18 Mrz, 2009
Muziic: YouTube-Mashup bekommt Googles Segen
Posted by: Casi In: Musik|Start up|zweipunktnull
Mal überlegen: Als ich fünfzehn war – es war 1986 – hatte ich einige Premieren: Erste Freundin, erster Kuss, erstes Depeche Mode-Konzert (gleichbedeutend mit meinem ersten Konzert überhaupt). Aber so lange ich auch überlege, die "erstes-selbstgeschriebenes-Programm"-Premiere ist irgendwie nicht dabei. Ob David Nelson eine Freundin oder Interesse an Konzerten hat, kann und will ich weder beurteilen noch thematisieren, aber coden kann der Kamerad jedenfalls schon recht ansehnlich. Über Caschy bin ich letzte Woche über das Projekt dieses Teenagers gestolpert und will es heute hier kurz vorstellen.
Muziic nennt sich eine kleine Applikation, die man sich kostenlos runterladen kann und die auf den ersten Blick nichts anderes zu sein scheint als einer von unzähligen Winamp-Copycats.

Muziic ist aber nun genau das nicht, was es zunächst zu sein scheint, denn Muziic greift nicht auf meine Festplatte zu, sondern auf den nahezu unermesslichen Videodatenschatz von YouTube. Um alle Features nutzen zu können, macht es Sinn, sich dort einen Account einzurichten. Ist der einmal aktiviert, kann ich ihn mit meinem YouTube-Account synchronisieren. Wie gesagt präsentiert sich der Muziic-Player in einem winamp-ähnlichen Gewand, man kann aber skin-technisch nachbessern und ihn eher wie iTunes, Media Player, Nero usw aussehen lassen.
Über eine Suchmaske kann ich nun nach den gewünschten Titeln suchen, oder mich einfach bei meinen YouTube-Favoriten bedienen. Sofort wird der Sound aus dem Video abgespielt, kann in eine Playlist aufgenommen oder aber auf Wunsch auch im eigentlichen Video betrachtet werden. Es ist zweifellos eine nette, bequeme Möglichkeit, YouTube-Musik auf dem Desktop laufen zu lassen, ansonsten bin ich mir aber über den Mehrwert noch nicht ganz sicher. Schließlich kann ich meine Playlists und Favoriten auch direkt über YouTube erstellen und die Videos dort mitunter sogar als HD im Vollbild anzeigen lassen.
Es gibt allerdings einige Features, die das Musik- bzw Videos-Entdecken reizvoller machen als es über YouTube möglich ist. So kann ich meine Playlist abspielen und währenddessen bereits nach weiteren Tracks suchen und sie gegebenenfalls in meine Liste einbinden. Des weiteren kann ich nach playlists und channels in den verschiedensten Kategorien suchen und meine erstellten playlists logischerweise auch lokal auf meinem Rechner speichern.
Wie gesagt habe ich bereits vor einigen Tagen von Muziic erfahren, habe aber bewusst nichts darüber geschrieben. Wieso? Weil es eine traurige Mischung aus brotloser Kunst und vergeblicher Liebesmüh ist, sich bloggend mit jedem Dienst auseinanderzusetzen, der mit dem Stempel "Musik in der Cloud" versehen ist. Dienste schießen wie Pilze aus dem Boden und je reizvoller der Service ist, desto schneller ist er meist auch wieder von der Bildfläche verschwunden, weil der rechtliche Background nicht oder nicht ausreichend vorhanden war.
Jetzt allerdings scheint der Dienst zumindest für die nähere Zukunft auf festem Boden zu stehen, denn man hat sich von Google/YouTube grünes Licht geben lassen für Muziic:
We’re very excited about the future of Muziic. We’re happy to be working with YouTube and Google to fine-tune the player.
Im Grunde ist es auch nicht so sensationell, denn schließlich tut der Muziicplayer nichts anderes, was ich hier auf zweipunktnull beispielsweise auch mache, wenn ich YouTube-Videos einbinde: Ich streame das Video direkt von der YouTube-Seite und somit werden die fälligen Beträge an die großen Labels von Google genau so entrichtet, als würde man das Video direkt auf YouTube betrachten. Wo man dann bei dem Thema wäre, welches für das kleine Unternehmen, bestehend aus dem 15-jährigen Coder und seinem Vater besteht, vielleicht doch unerfreulich werden könnte: Die Labels! Werden die langfristig genauso die Füße stillhalten wie Google selbst? Oder starten sie vielleicht direkt selbst durch mit einem ähnlichen Projekt? Planspiele zu Letzterem sind immerhin bereits vorhanden.
Unter dem Strich bleibt jedenfalls festzuhalten, dass Muziic einen schönen YouTube-Player bietet, mit dem man sich nicht in rechtliche Grauzonen begeben muss und der darüber zumindest den ein oder anderen Mehrwert bietet. Zumindest als Alternative zu last.fm, songza, roccatune und Co könnte man ihn in Betracht ziehen, vor allem wenn man das Look and Feel seines Desktop-Mediaplayers bei den klassischen Vertretern der Zunft vermisst.


