Über 46000 Menschen haben bereits die Petition gegen die Internetzensur unterzeichnet und nach wie vor werden es minütlich mehr. Das Tempo ist nicht mehr so hoch wie in den ersten beiden Tagen, aber das war ja auch nicht zu erwarten.
Jetzt gilt es – nachdem vermutlich jeder internetaffine Mensch bereits unterschrieben hat – aber dennoch, das Wort weiter zu verbreiten. Es geht jetzt nicht darum, dass die Petition erfolgreich wird – das ist sie schließlich jetzt schon. Es geht darum, dass man die Menschen erreichen muss, die auch gerne und oft im Netz unterwegs sind, aber immer noch nicht so recht wissen, worum es bei der Zensursula-Geschichte geht und wieso es was daran auszusetzen geben könnte, dass die Regierung augenscheinlich was Gutes – ein Gesetz gegen Kinderpornographie im Netz – anstrebt.
Ich habe es ja bereits in meinem Artikel "Unterschreibt!!" erwähnt, dass ich mit erreichten 50.000 Unterzeichnern noch lange nicht zufrieden wäre, weil es einfach mehr Leute mitbekommen müssen. Jetzt geht es einmal darum, einen fatalen Fehler noch in letzter Sekunde zu verhindern – und zum anderen geht es darum, den Medien in den Arsch zu treten, die das Thema entweder komplett falsch anfassen oder die Petition schlicht und ergreifend totschweigen.
Wir (Blogger) erzählen so gern davon, wie man Buzz erzeugt, wie schnell Twitter ist, wie viele Menschen man erreichen kann, wenn man die Social Media-Instrumente richtig nutzt und das das Web 2.0 uns mit der Möglichkeit, sich organisieren zu können, ein mächtiges Schwert an die Hand liefert – jetzt müssen wir aber auch dafür sorgen, dass wir diese Waffe richtig nutzen und diejenigen, die das deutsche Internet aus Berlin ausbremsen wollen, nicht lediglich mit einigen Schrammen davonkommen.
Wenn wir über Online-Wahlkampf reden und von viralen Effekten, dann müssen Aktionen wie eben diese Petition über den Geek- und Nerd-Status hinaus auch die breite Masse erreichen. Diejenigen, die tagtäglich das Internet nutzen, genauso wie diejenigen, die vielleicht nur sporadisch mal zum Mails-Abrufen vorbeischauen und eventuell gerade richtig verunsichert sind, was man im Netz machen sollte und was vielleicht lieber nicht.
Eine fantastisch einfache und anschauliche Erklärung des Problems, welches durch die Petition korrigiert werden soll, habe ich bei Oliver Gassner gefunden:
Einen weiteren tollen Artikel hat vorhin Thomas Knüwer verfasst, der sich positiv überrascht von dem bisherigen Erfolg der Petition zeigt. Knüwer kommt ebenfalls in einem Bericht des Medienmagazins "Zapp" zu Wort, welcher sich mit der Person Ursula von der Leyen beschäftigt und den Ihr in der NDR-Mediathek findet.
Darin wird Frau von der Leyen als das entlarvt, was sie wirklich ist: Eine durchaus kluge Frau, die aber diese Intelligenz dazu nutzt, sich clever in Szene zu setzen, statt sich mit den Sachverhalten und Problematiken eines Themas auseinanderzusetzen.
Genau das ist es auch, was diese Petition so wichtig macht: Frau von der Leyen darf nicht mit einem blaugen Auge davonkommen, was die Internetsperren angeht. Das Thema "Kinderpornografie" ist so unangenehm, weil man sich in unruhiges Fahrwasser begibt, wenn man öffentlich kritisiert, dass jemand etwas gegen eben jene unternehmen möchte. Wenn man auf diesem schwierigen Feld also einen Erfolg erringen könnte, wäre das ein ganz entscheidendes Zeichen, denn alle einfacher zu händelnden Themenfelder wie Steuern, Renten, Mindestlöhne etc wären wesentlich einfacher zu beackern als dieses Tabu-Thema.
Wer 50.000 Menschen mit einem solchen Thema erreichen kann, kann auch eine große Öffentlichkeit für jeden anderen Themenkomplex gewinnen. Die Zeiten verändern sich und man hat viel zu lange ohnmächtig die wenig nachvollziehbaren Schlinger-Kurse der Politik betrachten müssen. Nun könnte die Zeit gekommen sein, in der wir lernen, wie sich das Volk informieren und organisieren kann, und in der die Politiker lernen müssen, dass es eben viel zu viele Deutsche gibt, die sich nicht länger für dumm verkaufen lassen wollen. Angesichts weiterer dummer Ideen im Fahrwasser der Internetsperren-Debatte sollten wir auch keine Möglichkeit ungenutzt lassen, uns zu Wort zu melden.
Daher – auch, wenn es Viele bereits nervt – nochmal der Aufruf: Stimmt ab, bloggt, twittert und redet, was das Zeug hält. Jeder neue Internet-User, den man bewegen kann, trotz Anmeldehürden für die Sache zu voten, bringt uns einen Schritt weiter in die richtige Richtung. Wir sollten uns nicht darauf ausruhen, dass irgendwann heute oder morgen die benötigten 50.000 Stimmen erreicht werden.




