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09 Feb, 2009

Social Networks und Datenschutz: Eine unendliche Geschichte

Posted by: Casi In: Social Networks| World wide web

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Social Networks rücken – u.a. wegen der deutschen Vertreter studiVZ und Wer-kennt-wen – auch hierzulande immer mehr in den Fokus der surfenden Bevölkerung. Dort kann man kinderleicht seine Leute erreichen und jedem alles Wissenswerte über sich erzählen, Termine planen und Fotos teilen. Was ich hier schreibe, lesen viele Internetnutzer, die selbst schon längst Mitglied in mindestens einem dieser Social Networks sind, oder die sich schlicht und ergreifend zu lange und zu sicher im Netz bewegen, als dass man ihnen erklären müsste, was man von sich preisgeben kann und was vielleicht besser nicht. 

Nun wird aber leider viel zu oft verkannt, dass manche Menschen Interesse an meinen dort geparkten Daten haben könnten, die mir nicht unbedingt wohlgesonnen sind, oder die mich sogar noch nicht einmal wirklich kennen. Der Anonymität des Netzes sei Dank kann ich in jede x-beliebige Rolle schlüpfen und schlimmstenfalls Schäden anrichten, die nicht nachträglich mit der Sperrung eines Accounts zu beheben sind. Erst jüngst sind mir wieder ein paar Beispiele dazu über den Weg gelaufen und ich werde das Gefühl nicht los, dass das keine Welle von Verfehlungen ist, sondern nur der schüchterne Vorbote eines Cybermobbing-Sturmes, welcher in seiner Stärke noch nicht annähernd einzuschätzen ist. 

Aus den Vereinigten Staaten, genauer gesagt aus New Berlin in Wisconsin, stammt ein Schüler, der bei Facebook seinen Klassenkameraden vorgegaukelt hat, ein Mädchen zu sein. Passiert sicher öfters, auch hierzulande. Der Zeitgenosse jedoch hat auf diese Weise die Jungs dazu gebracht, Nacktfotos von sich zu schicken und schlimmer noch: Mit diesen kompromittierenden Fotos wurden die Schüler erpresst und zu sexuellen Handlungen gezwungen.

Facebook hat mittlerweile reagiert und seine Nutzungsbestimmungen diesbezüglich angepasst. Das klärt zwar nun, was laut Facebook auf der Plattform erlaubt ist, verhindert aber natürlich nicht, dass immer wieder solche Fälle eintreten können. Je mehr Menschen auf einer Plattform wie Facebook unterwegs sind, desto mehr naive, unvorsichtige und dumme Menschen werden auch dabei sein, das Gleiche gilt für die Anzahl derer, die genügend kriminelle Energie in sich tragen und/oder sexuell verwirrt sind. Das ist nichts Besonderes sondern einfach nur das Gesetz der Zahl. Das ändert auch leider keine noch so ausgefeilte Nutzungsbestimmung. Wo diese Gruppen nun aufeinander treffen wird es also auch weiterhin Missbrauch geben.

Der gesunde Menschenverstand sollte uns da aber eigentlich ein wenig schützen: Wenn ich einen Menschen nicht kenne, schicke ich ihm keine Nacktfotos oder ähnlich sensible Daten. Dasselbe gilt für den Fall, dass ich nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen kann, ob ich es wirklich mit dem Menschen zu tun habe, der er vorgibt zu sein. Wenn es hier doch um eine vermeintliche Klassenkameradin geht, besteht doch die Möglichkeit, ihr per Telefon oder direkt in der Schule auf den Zahn zu fühlen und so könnte ich einer solch haarsträubenden Situation entgehen.

Oftmals sind es aber gar nicht mal die Daten, die einem mit viel Geschick entlockt werden, sondern vielmehr Daten, die wir ganz leichtfertig ins Netz stellen – immer in dem Glauben, dass es sowieso nur die Menschen mitbekommen, für die es vorgesehen ist.

Falls das hier jetzt Social Network-Nutzer lesen, die nicht besonders internet-erfahren und daher etwas unsicher sind, oder ob es Eltern sind, die sich Gedanken um den eigenen, surfenden Nachwuchs machen:

Zunächst mal ist es weder falsch noch verwerflich in einem solchen Netzwerk angemeldet zu sein. Vermutlich ist es gerade für Jüngere eher fatal, nicht Mitglied im schuelerVZ zu sein und so auf dem Schulhof ausgegrenzt zu werden. Egal, ob Elternteil oder unerfahrener Surfer – setzt Euch mit dem jeweiligen Netzwerk auseinander!

  • Lest und versteht die Nutzungsbestimmungen.
  • Besonders wenn der User mit Klarnamen registriert ist: Verbreitet keine falschen Geschichten über Euch.
  • Meldet Euch nicht in Gruppen an, die Ihr nicht vor Euch, Euren Eltern, Partnern, Freunden, Arbeitgebern und Kollegen vertreten könnt.
  • Setzt Euch mit den Privatsphäre-Einstellungen auseinander: Selbst bei den oft als unsicher gescholtenen Netzwerken wie studiVZ oder Facebook kann man sehr genau justieren, wer welche Daten von mir sehen darf. Lasst nur Eure "wirklichen" Freunde Eure Partyfotos etc sehen.
  • Betreibt eine vernünftige Politik, was Eure neuen Kontakte angeht. Die beste Privatsphäre-Konfiguration bringt mir nichts, wenn jeder x-beliebige Mensch ungeprüft mein Freund werden kann und somit dennoch Zugriff auf meine Daten erhält.

Kurz gesagt: Macht einfach alles genauso, wie Ihr es im realen Leben auch für selbstverständlich haltet. Auch im wahren Leben teilt Ihr nämlich dem Lehrer oder Vorgesetzten nicht mit, wie besoffen Ihr gestern wart und Ihr zeigt dem Sitznachbarn in der U-Bahn nicht aufreizende Dessous-Fotos von Euch. Nichts anderes passiert eben im Internet auch, nur – und das macht das alles so viel schlimmer – unter dem Deckmäntelchen der Anonymität.

Es gibt aber auch noch eine andere unschöne Facette, mit der man sich auseinandersetzen muss. Cybermobbing kann uns in unangenehmste Situationen bringen, auch wenn wir unser eigenes Netzwerk-Profil optimal konfiguriert haben, oder sogar noch nicht mal selbst in einem Social Network vertreten sind. 

Es ist nämlich nichts leichter, als in falschem Namen – zum Beispiel des ungeliebten Klassenkameraden – ein solches Profil zu erstellen und es mit Unwahrheiten vollzuschmieren. Das kann im allergünstigsten Fall vielleicht nur ein dummer Scherz sein, über den man selbst noch lachen kann, könnte aber unter Umständen auch Freunde, den Job oder schlimmstenfalls ein Leben kosten. 

Gegen solche Vorfälle gibt es keinen hundertprozentigen Schutz. Gerade Eltern sollten sich an den Gedanken gewöhnen, dass man seinen Nachwuchs auf die im Netz lauernden Gefahren mindestens genauso eindringlich warnt wie vor den Dingen, die im realen Alltag lauern. Wenn ich meinem Kind beibringe, dass es nicht mit fremden Männern mitgehen darf, muss ich ihm genauso klar machen, dass ich im Netz nicht jedem Menschen blind vertrauen darf, nicht jede Seite besuchen und nicht jedes Angebot nutzen darf.

Gegen die Ausbreitung von Cybermobbing hilft nur Information und genau aus diesem Grund findet morgen der Safer Internet Day statt. In Luxemburg wird sogar eigens eine Konferenz zu dem Thema einberufen und dort werden 17 führende Social Networks ihre Vertreter entsenden um eine EU-weit gültige Vereinbarung zu treffen, mit welcher man zukünftig minderjährige Internetnutzer besser schützen möchte. Dazu gehört beispielsweise ein Button, mit dem man umgehend unangemessene Kontaktaufnahme oder Cybermobbing melden kann, und der einheitlich von den beteiligten Netzwerken eingesetzt werden soll.

Schön, dass sich die Politik genauso wie die Social Networks dieses Themas annehmen, aber – und das ist mindestens genauso wichtig – jeder Einzelne von uns sollte für sich und erst recht seine Kinder auch immer darüber nachdenken, was man von sich preisgibt und welchen Risiken man sich online aussetzt.

Zu diesem Thema habe ich eine kleine Umfrage erstellt, um die Surfgewohnheiten meiner Leser hier ein wenig besser kennenzulernen. In diesem Kontext habe ich bewusst keine Karrierenetzwerke wie Xing berücksichtigt, sondern nur an Social Networks gedacht, die man zum Privatvergnügen nutzt:

 

 

 

  • In dem Vote fehlt noch die Option "Ich nutze meinen Klarnamen und meinen Verstand".

    Social Networks ohne echte Namen ergeben nur begrenzt Sinn - zum einen, weil man dann das Potenzial nicht ausnutzen kann. Zum anderen, weil einige Nutzungsmöglichkeiten dann schon mal entfallen.

    Wenn ich etwa meine aktuellen Blogposts bei Facebook integriere, nützt mir der Klarname ja überhaupt nichts. Also kann ich meine Adresse und meine Telefonnummer, die ich im Impressum angeben muss, auch gleich allen Leuten in der Community nennen.

    Ähnlich lässt sich das auf einige Dienste übertragen. Selbst wenn man Twitter einbindet, bei Twitter einen Fantasienamen nutzt, aber dort einen Link auf sein Blog setzt, kann jeder mit Verstand für 20 Cent die Daten bekommen.

    Und: Auf Klarnamen zu verzichten, ist eine Sache, aber wie sieht es mit einem Profilfoto aus? Mal abgesehen, dass Facebook schon vom Begriff her die den Einsatz eines Fotos im Profil nahelegt... Keine Fotos in Social Networks? Nicht sehr realistisch.

    Noch kann nicht jeder auf Basis eines Fotos im Netz nach Daten eines Menschen suchen, aber lange dürfte das nicht mehr dauern.

    Mal im Ernst: Würden sich die Menschen alle so diszipliniert verhalten, wären die Social Networks ziemlich langweilig, oder? ;-)

    Cybermobbing: Da kommt noch einiges, das glaube ich auch.

    Viele Straftaten, die im Internet begangen werden, gelten aus irgendwelchen Gründen als wirklich schlimm. Prominentes Beispiel ist die illegale Beschaffung von Musik und anderem Content.
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