Meine Fresse, sie haben es wieder getan! Sehr viel Zeit, Energie und Rhetorik hat man seitens studiVZ darauf verwendet, der ganzen Welt zu erklären, dass man kein Facebook-Clon ist. Geglaubt hat es natürlich niemand, und wenn man sich die beiden Seiten heute im Vergleich anschaut, will man auch fast gar nicht mehr glauben, dass wir es hier scheinbar mit Network-Zwillingen zu tun hatten.
Längst hat man den Anschluß verloren – nicht nur an Facebook, sondern an nahezu jedes Angebot im Netz, welches auch nur halbwegs in der Lage ist, einen zeitgemäßen Web-Auftritt hinzulegen. Jetzt versucht man sich wieder einer Facebook-Funktion zu bedienen und stellt sich dabei erneut so ungeschickt und unprofessionell an, dass es mich innerlich schon ein wenig daran zweifeln lässt, dass es irgendjemand bei Holtzbrinck noch ernst meinen kann mit der einst so beliebten Studentenplattform.
In Anlehnung an die vor ungefähr eineinhalb Jahren bei Facebook eingeführten "Pages", die neulich erst komplett überarbeitet wurden und sich nun "öffentliche Profile" nennen, wird man in Zukunft bei studiVZ und meinVZ "Edelprofile" einführen.
Bevor ich hier jetzt lange erkläre, was ein Edelprofil ist, lassen wir es doch lieber die Profis selbst erklären:
So also präsentiert man sich in 2009? Mir ist schon klar, dass man damit nur die bahnbrechende Innovation verkaufen will, dass man Fotos und Videos in eine Profilseite einbetten kann, aber ein ganz kleines bißchen professioneller wäre es vielleicht doch gegangen, oder??
Nochmal zurück zu dem immer noch/wieder aktuellen Vergleich zwischen Facebook und der Studentenplattform: Wenn man die Angebote vergleicht, werden einem gleich viele Dinge bekannt vorkommen.
So kann man beispielsweise auf die Angebote zugreifen, ohne eingeloggt zu sein. Bei den Edelprofilen fehlt die Funktion, um das Profil zu den Freunden hinzuzufügen. Dafür gibt es die Möglichkeit, "Finde ich gut" anzuklicken, was dann wohl das Pendant zu Facebooks Fan-Funktion sein dürfte. Wozu man die Gruscheln-Funktion dort allerdings beibehält, entzieht sich meiner Kenntnis. Falls man sich übrigens für "Finde ich gut" entscheidet, erscheint folgendes Fenster:

Demnach soll ich immer mitbekommen, wenn es was Neues gibt. Bin gespannt, wie das funktionieren soll, denn sowas wie einen News-Feed gibt es ja bekanntermaßen nicht für die VZs.
Auf technischer Seite fällt auf, dass bewegte Bilder Einzug halten in die betagte Studentplattform. Im Beispiel des Edelprofils "studiVZ Ltd" hat man MyVideo- und YouTube-Clips eingebunden, was sich aber auch unerfreulich auf die Ladezeiten der Seite auswirkt. Letzteres will ich aber nicht entgültig bewerten, weil an der Seite schließlich noch gebastelt wird.
Ansonsten ist die Seite ähnlich aufgebaut wie die "normalen" User-Profile – also wieder etwas, was man bei Facebook so schon sehen kann.
Bleibt noch zu klären, ob das Angebot kostenpflichtig sein wird und – wenn ja – wie teuer es sein wird. Da es sich ja namentlich an die "Edelgruppen" anlehnt, bin ich eigentlich recht sicher, dass man auch die Edelprofile dazu benutzen wird, den ein oder anderen Euro an Land zu ziehen. In den Kommentaren zum oben bereits verlinkten netzwertig-Artikel findet sich eine Information, die nicht offiziell bestätigt werden kann und die ich somit hier nur ungefiltert weitergeben kann. Demnach schwebt eine Summe von 3000 Euro monatlich für so ein Deluxe-Profil im Raum. Sollte es tatsächlich stimmen, wäre es eine Unverschämtheit, wenn ich mir überlege, dass die identische Funktion bei Facebook – lasst mich nachrechnen – ziemlich genau 3000 Euro monatlich günstiger wäre.
Davon abgesehen, dass ein so teures Feature einer Totgeburt gleichkäme, bin ich auch der Meinung, dass man sich mit dem Namen "Edelprofil" suboptimal aus der Affäre gezogen hat. Man lässt meines Erachtens nämlich auf diese Weise eine zwei-Klassen-Gesellschaft entstehen bei studiVZ und ich habe keine Lust, mich in die Network-Unterschicht einzuordnen.
Vielleicht liest hier ja jemand mit, der Einblick in die studiVZ-Szene hat. Wäre toll, wenn dieser Mensch mir erklären könnte, wieso ich – als an Werbung interessiertes Unternehmen – einen Haufen Kohle in ein solches Profil stecken sollte, wenn ich weltweit nutzbare Kanäle wie Facebook oder Twitter kostenlos nutzen kann. Will mir nicht in den Kopf und für eine kleine Hilfe bei diesem Logikproblem wäre ich ernsthaft dankbar.
(via mehrblog.net)




