08 Mrz, 2009
Twitter: Folgen oder nicht folgen – das ist hier die Frage
Posted by: Casi In: Microblogs
Es ist vielleicht kein leidiges, aber zumindest ein immer wieder aufkommendes Thema im Microblog-Kosmos: Sollte man jemandem followen, nur weil er es umgekehrt auch tut?
Frank hat das Thema heute wieder angeschoben und sogleich entbrannte die Diskussion auch wieder in der deutschen Twittersphäre. Was mich dabei immer ein wenig stutzig macht ist die Tatsache, dass es immer wieder einzelne Twitter-User gibt, die den "wahren" Twitter-Weg zu kennen scheinen. Demnach muss man zurückfolgen, damit das System Twitter funktioniert. Das sehe ich nicht nur anders, es ist schlicht Quatsch.
Das hat ja auch mit Twitter grundsätzlich erst einmal gar nichts zu tun. Mein Musikgeschmack, meine kulinarischen Vorlieben, die bevorzugte Tageszeitung, Lieblings-TV-Serie usw sind ja auch Parameter, die nicht nach Regeln bestimmt werden, sondern die ich ganz persönlich nach meinem Empfinden entwickel. Genauso verhält es sich bei Twitter. Das ist toll, wenn man mir folgt. Es ist schließlich oftmals ein Zeichen dafür, dass irgendwas an dem Content lesenswert für den anderen ist. Oftmals, aber nicht immer – oft genug melden sich natürlich auch irgendwelche Follower-Sammler, bei denen ich dann oben genanntes Motiv ganz klar in Frage stelle.
Wenn der User Twitter1 beispielsweise sehr gut Bescheid weiß über Geldanlagen und sein Wissen in 140 Zeichen komprimiert weitergibt, dann folgt ihm vielleicht Twitter2, der ein erfolgreiches Koch-Blog betreibt – weil er an geldwerte Vorteilen interessiert ist, die ihm Twitter1 durch seine Tweets verschafft. Twitter1 allerdings ist in der Küche eine totale Flasche, was nicht schlimm ist, solange seine Frau klasse kocht. Somit macht es jedenfalls für ihn wenig Sinn, Twitter2 zu followen, denn der twittert nur Kochtipps und Rezept-Links. Wieso sollte er ihm nun trotzdem folgen? Weil es sich so gehört? Aus Höflichkeit? Nee Freunde, das sehe ich nicht so. Gerade, wenn man bei seinen Follower-Zahlen den zweistelligen Bereich verlässt, muss man einfach filtern. Was ist für mich persönlich wichtig, was finde ich witzig, was bringt mich irgendwie weiter?
Gerade jetzt, wo Twitter am Mainstream kratzt, werden die Zahlen der User explodieren und somit wird es zunehmend wichtiger, die Ströme zu kanalisieren und zu sortieren. Um zurückzukommen auf die oft gestellte Frage, wie man Twitter richtig nutzt, könnte man genauso gut den Kameraden Twitter2 aus meinem Beispiel oben fragen, wie man einen Herd richtig nutzt. Vermutlich würde er Euch sagen, dass es darauf ankommt, was man kochen möchte. Es gibt eine Handvoll Dinge, die man bei Twitter aus technischer Sicht beachten muss, aber darüber hinaus entscheidet man logischerweise selbst, was Twitter für einen bedeutet und wie es am besten funktioniert.
Gerade kursiert auf Twitter die deutsche Twitterumfrage. Unabhängig davon, wie repräsentativ eine solche Umfrage sein kann, werdet Ihr jedenfalls an den Ergebnissen ablesen können, dass Twitter für jeden anders funktioniert. Falls man wirklich grundsätzliche, technische Fragen zum Funktionieren von Twitter hat, kann man das am leichtesten, wenn man erfahrene Twitter-User einfach mal anhaut und um Hilfe bittet. Wie im wirklichen Leben gibt es auch dort eine kleine Menge Idioten und eine große Menge durchaus hilfsbereiter Leute, die einem weiter helfen, wenn man sie freundlich fragt.
Ich persönlich habe für mich sehr vielfältige Verwendungsmöglichkeiten für Twitter entdeckt. Ich folge – aus Info- bzw Recherchegründen – einigen US-Bloggern und natürlich auch den in meinen Augen wichtigen und interessanten Vertretern der deutschen Tech-Szene aus dem gleichen Grund. Logischerweise verdenke ich es den US-Bloggern nicht, dass mir einige von denen nicht zurückfolgen, schließliche twittere ich fast ausschließlich in Deutsch, was für die Jungs meistens wenig Sinn macht. Darüber hinaus folge ich vielen Menschen, über die ich bei Twitter gestolpert bin, weil sie einfach was Tolles, Witziges oder was auch immer geschrieben haben, was mir gefiel. Mit manchen Leuten kommt man in Kontakt, weil sie hier mitlesen und ihr Feedback wertvoll für mich ist. Noch recht neu und selten ist der Umstand, mit Freunden aus meinem realen Leben zu twittern, die hier erst ganz langsam reinschneien.
Betrachtet man jetzt diese bunte Mischung an Friends und Followern, ist es vermutlich auch wenig verwunderlich, dass auch meine Tweets nicht nur eine einzige Linie verfolgen. Es ist ebenfalls eine Mixtur aus privatem Content, aus einem gewissen Chat-Anteil, aus Marketing für mein Blog und aus der Weitergabe von Information.
Wem es auf die Eier geht, dass ich über Fussball oder DSDS twittere, der wird sich überlegen, ob der Nervfaktor höher ist als der Nutzen, und wird früher oder später aufhören, meine Updates zu verfolgen und das ist mehr als legitim, denn genauso verfahre ich ja schließlich auch.
Ich würde Euch bitten, das genauso zu betrachten und nicht aus verletztem Stolz oder aus Eitelkeit heraus anderen Leuten nicht mehr weiter zu folgen, nur weil sie Eure Updates nicht lesen wollen/können.




