zweipunktnull.org

10 Mai, 2009

Zensur, Verbote und wenig Einsicht

Posted by: Casi In: Politik|World wide web

Share

Die – auch hier schon – oft thematisierte und viel beachtete Petition gegen die Internetsperren ist sagenhaft erfolgreich. Sogar die erfolgreichste Petition überhaupt! Mehr als 67000 Menschen haben bereits unterzeichnet, was bedeutet, dass mehr Menschen die Petition unterschrieben haben, als Parteien wie die Grünen oder die FDP Mitglieder haben!  Der bisherige Effekt scheint aber lediglich zu sein, dass die internetaffinen Menschen dem Thema gar nicht mehr entkommen können, weil sich sehr viele Blogs (zum Glück) damit auseinandersetzen und sich darüber hinaus die Politiker noch vehementer dagegen sträuben, ihren Standpunkt zu überdenken.

Vielfach wird darauf hingewiesen, wie angenehm man mit einem vermeintlichen Schlag gegen Kinderpornografie auf Stimmenfang gehen kann und dummerweise glauben die Politiker immer noch, den mahnenden und kritisierenden Stimmen aus dem Netz kein Gehör schenken zu müssen. Nach wie vor wird man als Mitzeichner der Petition in eine bedenkliche Schmuddelecke des Netzes gedrängt und trotz der endlich doch stark zunehmenden Medienpräsenz des Themas zeigen sich die entscheidenden Politiker (um die geht es schließlich und nicht um die durchaus vorhandenen internetaffinen Politiker) gewohnt beratungsresistent.

Immer und immer wieder wird getrommelt für den Kampf gegen Kinderpornos und so langsam muss man das Gefühl haben, dass die sich nicht aus Dummheit sondern aus Verschlagenheit vor den Argumenten verschließen. Das Thema ist nicht so schwierig zu vermitteln, als dass ein vermeintlich intelligenter Spitzenpolitiker es nicht begreifen könnte, wie sinnlos eine angedachte Internetsperre in Form eines Stoppschildes ist. Oder schreiben die sich auch mit Zuckerguß "zuckerfrei" auf ihre Sahnetorte, damit sie nicht weiter zunehmen?

Natürlich gibt es im Internet nicht nur Zuspruch, sondern auch kritische Stimmen. Stimmen, die die Petition für nicht clever formuliert halten und somit mehr Schaden als Nutzen vermuten. Der Meinung kann ich mich nicht anschließen, weil es nicht in erster Linie darum geht, dass Franziska Heinze sich im Bundestag mit ihrem Einwand von der deutschen Politiker-Elite belächeln lässt. Viel mehr muss es doch darum gehen, den "normalen" Internetnutzer – und das ist doch zukünftig fast die komplette Bevölkerung des Landes – zu sensibilisieren für die Problematik.

Hoffnungslos erscheint unser Vorhaben dennoch nicht. Immer mehr Experten haben Einwände gegen die angedachte Internetsperre, die Medien greifen das Thema mehr und mehr – und durchaus auch differenziert – auf und es entstehen mitunter großartige Blogpostings zum Thema, die das Zeug dazu haben, eine große Zahl der Internetnutzer zu erreichen.

Diese Tendenzen sind schön, aber immer noch zu wenig, denn es ist mittlerweile eine ganze Schweineherde, die durchs Dorf getrieben wird. Es geht doch schon längst nicht mehr um "nur" die Kinderpornografie. Stimmen werden bereits laut, dass es ebenfalls auf Jugendpornografie ausgeweitet werden soll. Als Allheilmittel gegen Amokläufe hat man die Paintball- und "Killer"-Spieler ausgemacht, es werden World-of-Warcraft-Verbote gefordert und es scheint keine Forderung zu absurd zu sein, als dass man sie wahlkampf-infizierten Politikern nicht zutrauen würde.

Angesichts dessen bin ich mir hier auch nicht zu schade, nochmal und nochmal das gleiche Thema aufzugreifen, nochmal zum Unterzeichnen der Petition aufzurufen und Euch weiterhin zu bitten, die Ideen und Erklärungen weiter zu tragen – gerade an die Menschen, die Euch mitteilen, dass sie es toll finden, dass endlich mal was gegen die Kinderpornografie unternommen wird.

Neben den oben bereits verlinkten Artikeln von Cem, Don und Co möchte ich noch ein paar Links ergänzen, die mit tollen Artikeln aufwarten:

Ich bin politisch – und das habe ich hier schon öfter erwähnt – nicht so ambitioniert wie viele meiner Bloggerkollegen, aber jetzt gilt es, jede Möglichkeit zu nutzen, unsere Kräfte zu bündeln. Ein Blogbeitrag, eine Petition, ein Tweet – das alles sind kleine Bausteine. Deswegen hoffe ich, dass noch viele dieser Bausteine dazukommen in den nächsten Tagen und sich niemand entspannt zurücklehnt, bloß weil die benötigten 50.000 Stimmen für eine Petition erreicht wurden. 

 

 

 

 

 

  • Ganz ehrlich. Ich glaube nicht, dass das eine Änderung herbeiführt. Es hilft aber sicherlich einem die Gefahren und Probleme bewusst zu machen. Insofern,weiter so!
blog comments powered by Disqus

Follow me

Follow Me!

Facebook

Google Friend Connect