zweipunktnull.org

22 Feb, 2009

MySpace – die neue Ehrlichkeit in Social Networks?

Posted by: Casi In: Social Networks

Share

Ein MySpace-Artikel, der mit einer Rückblende auf die jüngsten Facebook-Ereignisse beginnt – klingt auf den ersten Blick vielleicht unlogisch, erklärt sich aber hoffentlich später. Facebook hat klammheimlich seine AGBs geändert und dem gemeinen User damit mächtig in den Arsch getreten. Der wiederum hat sich dafür revanchiert und so musste Facebook klein beigeben und hat die Änderung zumindest vorerst wieder rückgängig gemacht.

Ein ähnliches Ereignis, wenn auch nicht ganz so spektakulär, findet nun bei MySpace statt. Hier hat man ein gewaltiges Design-Update in die Wege geleitet und in meinen Augen dort auch gute Arbeit geleistet. Man hat das Ganze technisch auf ein aktuelles Niveau gehievt und darüber hinaus kann man – eine gewisse Einarbeitungsphase berücksichtigt – nun richtig gute Ergebnisse erzielen und das wesentlich intuitiver als zuvor. Dummerweise hat man auch dort die Rechnung ohne den Wirt User gemacht. Das, was MySpace teilweise wirklich furchtbar wirken lässt, sind die vielen vorgefertigten Designs, die ab und an vielleicht echt toll aussehen, aber im Kontext mit anderen MySpace-Seiten und zudem verhunzt durch zahlreiche Design-Verbrechen vieler MySpace-Benutzer einfach nur augenkrebserregend sind. Genau das aber – das individuelle Gestalten bzw das Vewenden fertiger Layouts – schätzen sehr viele User dieses Social Networks. Der Sturm der Entrüstung war und ist daher groß, weil die fertigen Layouts nicht auf den Profile 2.0-Standard übertragbar sind. 

Obwohl bereits jetzt schon wieder unzählige Designs für diesen Standard vorliegen, wollen die Forderungen nach dem alten Profil-Designer nicht abebben. Jetzt endlich haben die MySpace-Macher nachgegeben und werden ab März wohl eher zähneknirschend sowohl den neuen als auch den alten Profil-Designer anbieten.

Liebe Freunde,

eure Forderungen und Wünsche wurden erhört, und nachdem wir nochmal mit Tom 
und unseren amerikanischen Kollegen darüber geredet haben, können wir mit Freude 
verkünden: Der Designer für 1.0-Profile kommt wieder!

Wenn ich nun in meiner Überschrift von der "neuen Ehrlichkeit" rede, dann ist das zumindest von mir nicht ganz ehrlich. Ich glaube nämlich sowohl bei Facebook als auch bei MySpace nicht wirklich daran, dass man es ernst meint, wenn man sich vor die User stellt und sagt, dass man eventuell Scheiße gebaut hat und den Schritt daher wieder korrigiert. Allerdings ist die Motivation bei den beiden Netzwerk-Giganten in meinen Augen sehr verschieden. 

Bei Facebook – so toll ich die Plattform auch finde – habe ich stets das Gefühl, dass man ganz gerne mal versucht, die Grenzen des Machbaren auszuloten. Sobald der Aufschrei des Users zu groß ist, kommt postwendend das Bedauern seitens Facebook, bestes Beispiel waren die jüngsten Ereignisse oder die Beacon-Geschichte. Bei MySpace sieht es etwas anders aus: Ich glaube, denen ist selbst klar, dass man am Design was tun musste und dass sie den richtigen Schritt gewagt haben. Jetzt gilt es aber, die wechselunwilligen User mitzunehmen und daher rudert man scheinbar ein wenig zurück. 

Mir kann kein MySpace-Offizieller erzählen, dass man den Wechsel zu Profile 2.0 bereut hat – aber man muss jetzt mit diplomatischem Geschick den Spagat wagen zwischen moderner Usability und Design und auf der anderen Seite den verschreckten Usern.

Während Facebook einen falschen Schritt korrigieren muss, nimmt MySpace lediglich einen neuen Anlauf, um den Nutzern den gleichen Schritt anders schmackhaft zu machen. Vermutlich wird die Akzeptanz des neuen Standards automatisch größer, da ja auch ständig ganz neue User hinzukommen und darüber hinaus werden vermutlich die interessantesten neuen Features nur noch die 2.0-Profile unterstützen. So lässt man den Wechselunwilligen gar keine Wahl, wenn sie eines dieser Features auch in ihre MySpace-Seite einbinden wollen.

Nach dem Prinzip "Die Geister, die ich rief…" müssen sich Social Networks immer wieder mit den eigenen Usern auseinandersetzen und sich damit abfinden, dass mit dem Wachsen der Plattform auch immer mehr organisierter Protest Einzug hält. Gerade bei Facebook mit seinen tollen und professionellen Möglichkeiten können in kürzester Zeit virale Lawinen losgetreten werden mit dem bereits bekannten Effekt. Eine Entwicklung, mit der die großen Netzwerke zähneknirschend leben müssen, für die Nutzer hingegen ein schönes und nicht zu unterschätzendes Instrument, um seine Rechte wahrzunehmen.

  • die Induvidialität ihrerr Nutzer ist halt auch immer wieder eine Überaschung für die Betreiber :)
blog comments powered by Disqus

Follow me

Follow Me!

Facebook

Google Friend Connect