Gerade geistert durch alle internetaffinen Gazetten des World Wide Web die Nachricht, dass seit gestern die britischen YouTube-User sprichwörtlich in die Röhre schauen, wenn sie sich Musikvideos ansehen möchten. Zwar kann man noch sehr viele Videos betrachten, das liegt aber lediglich daran, dass man die Videos erst so nach und nach sperrt seitens YouTube.
Wie es dazu kommen konnte? Es gibt zwei Faktoren, an denen das Zeigen der Musikvideos scheitern kann: Einmal die Labels selbst, aber die sind in diesem Fall nicht gemeint, denn die haben sich durch entsprechende Vereinbarungen mit Google/YouTube ihren Teil vom Kuchen gesichert. Der andere Faktor sind die Rechteverwerter – in Großbritannien ist das die "Performing Rights Society", kurz: PRS for music.
Über das, was da nun genau schiefgelaufen ist, sind die beiden Streithähne sich natürlich nicht so ganz einig. Während Google behauptet, dass die PRS plötzlich ein Vielfaches der bisherigen Lizenzkosten verlangt, erklärt die PRS im Gegenzug, dass es der Internetgigant Google ist, der plötzlich signifikant weniger als bisher zahlen möchte. Egal, ob es nun an Google oder PRS liegt – der Dumme ist selbstverständlich der User, denn neben den Musikvideos der Labels sind natürlich auch die usergenerierten Videos betroffen, in denen lizenzpflichtige Musik abgespielt wird. Was für Wellen dieser Streit schlagen könnte, ist eventuell noch gar nicht völlig abzusehen, denn mit MySpace gibt es bereits einen weiteren Kandidaten, über dem das Damoklesschwert baumelt.
Nutznießer – zumindest für den Augenblick – könnten die zahlreichen Konkurrenten sein, die im Schatten YouTubes ihren erbitterten Kampf um Marktanteile ausfechten.
Einer von ihnen – MyVideo – hat gerade ganz aktuell einen Deal mit Kontor abgeschlossen und nach den bereits bestehenden Partnerschaften mit Sony, Warner und Universal kann man somit nach eigenen Aussagen 80 Prozent der aktuellen Charts anbieten. In Zahlen bedeutet das, dass der MyVideo-Musikkanal derzeit auf über 16000 Musikvideos zugreifen kann, zu denen sich durch den Kontor-Deal nun auch Größen wie Scooter und DJ Tiësto gesellen.
In den Straßen von London und Birmingham wird vermutlich nun nicht direkt eine Panik ausbrechen, sehr begeistert ist man dort von den aktuellen Geschehnissen aber mit Sicherheit auch nicht.


