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17 Feb, 2009

bedingungsloses Grundeinkommen reloaded

Posted by: Casi In: Media|World wide web

Nachdem ich mich in letzter Zeit eher im Vorbeigehen über die Petition zum bedingungslosen Grundeinkommen informiert habe, habe ich gestern im Laufe des Abends – speziell nach dem Veröffentlichen meines Beitrages zum Thema – Einiges an tollem Feedback bekommen. Naja, ehrlich gesagt gab es tolles und auch weniger tolles Feedback. Ich habe im Artikel und auch via Twitter meine Meinung dargelegt und war mir natürlich dessen bewusst, dass sehr viele Follower anderer Meinung sein könnten. Durch eben jene Follower und Kommentatoren hier im Blog (danke übrigens an dieser Stelle für viele interessante Statements) habe ich nun einen etwas anderen Blick auf die Thematik, die mich aber nun noch darin bestärkt, die Petition eher als kontraproduktiv einzuordnen.

Ich habe gelernt, dass es verschiedene Modelle des Grundeinkommens bereits in einigen Ländern gibt und dass sie dort durchaus funktionieren. Logischerweise bedienen diese Modelle sich aber anderer Eckdaten als in dieser – in meinen Augen – immer noch bemerkenswert weltfremden Forderung nach 1500 Euro pro Kopf.

Die gute Nachricht für alle Unterzeichner und sonstige Petitions-Sympathisanten: Laut Twitter wurde die magische 50000-Unterschriften-Grenze bereits überschritten. Ich kann mich da jetzt nur auf Blogbeiträge und Tweets beziehen, weil der Server des Bundestages derzeit wieder platt ist ;)

Nun bin ich hin- und hergerissen, ob ich diesen Erfolg auch als einen solchen würdigen soll, oder ob man damit die Chance auf einen "Change" mittelfristig vertan hat. Ich habe gestern nämlich auch gelernt, dass es nicht das erste Mal wäre, dass eine unsinnig formulierte Petition mit einem guten Grundgedanken weitere Petitionen mit realistischerem Ziel und dem gleichen guten Grundgedanken den Weg versperren könnte.

Ich betone ja gerne, dass ich alles andere als ein Polit-Blogger bin – das überlasse ich daher gerne den Experten, aber dennoch glaube ich, dass man nicht einfach blind eine Summe X fordern kann in der Hoffnung, es durch wegfallende Kostenblöcke wie Subventionen und Bürokratie kompensieren zu können. 

Der Spiegelfechter hat übrigens einen sehr interessanten Artikel zum Thema verfasst, wenngleich ich seiner Forderung – Unterschreiben der Petition – dennoch nicht nachgekommen bin ;)

 

Update: Mittlerweile bin ich wieder auf den Server des Bundestages gelangt und die Petition ist aktuell bei 50771 Unterschriften angelangt.

  • Jörg Tippmann

    Du hast noch nicht verstanden, daß der VORSCHLAG von Wiest auf der Grundlage einer HOHEN Konsumbesteuerung basiert und dadurch funktionieren kann. Wegbrechen der meisten anderen Sozialleistungen und der immensen Bürokratie ist nur EIN Faktor im Binblick auf die Machbarbeit der 1500/1000 Euro-Marke, die VORGESCHLAGEN wurde.

    Um die Höhe des bGE geht's gar nicht, es geht um das bGE selbst und seine Einführung, nachdem man alles soweit durchdacht hat im “Politikerhirn” und sich für ein Modell entschieden hat.

    Die Petition ist dazu genau das richtige Instrument, neben zig weiteren wohlgenmerkt. Der berühmte Arschtritt in den Hintern des “Politikerhirns”.

  • Casi

    entgegen Deiner Meinung habe ich das durchaus verstanden, Jörg. Ändert aber nichts daran, dass ich den Vorschlag in diesem Ausmaße für nicht machbar halte.

  • HiPhi

    Eine hohe Konsumsteuer/Umsatzsteuer (ohne andere Steuer) begünstigt die reichen und führt dazu das Reiche prozentual weniger Steuern zahlen müssen als arme.

    Dadurch erreicht man doch genau das Gegenteil. Arme bleiben arm/werden ärmer, Reiche werden reicher.

  • dj

    Hallo,
    die Petition zum bedingungslosen Grundeinkommen ist abgeschlossen. Wir, die zukünftigen Psychotherapeuten, möchten Sie bitten auch unsere Petition zu unterstützen:
    https://epetitionen.bundestag.de/index.php?acti…

    Text der Petition
    Mit der Petition wird um eine angemessene Vergütung der Ausbildungskandidaten zum psychologischen Psychotherapeuten gebeten.
    Begründung
    Im Interesse der künftigen Psychotherapeutischen Versorgung in
    Deutschland möchte ich Sie auf einen gefährlichen Missstand im
    bisherigen Gesetzesentwurf hinweisen, der mit der Ausbildung von
    Psychologischen Psychotherapeuten zu tun hat:

    *In den Ausbildungsbudgets der Kliniken und im Ausgleichsfonds werden
    keine Kosten für eine künftige Vergütung der Ausbildungskandidaten zum
    Psychologischen Psychotherapeuten vorgesehen.*

    Dies ist für die mittelfristige psychotherapeutische Versorgung in
    Deutschland mit ernst zu nehmenden negativen Folgen verbunden.
    Zur derzeitigen Situation:

    - Psychologische Psychotherapeuten leisten derzeit den größten Teil der
    psychotherapeutischen Versorgung von Patienten in Deutschland.

    - Um Psychologischer Psychotherapeut werden zu können braucht man das
    *abgeschlossene Studium in Psychologie (6-7 Jahre)* UND zusätzlich eine
    *Vollzeitausbildung*, die meist 4 bis 5 Jahre dauert.

    - Allein die Ausbildungskosten für diese Vollzeitausbildung betragen im
    Schnitt etwa 20.000 Euro, hinzu kommen Lebenshaltungskosten, Material-
    und Fahrtkosten sowie Sozialversicherungs- bzw.
    Krankenversicherungsbeiträge in dieser Zeit. In dieser Zeit besteht
    außerdem Verdienstausfall.

    - Laut Psychotherapeutengesetz muss ein Ausbildungskandidat im Rahmen
    der Ausbildung mindestens 1,5 Jahre Praktische Tätigkeit in
    entsprechenden Kliniken absolvieren.

    - Meist arbeiten die Ausbildungskandidaten in den Kliniken 1,5 Jahre in
    Vollzeit und meist machen sie die gleiche Arbeit wie die
    festangestellten Psychotherapeuten.

    - *Meist gibt es von den Kliniken derzeit dafür keine oder eine sehr
    geringe Vergütung (z.B. 400 Euro/Monat brutto).*

    - *Folge: Die meisten Ausbildungskandidaten leben unter dem
    Sozialhilfesatz und bekommen keine Unterstützung vom Arbeitsamt und
    haben keine Zeit, nebenher etwas dazu zu verdienen.*

    - *Die Nachwuchssituation ist verheerend, da die Ausbildung extrem
    unattraktiv ist. Damit ist mittelfristig die Versorgungssituation extrem
    gefährdet.*

    Der bisherige Gesetzesentwurf würde diese Situation zementieren.
    Auch hier geht es um soziale Missstände und nur durch die Unterstützung anderer, haben wir eine Chance!!! Bitte zeichnen Sie mit; JEDE STIMME ZÄHLT! DANKE!


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