Gesucht wird dieser Kerl:

Die ganze Blogosphäre Deutschlands feiert heute den Feiertag der Blogliebe und verlinkt alles, was nicht bei drei auf den virtuellen Bäumen ist. Die ganze Blogosphäre? Nein, ein unbeugsamer Möchtegern-Blogger hört nicht auf, erbitterten Widerstand zu leisten.
Das ist so formuliert natürlich Quatsch, zum einen wehre ich mich ja nicht wirklich gegen die gelungene Aktion von Kai Müller, der heute zur I love Blogs-Aktion aufgerufen hat, und zum anderen bin ich ja nicht der einzige, der heute versäumt hat, seine geheimen Blogperlen herauszukramen.
Wieso ich an der Aktion nicht teilnehme, habe ich ja bereits in meinem "Buzz"-Artikel geschildert. Für diejenigen, die von der Aktion nichts mitbekommen haben (wie um Gottes Willen das auch möglich sein kann): Kai, der Stylespion hat für heute einen Blog-Tag ausgerufen, an welchem alle teilnehmenden Blogger sich bereit erklären, ein paar Links von favorisierten Blogs herauszuhauen, vorzugsweise am besten Blogs, die nicht sowieso schon in der Blogroll auftauchen.
Grundsätzlich nix einzuwenden gegen Verlinkungen. Verlinken ist toll, Blogrolls sind toll, Quellen nennen ist nicht nur toll sondern das Minimum dessen, was man demjenigen schuldig ist, der die Vorlage für den eigenen Beitrag geliefert hat – ergo eine Selbstverständlichkeit.
In meinem Artikel habe ich versucht klarzustellen, dass ich sowohl Kai als auch sein Blog schätze und dennoch nicht ganz glücklich mit der Aktion bin. Ein klein wenig Kalkül unterstelle ich ihm sowieso dabei, aber das ist ja auch legitim – die Schreiberei ist sein Beruf und diesen Beruf versucht er natürlich so erfolgreich wie möglich auszuüben. Heute war er sehr erfolgreich in diesem Job, zweifellos.
Mich stört vielleicht am ehesten dieser depressive Betroffenheits-Ansatz von der sterbenden, dahinsiechenden Blogosphäre, die heute feierlich gerettet werden soll. Mir persönlich geht es hervorragend hier in meinem Blog. Ich verlinke, ich werde verlinkt – und noch besser: ich werde gelesen. Alles in einem überschaubaren Rahmen, versteht sich.
Ich schätze auch solche Aktionen, wenn ein Robert Basic oder wer auch immer mal eine Handvoll Empfehlungen raushaut oder wenn Freund Caschy die Linkpeitsche schwingt. Nicht zuletzt auf diese Art und Weise wird man doch auch selbst Blogger – weil man irgendwie über einen Link gestolpert ist, der einen inspiriert, amüsiert, motiviert und man sich entscheidet, etwas Ähnliches tun zu wollen. Zumindest war es bei mir der Fall.
Wieso ich mich dann gegen diese Aktion sträube? Schaut Euch mal rivva an heute! Hunderte Blogs haben mitgezogen. Das ist ein Riesenerfolg für Kai, und der clevere Kamerad hat an sein Blog-Love-Logo nicht zum Spaß ein "#1" drangehängt, die Wiederholung ist also quasi beschlossene Sache. Der Punkt ist, dass viele dieser unzähligen Links verpuffen werden. Ich lese selbst gerne und viel und logischerweise auch viele Blogs, aber ich werde mir jetzt nicht die Nacht damit um die Ohren hauen, Blog für Blog in meinem Reader abzuklappern und mir die dort verlinkten Tipps reinzuziehen. Mit "reinziehen" meine ich, dass ich gerne mal ein paar Artikel mehr lese, um für mich zu erkennen, ob ich das gerne in meinem Google Reader hätte. Aber wenn ich das lediglich bei drei Blogs tun würde, die jeweils fünf weitere Blogs empfehlen, lese ich also schon 15 Blogs an, um mich von der Qualität zu überzeugen.
Ich habe das Gefühl, dass dabei dann ganz viele tolle Blogs einfach untergehen werden, die viel mehr Aufmerksamkeit hätten, wenn man sie an einem x-beliebigen anderen Tag empfohlen hätte.
Schlimm finde ich es übrigens, wenn als Resultat aus dieser gut gemeinten Aktion solche Beiträge entspringen. Da wird jetzt einmal die ganz große Link-Keule geschwungen und mit einem Schlag ist die deutsche Blogosphäre gerettet…Hut ab!




