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17 Dez, 2008

Die Gründer verlassen das sinkende VZ-Schiff

Posted by: Casi In: Social Networks

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“Ratten” wollte ich bewußt nicht im Titel verwenden. Copycat hin oder her, aber das wäre den Mitgründern des studiVZs nun auch nicht gerecht geworden. Im Gegensatz zur Schliessung der Auslandsvertretungen des studiVZs ist der Abschied von Dennis Bemmann und Michael Brehm dem Netzökonom Holger Schmidt einen Beitrag wert gewesen: 

Die Schließung der StudiVZ-Auslandsseiten war mir keinen eigenen Beitrag wert, denn der frühere CEO Marcus Riecke hatte schon am 27. Januar im FAZ-Interview angekündigt, dass sich StudiVZ weitgehend aus dem Ausland zurückzieht und auf den deutschen Markt konzentriert. 

Naja, ich finde, dass es schon ein Unterschied ist, ob ich mich auf den deutschen Markt konzentriere und die gelaunchten Portale nebenher laufen lasse, oder ob man sie komplett eindampft und dem geneigten studiVZ-Fan in Italien, Spanien oder Polen nun vorschlägt, sich stattdessen bei einem meinVZ anzumelden, welches noch nicht mal in lokalisierter Fassung vorliegt. Da kann mir bitte mal einer erklären, wieso ich als portugiesischer Social Network-Fan zu meinVZ statt zu Facebook gehen sollte.

Wenn ich in der Überschrift auf sinkende Schiffe und Nagetiere anspiele, dann soll das auch sicher nicht die Verdienste von Bemmann und Brehm schmälern. Das ist auch nicht ironisch gemeint, weil ich damit nicht das mit schlafwandlerischem-Geschick-an-die-Wand-manövrieren der letzten ca 15 Monate meine, sondern den Launch eines Social Networks, welches in seinem Ausmaß immer noch unnerreicht ist in Deutschland. Es ist nun auch nicht so, dass die Beiden wie geprügelte Hunde von dannen ziehen oder gar entfernt wurden – der Abschied der zuletzt nur noch beratend zur Seite stehenden VZ-Gründer ist von langer Hand vorbereitet und bekannt gewesen. 

Es passiert aber – aus studiVZ-Sicht – zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Spätestens mit der Nachricht von Zuckerbergs Verhandlungen mit dem Studentennetzwerk und eben auch der Schliessung der internationalen Ableger gewinnt das Thema “Abgesang auf studiVZ” immer mehr an Fahrt. Das Prinzip der selbsterfüllenden Prophezeiung ist ja vermutlich jedem hier bekannt ;) Haargenau das passiert hier gerade im Blog-Kosmos. Immer mehr Menschen melden sich bei anderen Netzwerken an: Die Neulinge tendentiell eher bei WKW und die eher internetaffinen User bei Facebook. Die Blogosphäre hat sich auf das steinzeitliche studiVZ eingeschossen, die Zahlen entsprechen schon lange nicht mehr dem, was man mal an Zuwachszahlen gewöhnt war und auch die Begeisterung der User und die Geduld des Mutter-Konzerns sind nicht unendlich. Genau das sind die Fakten, mit denen ich konfrontiert werde, wenn ich in diesen Tagen auf der Suche nach einem Social Network bin, bei welchem ich viele Freunde (wieder-)finden möchte. Je mehr diese studiVZ-Begeisterung kippt, desto eher wird sich auch der Wandel vollziehen und unter diesem Aspekt machen Bemmann und Brehm genau das Richtige zum richtigen Zeitpunkt.

Sie haben es sowieso nicht mehr nötig, arbeiten zu gehen und fungieren stattdessen lieber als Business Angels wie jüngst zum Beispiel Brehm beim local-shopping-Portal kaufDA. Sie müssen sich also gar nicht mehr mit dem schwer zu beackernden Feld der Social Network-Monetarisierung rumquälen, sondern können jetzt mit frischen Ideen und Konzepten etwas ganz Neues beginnen – was hoffentlich nicht wieder nur ein copy cat sein wird ;)

Mein Fazit lautet also, dass der Abschied dieser beiden alles andere als überraschend oder gar sensationell ist, aber es ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker (ja, ich zähle mich dazu *g*).

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