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24 Apr, 2009

Musik im Netz: Auch Nokia hat es nicht kapiert

Posted by: Casi In: Musik|mobile

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Nokia, der finnische Mobiltelefon-Gigant, hatte bei mir noch nie einen leichten Stand. Früher gefielen mir die Produkte allein schon von der Optik und den Funktionen nicht, dann gab es für mich ein zweijähriges Nokia-Intermezzo mit dem 6230 und danach war es auch schon wieder – zumindest für mich – vorbei mit der skandinavischen Herrlichkeit. Für uns Ruhrpott-Natives hat sich das Thema sowieso erledigt, seit man sein Werk in Bochum dichtgemacht hat und mittlerweile im neuen Standort in Rumänien ordentlich auf die Fresse zu fallen scheint. 

Will man mein Herz zurückerobern, klappt das vielleicht noch am ehesten mit Musik – Nokia hat diesbezüglich ja schon länger was im Köcher. Comes with music nennt sich deren Projekt und ist eine Musikflatrate fürs Handy. Der Spaß ist letzten Herbst bereits in England mit mäßigem Erfolg gestartet und erreicht Deutschland am 08. Mai.

Bald also können sich alle Handy-Nutzer in Deutschland kostenlos für ein Jahr mit ihren Lieblings-Songs der vier großen Player EMI, Warner, Universal und Sony eindecken. Oh, kleiner Flüchtigkeitsfehler: Es können sich nämlich nicht alle Handy-Nutzer damit eindecken, sondern logischerweise nur Nokia-Besitzer. Das grenzt den potentiellen Interessentenkreis schon mal ein wenig ein. Erst recht, wenn man weiß, dass man zum Start nur aus einem Telefon-Pool von vier Geräten wählen kann(5630 XpressMusic, 5800 XpressMusic, N95 8GB und N79).

Noch ein wenig übersichtlicher wird der Kundenkreis, wenn man weiß, dass man sich zu Beginn des Dienstes zwingend über Mobilcom anmelden muss, um ihn in Anspruch nehmen zu können. Gekoppelt an einen 25 Euro-Tarif und zusammen mit dem zwingend notwendigen Datentarif zahlt man also schlappe 35 Euro im Monat. Jetzt kommen wir so langsam an den Punkt, an dem ich über Comes with music nicht mehr lachen kann.

Da man ja nicht auf alles achten kann, was in den Medien diskutiert wird, haben die finnischen Entwickler leider auch nicht wahrgenommen, dass es ein klitzekleines Akzeptanzproblem beim fast flächendeckend abgeschafften DRM-Modell gibt. Aber hey – immerhin kann man ja auch einen (!) PC registrieren, auf welchem man die Musik dann auch unabhängig vom Handy abspielen kann – nur mit der Nokia-Software versteht sich. Zum Glück kann man die Musik (WMA-Dateien, 192kb/s) mit dieser Software auch auf CD brennen – kostet nur einen unverschämt günstigen Euro pro Song!! 

Na? hab ich Euch den Mund wässrig gemacht? Dann nichts wie los – 23000 eifrige Nokia-Kunden in Großbritannien (60 Millionen Einwohner) können nicht irren, oder doch?

Wenn ich mir übrigens die Comes with music-Seite anschaue, muss ich feststellen, dass zu der oben genannten Problematik auch noch ein weiteres hinzu kommt – der durchschnittlich begabte C-Promi hat eventuell Probleme bei der Aussprache des Dienstes ;)

Wollt Ihr nun abschließend noch ein Fazit, was ich von dem Angebot halte – oder ist das im Artikel ansatzweise durchgeklungen, dass man diesen Service meiner Meinung nach in die Tonne treten kann? Passendes Hash-Tag wäre wohl #totgeburt

 

 

  • Ganz schön heftige Bedingungen. Da kaufe ich mir meine Alben doch lieber weiterhin für 5 Euro in einem MP3-Download-Shop.
  • Also wenn das kein Fall auf die Fresse wird, sind die Deutschen blöder, als ich dachte.

    @Oliver Springer: Das iPhone bietet aber um einiges mehr als Nokia mit diesem Angebot. Natürlich muss man für die Song-Downloads dort 79-129ct zahlen, aber die sind dafür DRM-frei. Außerdem ist der App Store imo eine echt heiße Angelegenheit - was es da nicht alles gibt... ich habe mir zum Beispiel heute einen Führerschein-Trainer gekauft, für 13 Euro. Das klingt im ersten Augenblick teuer, wenn man es aber mit den Preisen von anderen Programmen/CDs/Fragebögen vergleicht, ist es das nicht und die App hilft bei der Vorbereitung auf die theoretische Prüfung wirklich enorm.

    Dass monatliche 40-100 (wie teuer isses denn egtl?) nicht billig sind, ist klar, aber in meinen Augen bekommt man dafür wenigstens nicht nur Mist.
  • Es sollte klar sein, dass man zu diesem Preis keine Musikflatrate ohne DRM bekommen kann.

    Bei den Mobilfunktarifen so wenig flexibel zu sein, wiegt da schon viel schwerer, finde ich.

    Aber: Manch anderes interessante Angebot im Bereich Mobilfunk leidet ebenfalls durch einigen Minuspunkte. Nur dass sich da dann nicht so viele drauf einschießen.

    Nehmen wir doch mal das iPhone - comes with t-mobile, könnte man da spontan dichten. Und was man da monatlich auf den Tisch legen muss, wäre ja auch so ein Thema.

    Ob Nokia nun einen großen oder nur einen kleinen Fehler macht, hängt von den Zielen des Unternehmens ab. Möchte man vor allem diese vier Geräte verkaufen und für diese ein Alleinstellungsmerkmal schaffen, ergibt die Beschränkung einen Sinn.
  • Meistens gehen wir echt konform in unseren Ansichten, hier jedoch geht die Meinung klar auseinander. Ich halte es jedenfalls schon mal für falsch, diese Preispolitik mit dem iPhone zu vergleichen. Klar handelt es sich auch da nicht um ein allzu kundenfreundliches Tarifmodell bei T-Mobile, aber man erhält natürlich ein ganz anderes Kaliber als die propagierten Nokia-Geräte.
    Dazu hinkt der Vergleich meines Erachtens auch, weil man ja in meinen Augen nicht in erster Linie vier Produkte verkaufen will, sondern eine Plattform etablieren möchte, die neben Amazon, iTunes und Co Bestand hat. Das halte ich für einen fatalen Irrtum und die Zahlen aus England scheinen mir das zu bestätigen.

  • Nokia gibt´s noch???
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