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16 Jan, 2009

Illegale Musikdownloads: Musik ja, bezahlen nein

Posted by: Casi In: Musik

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Der nächste Satz ist sicher alles andere als eine Sensation: Die Masse aller Downloads wird illegal getätigt!

So weit, so gut (bzw. schlecht, wenn man es aus Sicht der Industrie sieht). In einem Bericht des Weltverbandes der Phonoindustrie wird davon gesprochen, dass 95% der getätigten Musikdownloads illegaler Natur seien. Die Einnahmen verringerten sich dem Bericht zufolge um 7%, woran auch eine Download-Zuwachsrate von 25% nichts ändern konnte. Naja, "nichts ändern" ist da natürlich relativ zu sehen, denn ohne diese Zuwachsrate wären auch die CD-Verkäufe weniger zurückgegangen. Es wäre ein schwerer Fehler, die Rückgänge komplett auf illegale Downloads zu schieben.Vielleicht seid Ihr da anderer Meinung, aber ich denke, dass der Mensch sich so langsam auch an das Medium Musik-Download gewöhnt und vielleicht deshalb immer öfter ins Grübeln kommt, wieso er sich eine CD ins Regal stellen soll für 15 €, wenn man die gleichen Tracks auch für 10 € auf den Rechner geliefert bekommt in Sekundenschnelle. Faktoren wie Soundqualität, Layout oder sogar die Struktur des Musik-Albums werden zunehmends unwichtiger. Kids gefällt die Musik, die ihnen aus dem blechernen Lautsprecher des Mobiltelefons entgegendröhnt. Jeder Songtext, jedes Bild ihrer Stars kann statt im Booklet einer CD genausogut, nein sogar besser im Netz begutachtet werden und das Konzept "Album" ist ihnen auch immer weniger wichtig, da man sich eh Playlists mit seinen Favoriten zusammenstellt. Während wir – und da spreche ich jetzt mal diejenigen meiner Leser an, die Musik schon weit vor dem Internet konsumiert haben – uns mit neuen Medien erst auseinandersetzen müssen, sie begreifen müssen und mit alten Gewohnheiten brechen müssen, wird der Generation iPod das alles quasi in die Wiege gelegt. 

Sie werden groß mit der Möglichkeit, Songs (egal, ob legal oder illegal) runterzuladen, während wir erst den Plattendealer unserer Wahl aufsuchen mussten, um uns durch die Neuerscheinungen zu wühlen und zu hören, um dann mit der LP unserer Wahl wieder nach Hause zu dackeln. Ich treffe immer noch viele Menschen, mit denen ich teilweise ab Mitte der Achtziger auf Depeche Mode- oder andere -Konzerte gegangen bin und wenn ich die heute in Gespräche über Musik verwickle, dann erkennt man, dass Einige noch immer in diesen alten Mustern denken und handeln. Sie kaufen die Musik, die sie kennen oder die sie von Freunden empfohlen bekommen. Sie würden gar nicht auf die Idee kommen, sich gezielt bei MySpace durch die szenerelevanten Bands zu klicken oder – noch einfacher – last.fm oder roccatune für ihre Entdeckungsreise zu nutzen. 

Genau da – und hier versuche ich jetzt den Bogen zu spannen zurück zur Musikindustrie – sehe ich die eigentliche Schwierigkeit. Die Menschen, von denen ich hier gerade rede, befinden sich in meinem Alter plus minus 10. Ich unterstelle den Entscheidungsträger in der Industrie, dass sie teilweise noch nicht verstanden haben, was da draußen gerade passiert. Statt neue Chancen zu nutzen, versucht man immer noch, einen längst vergangenen Zustand – einen Status quo ante – zu erreichen. Einige Köpfe lassen sich immer noch dafür feiern, dass ein überteuertes Produkt – die CD – mit kalkuliert schlechter Qualität (z.B. 3 Auskopplungen, der Rest ist Füllmaterial) dicke Gewinne einfahren. Während nun der große Teil des (gerade jüngeren) Massenpublikums zunehmend auf die Downloads setzt, schimpft das zahlungskräftige, ältere Klientel auf den Verfall der Musikkultur und ist logischerweise nicht bereit, gutes Geld für schlechte oder schlecht gemachte Songs zu löhnen.

Versteht mich nicht falsch: Natürlich gibt es nach wie vor sensationell gute Musik, wenngleich man sie mit der Lupe suchen muss. Aber in den meisten Fällen ist es nicht das, womit das dicke Geld verdient wird und darauf liegt nun mal der Fokus.

Vielleicht liege ich komplett daneben mit meiner Prognose, aber ich denke nicht, dass wir eine solche Debatte noch in 10 Jahren führen würden. Bis dahin wird es den Massenmarkt für physische Tonträger nicht mehr geben, glaube ich. Ist da Jemand mit mir, oder habe ich diese Ansicht exklusiv? Wäre schön, wenn mir der ein oder andere mitteilt, wo er den Musik-Markt in naher Zukunft sieht bzw was das Geld in die Kassen der Industrie spülen wird – denn irgendwie muss schließlich Geld fließen, damit Musik produziert werden kann.

Am Wochenende werde ich dann ein Bild aufzeigen, wie ich persönlich es mir vorstellen könnte. Werde einige Wege nennen, die bereits heute beschritten werden und die durchaus nachahmenswert scheinen, um Künstler und Fan (und vielleicht sogar die Industrie) glücklich zu machen. Erwartet den Artikel aber eher am Sonntag, denn mein Samstag steht zwar auch im Zeichen der Musik, aber entschieden weniger zweinullig ;)

 

  • tk
    ganz ehrlich: ich mag die gute alte cd. sieht halt schön im regal aus (wenn sie gut gestaltet ist). und wenn dann will ich das ganze album, bin allerdings auch kein chartgedudel-hörer wo nur der einzig gute song einer band gespielt (selbst das ist noch ansichtssache)^^
    hab noch nie nen (legalen) musikdownload getätigt und nur ganz selten ma was illegales, weil ich originale cds liebe und die künstler unterstützen möchte.
    und noch ein anderer punkt: viele leute kaufen sich musik (oder auch pc-spiele etc.) erst nachdem sie sie wirklich ausführlich hören konnten (bzw. testen), hab mir selber schon alben erst gekauft, nachdem ich sie runtergeladen (bzw. kopiert bekommen) habe. man kaufte ja nicht auf gut glück. und ja ich weiß das es zwischenzeitlich last.fm gibt ;)
  • producer
    Derzeitige Lage eines Musikers (elektronisch):

    - viel Lob von allen Seiten, super Tracks, blablabla

    - die Tracks sind in kürzester Zeit via eMule, Torrent, Rapidshare usw. kostenlos downloadbar

    - von den digitalen Verkäufen auf Beatport, Juno etc. kann man nichtmal die Miete für eine 1-Zimmer-Wohnung bezahlen

    - Konzerte kann man als elektronischer Musiker kaum welche geben, es sei denn man konzetriert sich auf "Live-Act"

    - viele tingeln nach einem "Hit" ein paar Monate als "DJ" durch die Lande und sammeln bischen Kleingeld ein

    - für Remixaufträge wird so gut wie nichts mehr bezahlt, man darf es als eine Art Eigenwerbung auffassen

    Unterm Strich bleibt kaum etwas übrig. Wenn man es mit den Kosten verrechnet: Eher Null.

    Wenn Du ein Musiker im elektronischen Bereich bist, dann kannst Du keine Konzerte abhalten. Du kannst höchstens versuchen als DJ ein paar Mona
  • Wow - toller Kommentar :) Vieles von dem, was Du hier und in Deinem Blogbeitrag sagst, nimmt schon Einiges vorweg, was ich mir für meinen angekündigten Beitrag vorgenommen habe. Zumindest denke ich in eine ähnliche Richtung, wie es scheint ;)
  • Es ist ja jetzt schon so, dass vor allem viele kleinere Künstler ihr Geld vor allem mit Konzerten verdienen. Die so genannte "Musikindustrie" verwaltet ja nur noch ihre "Stars", also so ziemlich die letzten, die noch von ihren CD-Verkäufen noch was werden können.

    Ich denke, dass diese Entwicklung sich auch in anderen "kreativen" Branchen durchsetzen wird, vor allem für besondere Leistungen zu zahlen (Konzerte, Lesungen, Bücher (aus Papier ^^), Theatervorführungen, Kino etc.) und nicht für eine digitale Reproduktion. Dieser Trend zur Authentizität hat schon angefangen, die Literatur (Studien etc.) zur Musikbranche zeigt das in den letzten Jahren bereits, von daher halte ich das zumindest hier für gesichert, wenn auch unter dem finanziellen Niveau der letzten Dekaden, was ich aber sowieso für völlig überzogen hielt, incl. der Gehälter mancher "Künstler", da platzt halt gerade die nächste Blase, nur etwas langsamer als in der Finanzwirtschaft.

    Habe mich dazu ähnlich auch schon in meinem Blog geäußert, falls das hier jemandem bekannt vorkommt ;-)
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