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08 Apr, 2009

YouTube-bashing galore

Posted by: Casi In: Media| Musik| zweipunktnull

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Noch immer – logischerweise – kochen die Gemüter angesichts der YouTube-GEMA-Fehde, die seit dem 1.April stattfindet. Versteht mich nicht falsch: Ich bin durchaus nicht der Meinung, dass man so einfach in Gut/YouTube und Böse/GEMA aufteilen kann. 

Klar, dass man diese Thematik wesentlich differenzierter betrachten muss und es finden sich logischerweise einige interessante Blog-Artikel zu dem Thema. Netzwertig hat als Gastautor Petar Djekic von mufin für einen Gastartikel zu diesem Thema gewinnen können, während Alper Iseri bei Basic Thinking sogar O-Töne von der GEMA-Pressesprecherin Bettina Mueller einfangen konnte.

In beiden Beiträgen kann man erkennen, dass prinzipiell erst einmal die GEMA unter Zugzwang ist, ein hoffnungslos veraltetes Gebührenmodell zu reformieren. Dem schließe ich mich an, unabhängig von jedem Geschäftsgebaren seitens Google oder jedes anderen Wettbewerbers. Wir rechnen heute nicht mehr in Vinyl, Leute! Es kann doch nicht so schwer sein, die Zeichen der Zeit zu erkennen, oder? Ich habe mit Sicherheit kein Patentrezept parat, aber dass etwas grundlegend verändert werden muss, erschließt sich selbst einem Musikbusiness-Laien wie mir.

Trotzdem möchte ich den schwarzen Peter jetzt nicht nur der GEMA alleine in die Schuhe schieben, denn wie ich gestern bereits berichtet habe, fährt auch Google nicht immer eine nachvollziehbare Politik. So sind auch heute die gestern von mir rausgesuchten Links zu unseren Top Ten-Hits alle noch vorhanden. Findet man die Videos nicht oder spielt man einfach auf Zeit, weil schließlich jedes noch so kleine Stück Content die wichtigen Werbeeinnahmen generiert? Vermutlich findet sich die Wahrheit wieder mal irgendwo in der Mitte. 

Klar bremst Google, aber andererseits kann man auch nicht den Content so kontrollieren, wie es die GEMA gerne hätte. Wie will YouTube denn erkennen, ob ich beispielsweise ein Musikvideo selbst hochgeladen habe und statt mit "Kings of Leon – Use somebody" lieber mit "Geiler Song" betitel? Oder ob ich mich per Vlog an mein Publikum wende und den Song einfach im Hintergrund dudeln lasse? Wäre man konsequent, müsste man sagen: "Alles klar, Freunde – das war’s in Deutschland, so lang ich den Content nicht kontrollieren kann, gehen die Lichter hier komplett aus!" 

Macht Google aber nicht, logisch. Stattdessen ist man damit beschäftigt, sich in Kleinkinder-Manier gegenseitig die Schuld in die Schuhe zu schieben und bewegt sich dadurch keinen Millimeter von der Stelle. Der Dumme ist – Überraschung – der User. Zumindest fürs Erste…denn über kurz oder lang wird sich noch der Künstler hinzugesellen und noch ein wenig später auch die Prominenz aus den Geschäftsetagen der Musikindustrie.

Das ist das, was mich gerade ein wenig bescheuert macht. Wie kann man denn sehenden Auges in seinen eigenen Untergang rennen? Man sagt der Musikindustrie, dass man dringend einen neuen Weg beschreiten muss, wenn man überleben will, denn auf dem aktuellen Weg lauert ein Abgrund – und was macht die Industrie? Genau – sie nimmt noch mehr Fahrt auf. Da pack ich mir an die Birne! Bei der Bundeswehr hat man mir seinerzeit beigebracht: "Wenn schon scheiße, dann scheiße mit Schwung" und genau nach diesem Prinzip wird auch der Musik-Karren gerade in den Dreck manövriert.

Wir sind kein Volk von 80 Millionen Verbrechern, die einer ganzen Industrie, einigen Stars und unzähligen kleinen Musikern an den Kragen will. Wir sind auch nicht diejenigen, die nicht verstehen, dass die Arbeit, die kreativen Prozesse, die Produktionskosten usw honoriert werden sollen. Es geht einfach nur darum, dass die Welt sich weiterdreht und der Verteil-Schlüssel ein anderer sein muss, daran ändert eine sterbende Zunft nun mal nichts. Ich komme aus dem Ruhrgebiet, lebe dort sehr gerne – und trotzdem kann mich niemand davon überzeugen, meine Wohnung mit Kohle zu heizen, weil meine Region mal davon abhing oder weil die Kohle uns jahrzehntelang gute Dienste geleistet hat.

Am liebsten würde ich noch weiter ausholen, aber dann würde dieser Artikel epische Dimensionen annehmen, die ich weder Euch noch mir selbst zumuten möchte. Zu viele Baustellen gibt es, an denen man merkt, dass das Internet nur äußerst gemächlich in den Köpfen ankommt. GEMA, GEZ, die Plattenindustrie, die Medienbranche, die Filmindustrie – überall wird gejammert und das ist auch bis zu einem gewissen Grad legitim. Denn ich bin persönlich ja auch daran interessiert, beruflich meinen Arsch zu retten und kämpfe darum, kein Opfer einer Finanz- oder sonstigen Krise zu werden. Aber ich muss dabei beweglich bleiben. Genau das haben konstitutionelle Dinosaurier oft verlernt – einfach, weil man sich ewig nicht bewegen brauchte und es irgendwie dennoch funktionierte. In Zukunft funktionieren die Dinge nicht mehr so wie früher und plötzlich ist alles in heller Aufruhr und versucht nun, irgendwie anders seine Schäfchen ins Trockene zu kriegen.

Erst heute wieder habe ich unzählige Artikel gesehen mit den neuen Preismodellen von iTunes, Amazon und Co. Man wollte das Pricing "flexibler" gestalten und variiert daher seine Preise. Da weiß ich ehrlich gesagt nicht, ob ich lachen oder kotzen soll, denn scheinbar finden sich wesentlich mehr verteuerte Songs in den Portfolios als vergünstigte.

Nicht nur, dass auf diese Weise versucht wird, den ein oder anderen Cent mehr einzukassieren, jetzt fühlen sich sogar ganz andere Protagonisten dazu berufen, ebenfalls die ganz große Peitsche rauszuholen und es wiederum YouTube zeigen zu wollen. So hat unlängst Sarah-Brightman-Produzent Frank Peterson Unterlassungsklage eingereicht.

Wie lange ist YouTube jetzt am Start? Etwas länger als vier Jahre? Und genau jetzt fällt ihm auf, dass das beste Pferdchen in seinem Stall dort mit unzähligen Clips vertreten ist? Zitat aus dem laut.de-Artikel:

Für Peterson handelt es sich bei diesem Angebot um nichts anderes als "Video-Filesharing". Sein in der Sache tätiger Anwalt Jens Schippmann hantiert recht diffus mit unscharfen Begrifflichkeiten: "Was YouTube treibt, ist genauso verboten wie Napster, Grokster oder wie die P2P-Netzwerke alle heißen."

Er fordert knapp 5 Cent pro Stream – eine Forderung, bei welcher sicher nicht nur YouTube und mir der Atem stockt. Er wird hier leider nicht mitlesen, aber dennoch würde ich mir gerne von ihm erklären lassen, wieso ein Musikvideo – also eine Werbemaßnahme für einen Song – 5 Cent bei bloßer Betrachtung kosten soll, während die Industrie witzigerweise dem gleichen Mutterkonzern zugesteht, in China die Downloads der gleichen Songs kostenlos an 1,3 Milliarden Chinesen zu verschenken.

Da lamentieren meistens weniger bringt als die Ärmel hochzukrempeln, haben nun Simon Rabente und Till Hess beschlossen, etwas zu unternehmen. So haben sie auf der Seite saveem.net eine Unterschriftensammlung initiiert, mit der man YouTube und die GEMA mit vernünftigen Forderungen an den Verhandlungstisch zurückbewegen möchte. Auf Basic Thinking verraten die beiden, dass sie schon mit einer fünfstelligen Teilnehmerzahl zufrieden wären und sich damit dann in anvisierten zwei bis drei Wochen an die GEMA und Google wenden wollen. 

Aktuell haben bei der frisch gestarteten Aktion bereits 479 Leute unterschrieben – und ich geselle mich gleich hinzu und hoffe, der ein oder andere von Euch zieht mit. Vielleicht bringt uns diese Aktion nicht weiter, schaden wird sie jedenfalls mit Sicherheit auch nicht!

  • Vielen Dank für den Link auf die Unterschriftenliste www.saveem.net in einem äußert interessantem und differenziertem Artikel!

    Leider ist die Aktion etwas ins Stocken geraten. Wir haben schon fast mehr Twitter-Follow als Unterschriften! Komische Welt...
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