Gestern hat Facebook zu einem Tag der offenen Tür für die Presse eingeladen und in diesem Rahmen durch Mark Zuckerberg einige Neuerungen angekündigt. Neuerungen, die man durchaus als einen Tritt in Twitters Arsch verstehen kann. Zunächst mal hat man sich den Newsfeed vorgeknöpft. Der neue, veränderte Nachrichtenfluss wird noch mehr in den Mittelpunkt der Profilseite gerückt und zeigt alle Neuigkeiten von meinen Freunden zukünftig in Echtzeit an.
Während man bei deutschen Facebook-Klonen – wie in den Neunzigern üblich – bei seinen virtuellen Freunden vorbeischauen muss um festzustellen, ob sie eventuell neue Fotos hochgeladen haben könnten, verfeinert Facebook den Informationsfluss gleich in mehreren Punkten und gliedert die neue Startseite wie folgt:
- Filter
- Nachrichtenfluss
- Herausgeber
- Höhepunkte
Im Einsatz sieht das dann so aus:

Der Nachrichtenfluss selbst wird – wie oben bereits erwähnt – in Echtzeit angezeigt und der stetig wachsenden Userzahl wird Tribut gezollt, in dem man dem Facebook-Nutzer zwei Instrumente anbietet, die den ebenfalls stetig zunehmendem Content in vernünftigere, überschaubare Bahnen leitet. Mit dem Filter kann ich entscheiden, was genau sich in meinem Nachrichtenfluss abspielen soll: Entweder entscheide ich mich für die Anzeige aller Freunde oder ausgewählter Freundeslisten. Darüber hinaus kann ich auch nach bestimmten Elementen filtern, so kann ich mir beispielsweise nur die neuen Fotos oder Videos anzeigen lassen. Auf der rechten Seite finden sich künftig die "Höhepunkte", in welchen die News aufbereitet werden, die besonders beliebt sind. Diese Beliebtheit richtet sich nach der Interaktivität zwischen den Usern.
Der "Herausgeber" ist nach wie vor das eigentliche Twitter-Element bei Facebook. Dort werde ich weiterhin meine Statusmeldungen zum Besten geben können. Aber das ist nur der eine, bereits etablierte Weg, wie man Twitter nacheifern möchte. Interessanter noch ist die Tatsache, dass man in Zukunft Fanpages abonnieren kann und deren Updates somit ebenfalls in meinen Newsfeed einfließen. Damit – und mit der Aufhebung der 5000-Freunde-Limits für diese Seiten – gibt man Unternehmen und Künstlern weitere Werkzeuge an die Hand, um seine Supporter erreichen zu können. Folge ich beispielsweise der Band U2, werde ich in Echtzeit in meinem Nachrichtenfluss über die Dinge informiert, die aus Bandsicht mitteilenswert sind. Ob das neue Tourtermine, CD-Veröffentlichungen oder was auch immer sind: Die Band erreicht sehr viele relevante Menschen in kürzester Zeit. Da stellt sich natürlich die Frage, ob sich Twitter bei den jüngst gescheiterten Übernahmeversuchen durch Facebook eventuell verpokert haben könnte. Twitter wächst, Twitter erreicht zunehmend mehr den Mainstream und ist als Marketinginstrument längst salontauglich. Dennoch scheint es mir mehr als nur ein Muskelspiel zu sein, wenn sich Facebook der oben genannten Twitter-Elemente bedient und nun ebenfalls öffentliche Personen oder Unternehmen in die Lage versetzt, gezielte Personen – eben Follower – gezielt zu informieren.
Dadurch, dass Facebook die Grenzen einreißt zwischen privaten und öffentlichen Inhalten – das Design der neuen Fanseiten wird dem der normalen Profilseiten angepasst – wirkt das neue Facebook noch durchdachter und attraktiver. Dadurch bedingt könnte Facebook vielleicht doch das Kunststück gelingen, an welchem sowohl das Social Network als auch Twitter lange Zeit knobeln: Die Monetarisierung des eigenen Services! Wenn ich einem Unternehmen die Möglichkeit biete, eine dreistellige Millionenzahl an Menschen mit den relevanten Infos zu versorgen, kann man auch ganz andere Werbekunden anlocken als ein dagegen vergleichsweise winziges Twitter mit 6 Millionen Usern.
In etwa einer Woche werden die Updates abgeschlossen sein und wir können uns live alle davon überzeugen, wie gut die neuen Mechanismen greifen bzw ob sie auch von den Usern angenommen werden. Ich persönlich jedenfalls glaube, dass man wieder mal einen sehr durchdachten Schritt macht, vielleicht sogar einen Quantensprung.




