Deutschlands TV-Junkies bekommen es in den letzten Tagen knüppeldick: Mitten im Dschungel-Hype startet schon der nächste vermeintliche RTL-Quotengigant – Deutschland sucht den Superstar.
Ab heute, 21.Januar 2009 werden wir wieder Mittwochs und Samstags ab 20.15 Uhr verfolgen können, wie Dieter Bohlen Möchtegern-Stars verbal zusammennagelt, Pop-Sternchen geboren werden und wieder einmal eine neue Jury (von Bohlen abgesehen) ihr Glück versucht.
Schaut Ihr Euch dieses Format an? Und wenn ja: wieso? Die Hoffnung, bei der Entdeckung eines Weltstars dabei zu sein, wird es doch sicher nicht sein, oder? Ich muss zugeben, in der letzten Staffel von der ersten Folge an Thomas Godoj die Daumen gedrückt zu haben, weil mich das Gesamtpaket Stimme/Ausstrahlung/Typ begeistert hat. Umso enttäuschender dann, was für ein durchschnittliches Album auf den Markt geworfen wurde.
Vor wenigen Tagen erst hab ich mal wieder geschimpft über Plastikproduktionen, die gar nicht darauf abzielen, einen Interpreten langfristig im Markt zu platzieren. Ähnlich verhält es sich auch bei DSDS. Es wird die Crème deutscher Produzenten rekrutiert, um unter dem Strich Durchschnitts-Radio/Fahrstuhl/Supermarkt-Musik zu konstruieren. Musik, die schnell und leicht ins Ohr geht – und genauso schnell wieder raus. Ohne mich jetzt also wieder komplett zu echauffieren über Musik, die meilenweit an meinem Verständnis dieser Begrifflichkeit vorbeirauscht, werde ich überlegen, wieso ich gleich dennoch wieder vor dem Fernseher sitzen werde.
Vermutlich ist es das Dschungel-Gen in mir, welches mich zusehen läßt. Denn auch hier kann man aus sicherer Entfernung tolle Leistungen honorieren, absurde Vorträge belächeln und sich gepflegt fremdschämen. Dass der Vergleich mit dem Dschungelcamp nicht komplett hinkt, beweist auch das veränderte Konzept der Recalls. Diejenigen, die aus über 30000 Kids ausgewählt werden für den Workshop auf Teneriffa, müssen sich neben dem gesanglichen Wettstreit auch verstärkt mit anderen Elementen auseinandersetzen, die als Superstar gefragt sind – bzw. als Popstar, denn bei diesem ProSieben-Format scheint diese Idee abgekupfert zu sein.
Wenn man ein Blog namens zweipunktnull betreibt und dort schwerpunktmäßig über das Internet schreibt, darf man in einem Artikel über eine Casting-Show natürlich nicht darüber hinwegsehen, wenn plötzlich der einzige wirkliche Superstar des Formates anfängt zu bloggen. Bei der Vokabel "bloggen" bitte ich Euch jedenfalls, den Begriff etwas großzügiger zu interpretieren, denn wenn man bei einer Zeitung wie der Bild schreibt und rudimentäre Blog-Features wie Kommentare, Trackbacks oder eine Blogroll keine Beachtung finden, dann scheint es sich eher um eine Kolumne als um einen Blog zu handeln. Schaut von mir aus dennoch dort vorbei, wenn Euch danach ist.
Bohlen äußert sich dort übrigens auch zu dem bereits in der ersten Folge gefeuerten Neu-Juroren Max von Thun:
Nach 15 Minuten ist seine Karriere als Mit-Juror vorbei. Klar, der ist ein netter Typ, aber für uns leider nicht zu gebrauchen, da er keinen Mainstream-Musikgeschmack hat.
Somit ist die Ausrichtung auch von Jury-Halbgott Dieter Bohlen schwarz auf weiß festgehalten worden: Du hast nun mal nur eine Chance, wenn Du radio- bzw chartstauglich bist. Selbst ein kantiger Neu-Star wie Godoj wird spätestens nach seinem Sieg so glattgebügelt, dass er in diese Philosophie passt. Umso trauriger, wenn man die Musik kennt, die er vorher mit seiner Band gemacht hat.
Lange Rede, ziemlich kurzer Sinn: Ich werde gleich reinschauen, werde mit offenem Mund staunen, wie scheiße sich Deutschlands Jugendliche selbst einschätzen können und vielleicht doch wieder heimlich hoffen, auf einen genauso heimlichen Favoriten zu treffen, dem man wieder die Daumen drückt.
Update: Meine Freundin hat sich gerade auf die Suche gemacht nach dem bislang einzigen wirklich schönen Song, den es bisher in der ersten Folge zu bestaunen gab. Der Kamerad heißt Janos und hat aus Rihannas Umbrella eine Acoustic-Nummer gemacht, die mir richtig gut gefällt – dummerweise teilt Dieter Bohlen meinen Geschmack nicht und somit wird der Junge wohl nicht wirklich weit kommen in der Sendung. Daher hier noch mal seine Version – sogar in voller Länge :)
Eine Zusammenfassung der ersten Folge findet Ihr bei Musiktipps24




