Der Netzökonom Holger Schmidt hat ein lesenswertes Interview mit den Wer-kennt-wen-Machern Patrick Ohler und Fabian Jager geführt. Dort kann man erfahren, dass man sich bei WKW auf die Suche nach einem Betriebswirt machen möchte. Macht Sinn, dass man sich dazu einen Experten heranzieht, denn das Damoklesschwert "Monetarisierung" baumelt natürlich auch über diesem Social Network. Ich fürchte, dass denen ein Fach-Abi mit Schwerpunkt Betriebswirtschaft nicht genügen wird, also sehe ich mal von einer Bewerbung meinerseits ab. Außerdem hab ich hier ja eh genug zu tun mit meinem Blog ;)
Das Interview zeigt zwei sehr entspannte Social-Network-Gründer, denen man im Gespräch gar nicht anmerkt, dass sie sich mittlerweile mit dem Marktführer studiVZ auf Augenhöhe befinden. Vielleicht ist das auch für mich persönlich der Unterschied zwischen WKW und der Holtbrinck-Kiste: Die beiden ehemaligen Informatik-Studenten versuchen uns gar nicht erst weiszumachen, dass man es mit einem State-of-the-art-Netzwerk zu tun hat. Genau das macht das studiVZ in meinen Augen so unsympathisch: Lahmes Design, Steinzeit-Technik und dennoch Statements, als hätte man gerade das Rad 2.0 erfunden. Im Gegensatz dazu kokettieren Ohler und Jager sogar damit, dass das eigene Portal eine gewisse technik- und Funktionsarmut aufweist. Das ist Teil des Konzepts, mit welchem man die Hemmschwelle für weniger internetaffine Menschen dramatisch nach unten setzt. Im Gegensatz zum studiVZ, wo man irgendwann gemerkt hat, dass man dummerweise alle Nicht-Studenten pauschal ausgeschlossen hat und dann zwei neue Portale nachlegen musste, bringt WKW alles mit, um das vielzitierte und erste richtige Volksnetz der Nation zu werden.
Man erfährt in dem Interview zudem, dass man – und da sind wir wieder bei der niedrigen Hemmschwelle – nicht im Traum daran denkt, Open Social beizutreten oder sich externe Entwickler ins Boot zu holen. Vermutlich wird man auch mit dieser Strategie zukünftig weiter wachsen und all jene Menschen mit Freuden auffangen, denen das studiVZ zu nervig und Facebook technisch zu anspruchsvoll ist. Schaut man sich an, wie unterentwickelt viele Regionen des Landes aus WKW-Sicht immer noch sind, kann man vielleicht erahnen, welch gigantisches Wachstumspotential noch vorhanden ist. Millionen Menschen, die sich gerade jetzt ihre ersten wackeligen Schritte auf Internet-Terrain zutrauen, warten genau auf so ein Angebot. Bin jetzt schon gespannt, ob Volksnetz-Papst Robert das Interview auch aufgreifen wird und welche Meinung er dazu hat.




