. Damit sind die Möglichkeiten des Fernsehens dann aber auch schon erschöpft, während das Internet dann natürlich erst langsam warm läuft. Noch eklatanter sind die Unterschiede zwischen TV und Internet, wenn es statt um Unterhaltung nämlich um Information geht. Die Möglichkeit, sich über unzählige Kanäle wie Internet-Fernsehen, Online-Presse, Wikipedia, Blogs und Microblogs jederzeit über ein ausgesuchtes Thema informieren zu können, treibt immer mehr Menschen vor den heimischen Rechner als vor das info-technisch veraltete Fernsehen – Tendenz stark steigend. Dazu passt ein weiteres Ergebnis der oben bereits zitierten Repräsentativ-Umfrage, nach welchem eine stark ansteigende Zahl der Befragten äußert, das TV nur noch bestenfalls als Hintergrunduntermalung für andere Tätigkeiten zu verwenden.
Man muß dabei natürlich auch die Kehrseite der Medaille betrachten, denn einer Vielzahl von sinnvollen Anwendungsbereichen im Netz steht natürlich auch eine Armada von Zeitfressern gegenüber, sowie immer raffiniertere Tricks der Internet-Betrüger und ein nicht trockenzulegender Sumpf an schnell und einfach verfügbarer Pornographie. Wie so oft vertrete ich die Meinung, dass man es selbst in der Hand hat, wie man das Medium gebraucht. Ich kann recherchieren, mich unterhalten lassen, Preise vergleichen und einkaufen, aber ebenso kann ich die Zeit auch mit World of Warcraft totschlagen, mich in Chaträumen festquatschen und ähnlichen sinnfreien Tätigkeiten nachgehen.
Aber unabhängig davon, ob ich es sinnvoll oder eher wenig sinnvoll nutze (was natürlich auch immer subjektiv ist), ist der Sieg des Internets über das Fernsehen nicht mehr aufzuhalten. Ein Glück ;)




