Lange, viel zu lange haben wir uns blenden lassen von der Zeitvernichtungsmaschine Twitter. Viel zu lange hat man überlegt, ob Twitter oder Microblogging an sich einen Nutzen hat, und wenn ja – welchen. Ich hab mich hier um Kopf und Kragen geschrieben, um Euch die Vorteile des Microbloggings vorzustellen und muß nun anerkennen, dass ich auf dem Holzweg war. Die Augen geöffnet hat mir ein Blogbeitrag von Uwe Ramminger in seinem Blog Alles2Null. Schlägt man den Begriff "investigativer Journalismus" nach, findet man neben dem Text Uwes Bild, und so ist es kein Wunder, dass nach unzähligen Versuchen anderer Blogger ausgerechnet er die Wahrheit über Twitter ans Tageslicht befördert hat.
Mein lieber Uwe – falls Du noch grübelst: Ja, natürlich war die Einleitung ironisch. Auch wenn ich nicht immer Deiner Meinung bin, erkenne ich das – wie Du weißt – durchaus an, was Du Dir in kurzer Zeit mit Alles2Null aufgebaut hast, aber in diesem speziellen Fall muss ich feststellen, dass Du meilenweit über das Ziel hinausgeschossen bist.
Mir ist bei Deinen kühnen Behauptungen und Beschimpfungen zu oft die Luft weg geblieben, dass es nicht gereicht hätte, einen kurzen Kommentar zu verfassen unter Deinem Beitrag. Daher gehe ich nun hier auf Dein Posting ein:
Die ganze Welt ist entzückt vom Microblogging und im speziellen von Twitter, als ob da jemand das Rad neu erfunden hätte. Ohne Unterlass werden die Vorzüge der schönen neuen Twitter-Welt gebetsmühlenartig von den Fans runtergeleiert, ob es nun die Schnelligkeit ist, die offene Struktur, das Live-Erlebnis… Alles ist Super-Toll. Man könnte meinen diese Junkies haben in ihrem leben nix anderes mehr zu tun und feiern deshalb ihren neuen Lebensinhalt in die Höhe. Zu unrecht.
Vorab noch die Info, dass ich Deine Zitate natürlich mit Rechtschreibfehlern übernehme, sonst werde ich hier nämlich nie fertig mit dem Artikel ;)
Ganz starke Einleitung mit einer falschen Behauptung direkt im ersten Satz. "Die ganze Welt" weiß mit Sicherheit nicht, dass es sowas wie Twitter überhaupt gibt, was Dir selbst klar sein sollte, wenn Du auf die Nutzerzahlen schaust, die Du selbst sicher auch kennst. Genau so sollte Dir als Twitter-Nutzer aufgefallen sein, dass gerade in Twitter mehr als kritisch auf Ausfälle und andere Kritikpunkte eingegangen wird. Die Bezeichnung "Junkies" pauschal für jeden Twitter-User (also auch für Dich?) rundet die Einleitung ab. Witzig in dem Zusammenhang finde ich, dass ausgerechnet Du später in den Kommentaren selbst von Beleidigungen der anderen Kommentatoren sprechen wirst.
Für manche Menschen ist Twitter der einzige Lebensinhalt geworden, sie twittern von überall und folgen jedem der einen Satz mit weniger als 2 Schreibfehler zusammenbekommt und den Reply.Button trifft.
Nenn mir einen… Schön ansonsten, dass Du ausgerechnet im Wort "Schreibfehler" einen Schreibfehler machst ;)
Twittern tut genau diese Bevölkerungsgruppe die aus irgendeinen Gründen keine Zeit oder Lust haben in Ego-Strip-Sendungen wie Vera am Mittag, Britt, der Talk oder andere Formate dieser Gattung Fernsehunterhaltung.
Habe ich jetzt nicht ganz verstanden. Welche Bevölkerungsgruppe ist das jetzt genau?
Die erste Frage die sich nicht nur mir stellt, ist ob es wirklich so wichtig ist, zu wissen, dass es jemand gibt, der twitternd einen Flugzeugabsturz überlebt und dabei fröhlich twitternd darüber berichtet und auch Bilder dazu postet? Nein, ist es nicht, erstens ist dieser Flugzeugabsturz eh völlig unwichtig gewesen, solche merkwürdigen Unffälle wie in diesem Fall passieren in schöner Regelmässigkeit nahezu jeden Tag irgendwo auf der Welt. Und gleichzeitig läuft in China jemand gegen ein Stopp-Schild. So what???
Davon abgesehen, dass sicher niemand fröhlich darüber sein dürfte, dass er gerade in einen Flugzeugabsturz verwickelt ist, bekommt man natürlich andere Einblicke in eine Krisensituation, wenn jemand aus einem abstürzenden Flugzeug, aus einem von Terroristen besetzten Hotel oder einem unter Raketenbeschuß stehenden Dorf twittert. Auch zu 9/11 gab es sowas bereits, denn dort wurden auch SMS verschickt aus dem entführten Flugzeug und selbst auf Anrufbeantworter wurde von dort aus gesprochen, ist also nicht wirklich eine Entwicklung, die mit dem Microblogging gekommen ist. Wer entscheidet denn eigentlich, ob ein Flugzeugabsturz wichtig ist? Du?
Die eingefleischten Twitterer argumentieren jetzt, dass erst Twitter dieses Möglich macht, dass die ganze Welt direkt und live davon erfährt, dass es eben dort einen Beinahe-Absturz einen Flugzeuges gab. So, dann soll doch dieser Twitterer mir doch bitte auch die Ursachen des Unfalls und die Stimmen der Verantwortlichen twittern, die Meinungen der Hilfs- und Rettungsmannschaften, die gesellschaftlichen und politischen Auswirkungenm würden mich interessieren. Falls es welche gäbe. Das, liebe Twitter-Freunde, kann nur ein Journalist. Es ist wunderbar aber unnötig von jemandem zu erfahren, dass er dabei war, allerdings hält sich die Sensation in Grenzen, denn ich kenne diesen Menschen nicht. Wenn ich Twitter, dass ich auf der nase liege und mir den arm gebrochen habe, interessiert es auch keinen.
Aha – ein Journalist kann also die gesellschaftliche und politische Auswirkung eines Beinahe-Absturzes schildern? Kann ich mir nicht vorstellen. Davon abgesehen handelt es sich hier auch um zwei Paar Schuhe, Uwe. Ein solcher Tweet existiert neben den später hinzukommenden Berichten und Analysen der Nachrichtensender. Er soll die Nachricht als solche ja nicht ersetzen, sondern ergänzen. Oder willst Du Twitternutzern etwa auch absprechen, dass sie in der Lage sind, online oder per TV "normale" Nachrichten verfolgen zu können? Nicht zuletzt kommen über Twitter oftmals die interessantesten Links zu den Seiten, auf denen eine explizite Nachricht aufbereitet wird.
Dann kann ich mich erinnern, dass Twitterer über die Eskalation auf Athens Strassen berichteten, recht zeitnah und recht anschaulich, was man eben so in 140 Zeichen reinbekommt. OK, da geht irgendwo auf der Welt der Punk ab, weil einem Polizisten der Finger juckte. Das ist schlimm und darf niemals passieren. Ist es aber. Und jetzt feiert die Twitter-Gemeinde, dass Twitter und deren User live dabei waren. Juhu. Will ich das denn? Und weiter kann ich wieder die Bitte stellen: Lieber twitternder Grieche in Athen, mich interessiert dieses Thema, liefere mir bitte auch Hintergrundinformationen, Bewegtbilder, Stimmen und Meinungen der griechischen Politik und Gesellschaft. Das interessiert mich. Und nicht sensationshaschende Twittermeldungen wie “Ganz Athen brennt. ” Was ja auch noch völlig falsch war. Wert dieser Sache ist gleich null, denn 5 Stunden später habe ich punkt 05:30 Uhr die kompletten Informationen auf meinem Bildschirm mit allem was mich ineteressiert… Zweiter Minuspunkt an Twitter.
Hast Du jemals Nachrichten gesehen? Auch dort wird in den Breaking News zunächst eine Situation geschildert, oftmals ohne oder mit wenigen, schlechten Bildern. Flugzeuge stürzen nämlich nicht da ab, wo zufällig gerade Flugzeug-Experten der Nachrichtensender versammelt sitzen. Auch im TV bedarf es Recherche, um eine Information so aufzubereiten, wie Du es gerne hättest. Und wieder unterstelle ich Twitter, dass ich dort eher diese weiterreichenden Infos per Link bekomme, als wenn ich auf den TV-Bildschirm starre und auf einen einzigen Sender fixiert bin.
Gleiches gilt für das Thema Israel und deren Krieg. Wer kann euch garantieren, dass diese Informationen, die ihr da über Twitter erhaltet nicht Propaganda der Israelis ist? Niemand. Im Krieg gelten eigene Gesetze, somit ist der Wahrheitsgehalt dieser Tweets stark anzuzweifeln. Leser-Nutzen: Null.
Einmal sollte man in der Lage sein zu differenzieren, was eine einzelne Stimme behauptet und was tatsächlich erwiesen ist und andererseits siehst Du natürlich auch in den Nachrichten nur ein subjektives Bild, oder glaubst Du, dass im Gaza-Streifen tatsächlich nur Kinder getötet werden und nur zivile Ziele beschossen werden?
Das alles sind Gründe die eigentlich gegen Twitter sprechen. Wenn man es anders herum betrachtet, würde nichts für Twitter sprechen, allerdings ist es eine nette Spielerei, kann aber nicht bisheriges ersetzen. Weder Medien, Journalisten, Blogs oder irgendwelche Profile auf irgendwelchen Ntworks wie z.B. Facebook. Twitter ergänzt, Twitter erzeugt Kurzweile, aber Twitter ist eines nicht: Unersetzlich. Allerdings kann Twitter ein guter Dienst zur Verfollständigung des Lebensstreams sein, wie zeigt das UPLOAD-Magazin.
Abgesehen von abenteuerlicher Grammatik fällt mir hier auf, dass Du in einem Satz gleichzeitig schreibst, dass nichts für Twitter spricht, um im weiteren Verlauf des Satzes dann gleich mehrere positive Punkte für Twitter zu bringen.
Twitter wird nur mit Links voll gemüllt, ein großer Teil ist nicht mal der Strom wert, den er verbraucht. Zu manchen Zeiten, hat man auf Twitter nur Tweets die irgendwelche Links zu irgendwelchen Youtube-Videos, lustigen Bildchen, neuen Blogposts oder anderem. Der Mehrwert des Nutzens ist hier tendenziell gegen Null, da es mehr Zeit raubt, das wirklich wichtige oder auch für einen selbst interessante heraus zu filtern, das gibt man aber auch schnell auf.
Dazu mal ein Screenshot mit einigen Deiner informativen, gut recherchierten Tweets:

So viel zum sinnvollen Gebrauch von Twitter.
Twitter ist immer öfter und immer wieder down, langsam, Tweets werden nicht zugestellt
Du kannst es nicht besser wissen, weil Du erst seit kurzer Zeit bei Twitter bist, aber in Wahrheit läuft Twitter wesentlich stabiler als beispielsweise noch vor einem halben Jahr. Mit Twitters Downzeiten haben sich übrigens auch unzählige Blogbeiträge – auch hier – befasst, also kann Dein oben erwähnter Vorwurf mit den unkritischen Twitter-Junkies nicht so ganz stimmen. Auch über andere kritische Punkte wie die kürzlich gehackten Accounts wird berichtet und spekuliert und ist logischerweise eine unschöne Facette. Allerdings ist das sicher kein twitter-exklusives Problem, oder willst Du nächste Woche einen Bericht schreiben, dass Firefox, Internet Explorer und Co sterben werden, weil es auch dort Sicherheitslücken gab/gibt?
Ein weiteres Thema bei Twitter ist die Nettiquette bzw. die Twitterquette, viele Leute fühlen sich zu schnell auf den Fuß getappst, weil man entweder zu klein schreibt, followt obwohl man nicht darf, was man nicht weiß, anderen entfollowt, diese sind dann beleidigt, weil man kein Interesse an deren Themen hat. Man setzt sich ununterbrochen ins Fettnäppfchen, obwohl man garnicht will.
Das Leben ist kein Ponyhof, Uwe ;)
Ganz zu schweigen von Twitterern, die mal in Englisch mal in Deutsch oder in einer ganz anderen Sprache twittern, kann man sich da nicht festlegen?
Vielleicht haben diese Twitterer Follower, die verschiedene Sprachen verstehen? Ich habe sehr viele deutsche Follower und kann mich logischerweise auch wesentlich besser auf Deutsch verständigen, also twitter ich auch meistens in dieser Sprache. Meine rudimentären Englischkenntnisse verwende ich aber durchaus, wenn ich das Gefühl habe, einem meiner englischen oder amerikanischen Follower etwas schreiben zu müssen und der meine Sprache nun mal überhaupt nicht versteht.
Diese vielen Punkte lassen Twitter nerven. Twitter ist unnötig und Jungs und Mädels denkt mal daran: Es sind erst wenige Monate vergangen, da konntet ihr noch ohne Twitter leben. Heute tut ihr alle so, als ob ihr es nicht könnt. Auf kurz oder lang wird Twitter die Server abschalten müssen, denn Spam, Unnützigkeit und Langeweile des Dienstes und das immer noch fehlende Geschäftsmodell werden das Startup dazu bringen, dass die Millionen versiegen werden. Ich lade aber trotzdem jeden zu einer Diskussion hier auf dem Blog oder über Twitter ein. Ich freue mich sehr darauf.
Der Großteil Deiner Kritik richtet sich ja gar nicht gegen Twitter als Unternehmen, sondern gegen das Modell "Microblogging" als solches. Microblogging wird genauso sterben wie Social Networks, E-Mails und Homepages – nämlich gar nicht ;) Mag sein, dass einzelne Dienste auf der Strecke bleiben werden und davor ist auch oder gerade Twitter selbst nicht geschützt, aber Du kannst sicher sein, dass diese Art der Nachrichtenverbreitung nicht mit Twitter aussterben würde.
So endete jedenfalls Dein Beitrag, aber im ähnlichen Stil äußerst Du Dich dann noch mehrfach in Deinen Kommentaren:
Bisher konnte mir noch niemand den tieferen Sinn von Twitter erklären, nicht einmal ein Power-Twitterer. Für mich ist Twitter lediglich ein neuartiger Chat und ganz weit weg vom Bloggen oder Microbloggen. Ich und viele andere verstehen den Hype einfach nicht.
Wieso glaubst Du eigentlich, dass man mit seiner Behauptung Recht hat, nur weil sie niemand in Deinem blog widerlegt? Weil Du Etwas nicht verstehst, taugt es nicht? Wenn ich bei zweipunktnull behaupten würde, dass die Erde keine Kugel ist und niemand in den Kommentaren drauf eingeht, wäre es also demnach eine Scheibe? Unsere kleinen Blogs hier sind nicht der Nabel der Welt und niemand ist verpflichtet, Dir irgendwas zu erklären, nur weil Du in einem Blogbeitrag eine Frage aufwirfst.
Es ist richtig, Twitter – und auch alles andere im Netz – zu hinterfragen und kritisch zu betrachten, und oft genug ist auch Kritik angebracht. Da Du ja hier auch mitliest, weißt Du natürlich, dass ich mich auch mehr als einmal kritisch mit Twitter auseinandergesetzt habe. Dennoch überwiegt bei mir der Nutzen von Twitter bei weitem. Ich bin mit sehr interessanten Menschen in Kontakt gekommen, habe persönliche Sätze mit Personen austauschen können, die ich im "richtigen" Leben niemals erreicht hätte. Ich ziehe einen großen Nutzen aus den von Dir verschmähten Links, egal ob sie mich via Twitter, identi.ca, FriendFeed oder sonstwie erreichen, denn ich bin zum einen Informations-Junkie und gerne auf dem Laufenden, was die für mich relevanten Themen angeht. Zum anderen ist es natürlich so, dass der Faktor Zeit eine Rolle spielt, gerade als Blogger. Dadurch, dass man schnell am Ball ist zu einem wichtigen Thema, kann man sein Blog doch wesentlich besser platzieren als wenn man zu weit hinterherhinkt. Du legst so viel Wert auf SEO und Werbung in Deinem Blog – also solltest doch auch Du ein Interesse daran haben, zeitnah mit Deinen Artikeln am Start zu sein und nicht erst am nächsten Morgen um 5.30 Uhr.
Wenn das, was ich hier in diesem Artikel geschrieben habe, so ca. dem entspricht, was Du an Reaktion aus Deinen Lesern herauskitzeln wolltest, dann hast Du ja zumindest ein Teilziel Deines Beitrages erreicht. Ansonsten war es eher ein sehr merkwürdiges Blogposting, das kannst Du besser ;)




