15 Feb, 2009
last.fm: Das braune Fest der Volksmusik
Posted by: Casi In: Musik| Social Networks| zweipunktnull
Oft und gerne empfehle ich hier last.fm als ein Top-Angebot, wenn es darum geht, bekannte Musik online zu hören oder neue Musik kennenzulernen. Daran ändert sich auch nach diesem Artikel nichts. Allerdings bin ich durch einen Stern-Artikel auf eine Thematik aufmerksam geworden, auf die ich von alleine zugegebenermaßen wohl nie gestoßen wäre: Braunes/rechtsradikales Liedgut bei last.fm!
Ich möchte auch gar nicht große Vorwürfe aussprechen in Richtung last.fm – wenn man nach diesen einschlägigen Bands sucht, wird man feststellen, dass viele von denen mittlerweile nur noch als "unangemessener Inhalt" geführt werden. Aber – um das Stern-Beispiel aufzugreifen – reicht oftmals schon ein bewusst eingebauter Schreibfehler, um die Such- und Prüfmechanismen auszuhebeln. Die Stern-Geschichte zeigt das am Beispiel "Weisse Wölfe", deren Account gesperrt wurde, die aber als "Weisse Wolfe" weiter dort anzutreffen sind.
Wie gesagt, es ist mit Sicherheit schwierig für last.fm, dort den Überblick zu behalten, aber in diesem Fall müsste man dann halt einen anderen Aufwand betreiben, um diesen Bands auf die Schliche zu kommen. Ich habe mich jetzt ein paar Minuten zu Recherchezwecken auf diesen "braunen" Seiten rumgetrieben – hab mich natürtlich vorher ausgeloggt, weil ich solche Musik sicher nicht in meiner lastfm-Musiksammlung finden möchte. Es ist in der Tat erschreckend, wie eindeutig viele der Songtexte und vor allem auch viele der Statements anderer User sind. Wie viele Menschen sitzen bei last.fm, die für Ordnung sorgen? In diesen wenigen Minuten sind mir jedenfalls viele Bands aufgefallen, die bedingungslos aus dem Angebot entfernt werden müssen und bei Usern wie "Nazi Girl" oder "SSDasReich88" sollte die Gesinnung auch sehr offensichtlich sein und auch diesen Leuten sollte der Zugang untersagt werden.
Es gibt sicher Suchalgorithmen, mit denen man so geartete Bands entdecken kann, aber auch manuell finde ich es keinen besonders großen Aufwand, dort sehr schnell sehr viele anstößige Bands und Mitglieder zu finden. Es sollte also möglich sein, dort händisch nachzubessern. Ansonsten – falls die last.fm-Manpower das nicht hergibt – sollte man vielleicht die User selbst ansprechen. In den Community-Richtlinien appelliert man ja auch an den gesunden Menschenverstand:
Unter anderem werden unter keinen Umständen toleriert: Rücksichtsloses Verhalten, verunglimpfende oder verleumderische Bemerkungen über andere, Drohungen, Belästigungen, Verletzung der Privatsphäre oder die Weitergabe der persönlichen Daten anderer, vulgäre oder obszöne Inhalte, illegale Aktivitäten, Propaganda, Rassenhass, offensives Verhalten gegenüber anderen Kulturen, oder anderes unangemessenes Verhalten oder unangebrachte Inhalte.
Ich würde mir daher wünschen, dass man uns last.fm-Nutzern ein Instrument an die Hand gibt, mit dem wir solche Accounts melden können. Scheint mir auch programmiertechnisch nicht zu schwierig zu sein, einen solchen Melde-Button zu installieren. Aufmerksame und an einem sauberen Portal interessierte User könnten somit in kürzester Zeit dazu beitragen, dass es den schwarzen braunen Schafe in der Musik erkennbar schwerer gemacht würde. Denn auch dabei könnte man ja die Mechanismen nutzen, die das Web 2.0 so interessant machen: Einer der großen Vorteile last.fms sind ja die Vernetzungen der Fans untereinander und die Empfehlungsmechanismen – also reicht mir ein einziger Band- oder Username, um über sein Profil viele andere User und Bands ausfindig zu machen, die laut Richtlinien nicht gern gesehen wären. Ich persönlich würde jedenfalls gerne ein paar Minuten meiner Zeit dafür opfern, um ein von mir gerne genutztes Angebot sauberer zu halten.




