27 Apr, 2009
Meine Stimme zählt: Deutschland sucht den Gruschel-Kanzler
Posted by: Casi In: Politik|Social Networks|zweipunktnull
Aus studiVZ wird politVZ – anders kann man diese riesengroß angelegte Kampagne wohl nicht beschreiben. Ab Mai wird man die Nutzer auf meinVZ und studiVZ mit der Aktion "Meine Stimme zählt" beglücken. Markus Berger de León dazu:
Mit unserer Aktion ‘Meine Stimme zählt!’ wollen wir Millionen junger Wähler mobilisieren, politische Inhalte neuartig vermitteln und den Dialog zwischen politischen Entscheidungsträgern und unseren Mitgliedern deutlich erhöhen. Wir sind überzeugt, dass unsere Aktivitäten den Wahlkampf entscheidend prägen werden.
Bis auf den letzten Satz liest sich das sogar richtig gut. Ist mein Blog ansonsten ja durchaus ein Hort reinsten studiVZ-Bashings, so muss ich hier anerkennen, dass man da scheinbar eine starke Aktion mit ebenso starken Partnern (ZDF, Spiegel, Zeit, Tagesspiegel, etc) auf die Beine gestellt hat. Wenn ab Mai dann die "Wahlzentrale" in den beiden VZs eröffnet ist, kann jeder User einen "Meine Stimme zählt"-Button in sein Profil einbinden und sich selbstverständlich mit "seinem" Spitzenkandidaten bzw seiner Partei vernetzen und auf kürzestem Weg die Informationen erhalten, die für seine Stimmabgabe relevant sein könnten.
Einmal wöchentlich wird die "Sonntagsfrage" gestellt, um Tendenzen zu erkennen und ab August gibt es zudem eine Deutschlandkarte online, in der alle Wahlkreise samt Kandidaten vorgestellt werden. Interessanterweise hat bislang nur die CDU ein offiziell bestätigtes Partei-Profil, während die anderen Parteien lediglich auf "normale" VZ-Gruppen verlinken.
Ich bin gespannt darauf, wie die Parteien diese Möglichkeit der Interaktion mit jungen Wählern nutzen werden. Einen Vorgeschmack liefern da die bereits seit heute freigeschalteten Edelprofile der jeweiligen Spitzenkandidaten:
Die Links führen zu den meinVZ-Profilen, logischerweise klappt das aber auch beim studiVZ.
Auf diesen Edelprofilen – ähnlich dem bereits hier beschriebenen Spiegel-Profil – ist man glücklicherweise nicht so sehr eingeschränkt und kann sich daher durchaus ansehnlich in Szene setzen, wobei man jetzt schon erkennen kann, dass die Protagonisten verschiedene Schwerpunkte setzen.
Alle binden YouTube-Clips ein, es wird fleißig auf die Partei-Seiten verlinkt und teilweise werden auch Flickr-Fotos angeboten. Die grünen Kandidaten sprechen im Gegensatz zu Frank-Walter Steinmeier und Angela Merkel die VZ-Nutzer direkt an und Guido Westerwelle tut das sogar per Videobotschaft, in welcher er sich ausdrücklich auch aufs Gruscheln freut – und hey, der Mann hält Wort ;)

Auf Facebook hört sich das ganze natürlich ähnlich an:
So oder so jedenfalls ein Auftritt, mit dem er sich sehr nahe bei den VZ- bzw Facebook-Usern zeigt – mal sehen, was die anderen Kandidaten da künftig noch auf die Beine stellen werden.
Wie gesagt, ich finde die Konzeption durchaus gelungen, die Edelprofile sehen auch bereits jetzt schon ansehnlicher aus als das Spiegel-Desaster, aber ich bezweifle, ob die Aktion die Tragweite erfahren wird, die der studiVZ-CEO ihr in oben erwähntem Zitat andichtet.
Der Tenor in den Medien scheint mir eher der zu sein, dass die Relevanz des Internets nicht so hoch ist, wie man nach dem Obama-Boom glauben möchte, und dass die Plattformen, die wenigstens eine kleine Rolle spielen könnten, eher Facebook und Twitter heißen.
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