Endlich mal wieder! Endlich konnte ich mal wieder an einen Begriff ein "2.0" anhängen, ohne dass es künstlich oder abgedroschen wirkt – oder hat jemand von Euch jemals eine Kneipe mit diesem Anhängsel versehen?
Worum es geht? Ich wohne in der Dortmunder Innenstadt, was unschätzbare Vorteile, aber auch den ein oder anderen Nachteil mit sich bringt. Einer dieser Nachteile ist zum Beispiel, dass man einigermaßen schlecht schlafen kann, wenn zwei Stockwerke unter einem ein Asia-Pub eine seiner lustigen Karaoke-Veranstaltungen durchzieht, die auch unter der Woche nicht vor fünf Uhr morgens zu Ende sind und ganz gerne mal das gesamte Haus beschallen.
Unverschämte Lautstärke gepaart mit Unterbringung von illegal Eingereisten, Drogenhandel und Prostitution – das sind die Eigenschaften, nach denen man sich seinen Traum-Nachbarn zusammenbasteln würde, stimmts? Die Hausverwaltung, die örtliche Polizei und die Staatsanwaltschaft ließen sich da nicht lumpen und spendierten einen länger angelegten Urlaub auf Staatskosten, was mich seitdem wieder ruhiger schlafen lässt.
Womit aber natürlich noch nicht geklärt ist, wie lange ein solcher Zustand anhält und wer diejenigen sein werden, die die Kneipe und die dazugehörige Wohnung unter mir beziehen werden.
Einen Schritt weiter war ich, als per Schild die Eröffnung der "Halbzeit am Westentor" angekündigt wurde, zusammen mit dem Link zur Kneipen-Homepage mit dem ebenso einprägsamen wie konspirativen Titel westentor23.com.
Mit all der Selbstgefälligkeit eines mittelmäßig erfolgreichen Bloggers erkannte ich es bereits als Leistung an, dass ein Kneipenwirt in der Lage war, seine eigene Homepage zu registrieren und nahm mir vor, bei nächster Gelegenheit mal vorbeizuschauen, in welchem Licht sich die Seite präsentiert und machte mich innerlich darauf gefasst, eine Tribute-to-the-90s-Seite mit lustigen animierten Gifs zu betreten, aber da lag ich gründlich daneben.
Die Kneipen-Homepage kam als waschechtes Blog daher und haarklein konnte ich dort jeden Schritt des Umbaus, der Einrichtung und alles drumherum nachvollziehen. Nun ist es nicht zwangsläufig eine Sensation, wenn jemand gleichzeitig eine Kneipe und ein Blog betreibt, aber man merkt dem Blog an, dass jemand dahinter steckt, der sich auskennt mit dem, was man im Internet so anfangen kann. Erst später sollte sich rausstellen, dass der Besitzer der Halbzeit am Westentor so ziemlich das Gegenteil dessen ist, was man ein unbeschriebenes Blatt in Sachen Internet nennen könnte. Das könnt Ihr übrigens selbst nachvollziehen, wenn Ihr sein anderes Blog begutachtet oder unseren Freund Google nach ihm befragt ;) Wie es sich für ein Corporate Kneipenblog gehört, findet Ihr dort selbstverständlich auch die Getränkekarte als PDF-Datei.
Aber zurück zur Kneipe: Ich habe niemals vorher von einem Lokal gehört, in welchem eine Nerd-Ecke existiert. Das erkennt man auch daran, dass sich die Besitzer Anja (die übrigens auch bloggt) und Richie sämtliche Spitzenplätze bei Google gesichert haben mit dem Begriff "Nerdecke" ;)
Wie stellt man sich eine solche Ecke vor? Ganz einfach – man stellt einen internetfähigen Rechner auf! An der Deko für diese Ecke arbeiten die beiden noch, aber ich werde da bei Gelegenheit noch einmal vorbeischauen und die Ecke begutachten ;)
Der internetaffine Besucher kann also dort bei seinem Feierabend-Bier sowohl den Rechner als auch das Internet kostenlos benutzen, was bei der Einweihung auch scheinbar schon intensiv genutzt wurde. "Scheinbar" deswegen, weil ich leider zuvor ein klitzekleines bißchen zu viel Jägermeister inhaliert hatte und meine Besucher zwar noch nach unten begleitet, aber mich danach umgehend wieder auf den Heimweg gemacht habe, um mich von einem komatösen Heilschlaf dahinraffen zu lassen. Gnädigerweise haben sowohl Nadine als auch Caschy bei der Rückbetrachtung des Abends meinen Jägermeister-Fauxpas ausgespart – nichtsdestotrotz sind Jägermeister und ich fürs erste geschiedene Leute ;)
Außer einem PC mit Internetanschluß und ‘ner witzigen Sitzsackecke findet sich dort auch ein Bookcrossing-Bücherregal. Dort könnt Ihr Euch einfach bedienen, wenn Euch ein Buch gefällt – und logischerweise könnt Ihr dort auch Eure nicht mehr benötigten Bücher loswerden, wenn sie vom Westentor aus ihre Reise in die weite Welt antreten sollen. Ich selbst wurde von Richie aka korrupt direkt mit seinem eigenen Buch "Gulli Wars" beglückt – danke nochmal an dieser Stelle – und blicke jetzt ein wenig deutlicher, wer da seit kurzer Zeit direkt unter mir wohnt ;)
Für die nahe Zukunft fände ich es toll, wenn man die monatlich stattfindenden Bloggertreffen unter der Federführung von Tim ins Westentor verlegen könnte – was auch nur am Rande damit zu tun hat, dass ich scheißfaul bin ;)
Bis dahin möchte ich aber jeden internetaffinen Menschen dringend empfehlen, dort persönlich vorbeizuschauen, wenn er sich in Dortmund aufhält – und wenn Ihr mich vorher kurz antwittert, besteht sogar die Möglichkeit, dass ich auch noch die Treppen nach unten gehechtet komme ;)




