Nokia, der finnische Mobiltelefon-Gigant, hatte bei mir noch nie einen leichten Stand. Früher gefielen mir die Produkte allein schon von der Optik und den Funktionen nicht, dann gab es für mich ein zweijähriges Nokia-Intermezzo mit dem 6230 und danach war es auch schon wieder – zumindest für mich – vorbei mit der skandinavischen Herrlichkeit. Für uns Ruhrpott-Natives hat sich das Thema sowieso erledigt, seit man sein Werk in Bochum dichtgemacht hat und mittlerweile im neuen Standort in Rumänien ordentlich auf die Fresse zu fallen scheint.
Will man mein Herz zurückerobern, klappt das vielleicht noch am ehesten mit Musik – Nokia hat diesbezüglich ja schon länger was im Köcher. Comes with music nennt sich deren Projekt und ist eine Musikflatrate fürs Handy. Der Spaß ist letzten Herbst bereits in England mit mäßigem Erfolg gestartet und erreicht Deutschland am 08. Mai.
Bald also können sich alle Handy-Nutzer in Deutschland kostenlos für ein Jahr mit ihren Lieblings-Songs der vier großen Player EMI, Warner, Universal und Sony eindecken. Oh, kleiner Flüchtigkeitsfehler: Es können sich nämlich nicht alle Handy-Nutzer damit eindecken, sondern logischerweise nur Nokia-Besitzer. Das grenzt den potentiellen Interessentenkreis schon mal ein wenig ein. Erst recht, wenn man weiß, dass man zum Start nur aus einem Telefon-Pool von vier Geräten wählen kann(5630 XpressMusic, 5800 XpressMusic, N95 8GB und N79).
Noch ein wenig übersichtlicher wird der Kundenkreis, wenn man weiß, dass man sich zu Beginn des Dienstes zwingend über Mobilcom anmelden muss, um ihn in Anspruch nehmen zu können. Gekoppelt an einen 25 Euro-Tarif und zusammen mit dem zwingend notwendigen Datentarif zahlt man also schlappe 35 Euro im Monat. Jetzt kommen wir so langsam an den Punkt, an dem ich über Comes with music nicht mehr lachen kann.
Da man ja nicht auf alles achten kann, was in den Medien diskutiert wird, haben die finnischen Entwickler leider auch nicht wahrgenommen, dass es ein klitzekleines Akzeptanzproblem beim fast flächendeckend abgeschafften DRM-Modell gibt. Aber hey – immerhin kann man ja auch einen (!) PC registrieren, auf welchem man die Musik dann auch unabhängig vom Handy abspielen kann – nur mit der Nokia-Software versteht sich. Zum Glück kann man die Musik (WMA-Dateien, 192kb/s) mit dieser Software auch auf CD brennen – kostet nur einen unverschämt günstigen Euro pro Song!!
Na? hab ich Euch den Mund wässrig gemacht? Dann nichts wie los – 23000 eifrige Nokia-Kunden in Großbritannien (60 Millionen Einwohner) können nicht irren, oder doch?
Wenn ich mir übrigens die Comes with music-Seite anschaue, muss ich feststellen, dass zu der oben genannten Problematik auch noch ein weiteres hinzu kommt – der durchschnittlich begabte C-Promi hat eventuell Probleme bei der Aussprache des Dienstes ;)
Wollt Ihr nun abschließend noch ein Fazit, was ich von dem Angebot halte – oder ist das im Artikel ansatzweise durchgeklungen, dass man diesen Service meiner Meinung nach in die Tonne treten kann? Passendes Hash-Tag wäre wohl #totgeburt




