20 Apr, 2009
Auf Platz Eins der Top 100: Das Sonderangebot der Woche
Posted by: Casi In: Musik| e-commerce
Tja, jetzt ist es seit einigen Tagen amtlich und die MP3-Platzhirsche wie iTunes und Amazon verticken die Songs nun zu unterschiedlichen Preisen. Diese Veränderung wurde – logischerweise – nicht mit sehr großer Begeisterung aufgenommen, denn unter den Downloads befinden sich wesentlich mehr verteuerte als günstige Lieder. Jetzt bin ich via basicthinking auf eine Story beim Online-Ableger des Billboard-Magazines gestoßen, welche mit interessanten Fakten aufwarten kann.
Demzufolge scheint es durchaus Auswirkungen auf die Entwicklung der iTunes-Charts zu haben, welchen Preis der Download hat.
Am Mittwoch – also einen Tag nach der Preisumstellung – gab es in den Top 100 40 Songs, die den neuen Höchstpreis 1,29 $ kosten und 60 Songs mit dem alten Preis in Höhe von 0,99 $. Noch am selben Tag fielen die teureren Titel im Schnitt um 7,7 Plätze, während die günstigeren MP3s im Schnitt um 2,5 Plätze zulegen konnten. Noch mehr Zahlenspiele gibt es direkt im oben verlinkten Billboard-Artikel, die allesamt belegen, dass sich die günstigeren Downloads erfreulicher in den Charts platzieren können als die teuren.
Mich würde jetzt mal interessieren, ob das ein MP3-spezifisches Phänomen ist, oder ob es auch bei den klassischen Tonträgern auch immer schon so funktioniert hat.
Bedeutet diese Entwicklung nun, dass die Charts, wie wir sie kennen, eine komplett andere Gewichtung bekommen? Und wäre das beängstigend? Oder vielleicht sogar toll für die Nutzer, weil man evtl darauf spekulieren kann, dass die Labels die Songs extra günstig verschleudern, um sie höher positionieren zu können? Oder ist es einfach irrelevant angesichts unserer Charts, bei deren Auswüchsen ich mich dagege sträube, sie als das anzuerkennen, was in diesem Land am meisten gehört wird.
Auch, wenn Sprichwörter was anderes versprechen, läßt sich über Geschmack natürlich vortrefflich streiten. Da das hier aber zu nichts führen würde, verlasse ich jetzt auch mein unsere-Charts-sind-scheiße-Jammertal und wende mich komplett anderen Charts zu: Auf wearehunted.com findet Ihr unter der Definition "online music chart" exakt das, was der Begriff verspricht: Eine Übersicht dessen, was die Internet-Nutzer wirklich hören im Netz. Dazu werden Social Networks erfasst, Blogs, P2P-Dienste, Twitter usw und zu den Top99 zusammengefasst.
Aber ehrlich gesagt traue ich auch hier dem Braten nicht recht. Welche Algorithmen greifen denn da, damit man auf diese Top9 kommt?

Nichts gegen die Acts, die wie z.B. The Streets, ja auch durchaus große Namen haben, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das ein repräsentativer Querschnitt dessen sein soll/kann, was im Netz gehört wird. Viel wird – was ja auch durchaus okay ist – davon abhängen, wie man sich als Künstler mit den viralen Möglichkeiten des Netzes auseinandersetzt.
Möchte man über die Seite einfach auf Entdeckungsreise gehen und vielleicht den ein oder anderen Song oder Künstler für sich entdecken, ist man hier durchaus richtig, denn man kann sich alle Tracks in voller Länge anhören und wird auf Wunsch direkt zu iTunes weitergeleitet.
Anzeigen lassen könnt Ihr Euch diese Charts übrigens nach den Filtern today/week/month und das sowohl für Tracks als auch Künstler. Zudem könnt Ihr Euch via Facebook Connect einloggen und die Songs kommentieren, Bandinfos einholen und nach verwandter Musik Ausschau halten.
Also für mich persönlich funktioniert es auch nur als Musikentdeckungstool, da bin ich aber durch last.fm und blip.fm eigentlich schon recht ordentlich bedient. Vielleicht fände ich "we are hunted" reizvoller, wenn man sich Playlisten zusammenstellen könnte oder zumindest die Top 99 hintereinander abspielen lassen könnte statt jeden Track einzeln anzuwählen.
Sollte ich jetzt ein Fazit ziehen, welches die Entwicklung der beiden hier im Artikel beschriebenen Hitlisten zusammenfasst, dann würde ich vermutlich wieder da landen, wo ich gedanklich schon längst bin: Der physische Tonträger überlebt mehr oder weniger nur noch als Sammelobjekt, Dinosaurier-Businessmodelle funktionieren zukünftig nicht mehr und das A und O in der Branche wird sein, wie man sich und sein Produkt im Netz verkaufen kann.
Man muss weg vom Modell, welches vorsieht, dass man für einen Stream oder einen Download einen so unangemessenen Betrag verlangt. Stattdessen sollte man einfach das Internet mit seinen Möglichkeiten für sich arbeiten lassen, oder glaubt Ihr, dass eine arbeitslose Frau ohne Plattenvertrag jemals wieder Geldprobleme haben wird, nachdem Ihr Auftritt bei YouTube mittlerweile 33 Millionen mal betrachtet worden ist?




